Ein alter Brauch wird neu entdeckt

Osterfeuer

Den Abend des Ostersonntags nutzen zahlreiche Erler die Gelegenheit, im Schein des lodernden Osterfeuers auf dem Schützenfestplatz an der Marienthaler Straße in geselliger Runde miteinander zu feiern. Für viele Besucher ist das Osterfeuer ein altbekannter Brauch. Aber nicht für alle.

ERLE

, 28.03.2016, 17:39 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ein alter Brauch wird neu entdeckt

Pater Johnsun entzündete das Osterfeuer auf dem Schützenfestplatz an der Marienthaler Straße.

Rund 300 Schaulustige versammelten sich in der Abenddämmerung rund um das Osterfeuer, das eine reinigende Wirkung haben soll sowie die keimende Saat vor bösen Geistern und Hexen schützen und den Winter zu vertreiben soll. Pater Johnsun zündete unter den wachsamen Augen des Erler Löschzugs gemeinsam mit den Messdienern von St. Silvester den von den Erler Schützen aufgetürmten Holzscheit an.

Großes Familienfest

Dem Geistlichen, der gebürtig aus Kerala in Südindien stammt, ist diese Art von Feierlichkeit fremd. „In der Osternacht feiern wir die Auferstehung Jesus in meiner Heimat gemeinsam mit der Familie, in der Regel im Haus der Eltern. Da meine Familie sehr groß ist, waren wir beim festlichen und gemeinsamen Essen immer rund 20 bis 25 Personen“, erzählt Pater Johnsun, der sich in der Gemeinde sehr wohl fühlt.

Aber auch, besonders an solch einem Feiertag, ein wenig Heimweh bekommt. „Heimat ist Heimat, aber hier bei uns in der Gemeinde wird auch schön gefeiert und die Leute sind sehr nett“, sagt Pater Johnsun.

Flüchtlinge waren mit dabei

Erstmalig bei dem Osterfeuer dabei waren auch junge Christen, Flüchtlinge aus dem Iran, denen ebenfalls die Bedeutung des Osterfeuers unbekannt war. „Bei uns im Iran feiern wir Christen auch Ostern. Allerdings sehr leiste und versteckt im Haus“, erklärt der 27-jährige Benyamin Khybargir.

„Die Familien kommen zusammen und die Frauen bringen alle etwas zum Essen mit. Allerdings läuft das alles unter strengster Geheimhaltung ab. Wenn es heraus kommt, dass irgendwo ein christliches Fest gefeiert wird, kommt direkt die Polizei und verhaftet alle Personen“, sagt der Iraner, der mit seiner Mutter und seinem 15-jährigen Bruder seit gut vier Monaten in Erle lebt.

Musikalisch begleiteten die Erler Jäger das Geschehen. Der Kindergarten St. Nikolaus sorgte an diesem Abend für kalte Getränke und Bratwürstchen. 

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