Elke Rybarczyk: „Ob ich so strikt sparsam wäre, weiß ich nicht“

rnKommunalwahl 2020

Es sei Zeit, dass eine Frau ins Rathaus kommt, sagt Elke Rybarczyk. Sie tritt für die SPD als Bürgermeisterkandidatin an. Was sie anders machen würde, erklärt sie im Interview.

Raesfeld

, 24.08.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Elke Rybarczyk ist 64 Jahre alt, verheiratet, hat zwei erwachsene Söhne und wohnt seit fast 25 Jahren in Raesfeld-Erle. Sie unterrichtet am Gymnasium Englisch, Erdkunde und Politik. Seit zehn Jahren engagiert sie sich politisch, seit fünf Jahren in der Flüchtlingshilfe.

Bereits 2014 trat Elke Rybarczyk (l.) als Bürgermeisterkandidatin der SPD an.

Bereits 2014 trat Elke Rybarczyk (l.) als Bürgermeisterkandidatin der SPD an. © Petra Bosse (A)

2014 sind Sie für die SPD als Bürgermeisterkandidatin gegen Andreas Grotendorst angetreten und erhielten 17,9 Prozent der Stimmen. Warum versuchen Sie es noch einmal?

Ich bin gefragt worden. Eigentlich war mir seit 2014 klar, dass ich es wieder versuchen will. Ich halte es für wichtig, dass es bei einer Bürgermeisterwahl Gegenkandidaten gibt. Und dass eine Frau ins Rathaus kommt. Ich bin auch der Meinung, dass ein Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin vor Ort wohnen sollte - und zwar sieben Tage die Woche.

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Drei Fragen an Elke Rybarczyk

Mit Martin Tesing, der für die CDU antritt, haben Sie wieder einen Verwaltungsfachmann als Gegner. Macht das den Wahlkampf schwieriger?

Nein. Es war klar, dass es jemand aus der Verwaltung sein würde. Es ist nur insofern schwieriger, weil er Zugang zu Zahlenmaterial hat, zu dem wir keinen Zugang haben.

Was muss sich im Rathaus ändern?

Viele Projekte werden angefangen und nicht konsequent zu Ende geführt. Etwa die Raesfelder Mitte. Seit 2018 hat man nichts mehr davon gehört, wir werden immer abgespeist mit einem Architekten-Wettbewerb. Da fehlt mir die Transparenz. Dann beobachte ich, dass viele Dinge des Alltags liegen bleiben. Man kommt mit bombastischen Projekten - kümmert sich aber nicht um den kaputten Fahrstuhl in der Villa Becker. Man hat den Anbau des Kindergartens in Erle nicht pünktlich hingekriegt - da war auch Stillstand. Verkehrsinseln, Seitenstreifen und Kreisverkehre verlottern. Bei der Überschwemmung zuletzt konnte eine ältere Dame nicht mehr in ihre Wohnung. Sie sagte mir: „Ich weiß nicht wohin, meine Möbel sind zerstört.“ Warum kümmert sich da keiner? Ich würde als Bürgermeisterin eine offene Tür haben - nicht nur für meine Bediensteten.

Das Dorfentwicklungskonzept ist der große Plan für Raesfeld und Erle in den nächsten Jahren. Wo sehen Sie noch Diskussionsbedarf?

In der Raesfelder Mitte will ich eine kleinteilige Bebauung. Wichtig ist die Verkehrsberuhigung der Weseler Straße. Froschbrunnenplatz: Die Parkplätze müssen da weg - das muss wieder Aufenthalts-Charakter bekommen.

Das Coronavirus wird uns noch lange beschäftigen. Was sollte die Gemeinde tun, um die Folgen der Pandemie abzumildern?

Das Management des Bürgermeisters und der Verwaltung in der Pandemie fand ich absolut super. Es war mal die Rede von einem Fonds ...

... den die UWG vorgeschlagen hatte ...

Genau. Ich fand die Idee gar nicht so schlecht, um Menschen in akuter Not zu helfen. Über Details kann man streiten. Die Summe von 560.000 Euro hätten wir nicht mitgetragen.

Auf die Schuldenfreiheit Raesfelds waren die Politiker immer stolz. Würden Sie den Sparkurs so weiter fortführen?

Sie sind zurecht darauf stolz. Als Bürgermeisterin würde ich die Schuldenfreiheit erhalten wollen. Ob ich so strikt sparsam wäre, weiß ich nicht. Denn ich sehe immer das eine oder andere, das getan werden muss. Etwa eine weitere Stelle für den Bauhof - es gibt dort zu viel Arbeit für zu wenige Leute.

Raesfeld erlebt in Gewerbe- und Wohnbaugebieten einen Bau-Boom. Braucht das Dorf noch mehr Erweiterung?

Das vermag ich nicht zu beantworten. Man sollte auf bezahlbaren Wohnraum achten. Viele Baufirmen, nicht alle, die in Raesfeld Mehrfamilienhäuser bauen, nehmen Mieten am oberen Rand des Mietspiegels - das finde ich nicht okay.

Laut Prognose soll Raesfeld schrumpfen, tut es aber bislang nicht. Die Demografie-Experten erwarten aber eine alternde Bürgerschaft. Wie sollte die Gemeinde reagieren?

Wir sind froh, dass unser Vorschlag bezüglich Betreuten Wohnens endlich umgesetzt worden ist. Wir würden das weiter forcieren. Uns schweben aber noch andere Wohnmodelle für ältere Leute vor: Senioren-WGs oder Mehrgenerationen-Einheiten. Ich plädiere dafür, dass man so lange selbstständig bleiben soll, wie man kann. Ich würde auch versuchen, einen Seniorenbeirat zu schaffen.

Was würden Sie konkret für Familien tun?

Bezahlbaren Wohnraum bereitstellen. Es gäbe die Möglichkeit, dass die Gemeinde eine eigene Wohnbaugesellschaft gründet. Es gibt im Kreis auch eine Wohnbaugesellschaft, der man beitreten könnte. Ich möchte auch ein Jugendforum einrichten - einmal im Jahr im Rathaussaal. Ich möchte gerne ihre Fragen, ihre Vorschläge, ihre Kritik hören.

Wie würden Sie in Raesfeld den Klimaschutz vorantreiben?

Ich würde versuchen, die Leute zu motivieren, auf den ÖPNV umzusteigen. Ich plädiere für breitere Blühstreifen an den Feldern, wobei ich da die Landwirte loben möchten. Es hat mittlerweile fast jedes Feld einen Blühstreifen - vielleicht könnte man ihn noch ein bisschen breiter machen. Ein Anfang ist gemacht. Ich finde Steingärten schrecklich. Ich würde sie aber nicht verbieten, sondern versuchen, die Leute zu überzeugen, etwas Blühendes reinzustellen. Ich verstehe aber, wenn ältere Leute sagen: Ich kann das nicht mehr bewirtschaften.

Was wäre ihr Plan für eine Zeit nach Umsetzung der Dorfentwicklung?

Ich hätte zwei Ideen: ein Kulturzentrum nach Vorbild des Hofs Jünger in Kirchhellen. Das alte Pfarrheim in Erle wäre dafür optimal gewesen. Und für junge Leute einen Mountainbike-Parcours - gesehen habe ich das unter pumptrack.de . Ein welliger Rundkurs, der auch mit BMX-Rädern oder Bobbycars befahren werden könnte.

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