Die Bücherei im St. Silvester Haus soll sich auf Kinder spezialisieren. © Berthold Fehmer (A)
Bücherei

Erler Bücherei soll sich auf Kinder spezialisieren

Die Bücherei im St. Silvester Haus soll (fast) komplett auf Kinder umgestellt werden. Beraten wird dies im Hauptausschuss. Doch die Politiker haben kaum eine andere Wahl.

Die beiden öffentlichen Büchereien in Raesfeld und Erle werden von der Kirchengemeinde St. Martin getragen. Seit 2015 ist die Erler Bücherei im St. Silvester Haus untergebracht, doch die Nachfrage sinkt stetig.

Erster Beigeordneter Markus Büsken kommt zum Urteil: „Erwachsene nutzen die Bücherei in Erle kaum noch.“ In Erle sei der Anteil der erwachsenen Nutzer auf 25 Prozent gesunken, in Raesfeld liegt er bei 63 Prozent. „De facto werden in der Bücherei Erle nur noch Kinderbücher nachgefragt“, so Büsken.

Dies allerdings auch im Wesentlichen von Kindern der Silvesterschule, die regelmäßig während der Unterrichtszeiten die Bücherei aufsuchen und dort Bücher ausleihen. Es kämen kaum noch Eltern mit Kindern sonntags in die Bücherei wie früher, so Büsken.

Gemeinde trägt Großteil der Kosten

Aufgrund der Entwicklung sei die Erler Bücherei seit fünf Jahren nicht mehr in der Förderung des Bistums. Das falle bei den Gesamtaufwendungen für beide Büchereien aber kaum ins Gewicht, so Büsken: „Insgesamt trägt die Gemeinde bereits heute einen Großteil der Kosten für die beiden Büchereien.“

Als „Kernproblem“ sieht Büsken den im Vergleich zu den geringen Ausleihzahlen zu hohen Medienbestand (5.700). „Dieser müsste bei der Größe der Büchereifläche und den Ausleihzahlen um rund 45 Prozent auf einen neuen

Zielbestand von 3.000 Medien reduziert werden.“ Ansonsten drohe letztlich eine Schließung.

Bibliothekstantieme geht an zu viele Autoren

Der Grund liegt in der Bibliothekstantieme: Darunter versteht man eine Vergütung an den Autor dafür, dass die Büchereien seine Bücher gegen geringe Gebühr ausleihen dürfen. „Dies ist de facto ein Genehmigungskriterium für

eine Bücherei, damit diese überhaupt Bücher ausleihen kann“, so Büsken.

In Gesprächen mit der politischen Gemeinde, Kirchengemeinde, Büchereileiterin Jutta Weber und dem Bistum waren sich alle Beteiligten einig, dass die Bücherei in Erle erhalten und ihr Profil geschärft werden solle. So sollen überwiegend nur noch Kinderbücher angeboten werden, dazu wenige Zeitschriften und ein Basisbestand von 20 bis 30 Bestsellerromane für Erwachsene.

Eine Spielecke und die Aufstockung des Kinderangebots (Tonies, Nintendo, Spiele) soll die Kinder in die Bücherei locken. Der Büchereibeirat hat die Pläne bereits einstimmig beschlossen, der Hauptausschuss berät am 21. Juni.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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