Feuerwerk klanglich hervorragender Konzerte

Musiklandschaft Westfalen

Die Vorfreude war groß, als Dirk Klapsing, Organisator der 8. Musiklandschaft Westfalen, am Freitagabend seine Gäste im Hof des Schloss Raesfeld begrüßte. Justus Frantz mit seiner Philharmonie der Nationen stand auf dem Programm, und es war schon vor Beginn klar, dass es ein besonderer Abend werden würde.

Raesfeld

von Werner Wenig

, 31.07.2016, 14:57 Uhr / Lesedauer: 3 min

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Impressionen der Musiklandschaft

Hunderte Musikfreunde gingen in dem Genuss der Musiklandschaft am Schloss Raesfeld auf. Hervorragende Musik und ein tolles Feuerwerk bescherten den Besuchern eindrucksvolle Erlebnisse.
31.07.2016
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Justus Frantz und die Philharmonie der Nationen interpretieren mit der Aufführung am Schloss Raesfeld eindrucksvoll ein musikalisches Schlachtengemälde.© Petra Bosse
Intendant Dirk Klapsing (l.) und Bürgermeister Andreas Grotendorst begrüßten die Besucher bei der diesjährigen Musik:Landschaft Westenfalen am Wasserschloss Raesfeld.© Petra Bosse
Ausverkauftes Haus am Samstagabend bei Anna Maria Kaufmann.© Petra Bosse
Mit einem Feuerwerk endete das Konzert der musik:landschaft westfalen am Freitagabend am Schloss Raesfeld.© PETRA BOSSE
Justus Frantz und Justus Frantz und die Philharmonie der Nationen interpretierten mit der Aufführung am Schloss Raesfeld eindrucksvoll ein musikalisches Schlachtengemälde.© Petra Bosse
Justus Frantz und die Philharmonie der Nationen interpretieren mit der Aufführung am Schloss Raesfeld eindrucksvoll ein musikalisches Schlachtengemälde.© Petra Bosse
Anna Maria Kaufmann und die russische Kammerphilharmonie St. Petersburg, dirigiert von Juri Gilbo.© Petra Bosse
Mit einem sensationellen Feuerwerk endete das Konzert am Freitagabend im Schlossinnenhof von Raesfeld.© Petra Bosse
Rund 1000 Besucher kamen am Freitagabend zum Konzert am Wasserschloss Raesfeld.© Petra Bosse
Die russische Kammerphilharmonie St. Petersburg, digiert von Juri Gilbo.© Petra
Anna Maria Kaufmann und die russische Kammerphilharmonie St. Petersburg, dirigiert von Juri Gilbo.© Petra Bosse
Anna Maria Kaufmann begeisterte mit ihrem Gesang das Publikum.© Petra Bosse
Anna Maria Kaufmann und die russische Kammerphilharmonie St. Petersburg, dirigiert von Juri Gilbo.© Petra BOSSE
Sopranistin Anna Maria Kaufmann und Antonio Rivera.© Petra Bosse
Anna Maria Kaufmann und die russische Kammerphilharmonie St. Petersburg, digiert von Juri Gilbo.© Petra BOSSE
Sopranistin Anna Maria Kaufmann und Antonio Rivera.© Petra Bosse

Die Sonne zeichnete mit ihren letzten Strahlen bunte Streifen auf den Himmel, das Schloss wirkte durch seine nostalgische Fassade, und das fröhliche Stimmengewirr der Zuhörer zauberte eine vibrierende Erwartung herbei. Martialische Themen hatte Justus Frantz ausgewählt, „Les Préludes“ von Franz Liszt, „Wellingtons Sieg (über die Franzosen) von Ludwig van Beethoven, und die „Ouvertüre 1812“ von Piotr Tschaikowsi. Ein wenig, aber doch nicht ganz, fiel die „Symphonie Nr. 103 Es-Dur „Paukenwirbel“ von Joseph Haydn heraus, die musikalisch „vertraut klassisch“ klang, was dem mit dieser Musikrichtung mehrheitlich nicht vertrauten Publikum jedoch nicht weiter auffiel.

Orchester voller Spielfreude

Das Orchester spielte, wie man es von ihm kennt: perfekt eingeübt, klanglich hervorragend, und voller Spielfreude. Justus Frantz hat einen Klangkörper zusammengefügt, der trotz, oder gerade wegen, seiner inhomogenen Zusammensetzung immer wieder überrascht. Auch dem Dirigenten, von dem man weiß, dass er experimentierfreudig ist, war anzumerken, dass ihm solch ein Konzert Spaß macht. Justus Frantz gibt auch wenig bekannten Musikern eine Chance, wenn er in ihnen ein Talent wittert. Typisch für ihn war, dass er in Raesfeld bei einigen Stücken das Kreisorchester Borken mit einbezog, das insgesamt eine hörenswerte Vorstellung gab.

Alle seine Stücke hatten mit dem Krieg zu tun, allen voran „Wellingtons Sieg“, das Beethoven 1813 nach der Schlacht von Vitoria schrieb. Original gespielt, werden sogar echte Kanonen abgefeuert, was in Raesfeld, wie Dirk Klapsing erläuterte, wegen des Einspruchs des Ordnungsamtes, durch Lautsprechergeräusche ersetzt wurde. Beeindruckend ist es allemal, kommen doch Kriegshandlungen mit ihren Geräuschen sowie die Nationalhymnen der Kontrahenten zum Ausdruck. Der Bezug zur neueren Zeit lässt sich mit einiger Mühe durch die Tatsache begründen, dass das Thema der Préludes den Nazis im zweiten Weltkrieg als Erkennungsmelodie der damaligen Wochenschau und des Wehrmachtberichtes diente. Diese etwas düsteren Parallelen wurden jedoch durch die historische Kulisse des Schlosses und das großartige Feuerwerk gemildert.

Höhepunkte am zweiten Veranstaltungstag

 Tag 2 der achten Ausgabe des Festivals Musiklandschaft Westfalen in Raesfeld: Das Wetter hält, kein Sitzplatz ist mehr frei, rund um die Gourmet-Zelte ist fröhliches Treiben. „Auf Festival-Modus sind wir erst, wenn es in Raesfeld losgeht“, verkündet Dirk Klapsing, der Organisator des Festivals lachend, und der Raesfelder Bürgermeister Andreas Grotendorst ergreift gut gelaunt die Gelegenheit, für seinen Ort zu werben.

„Wir feiern hier im Schatten des höchsten Schlossturms in Westfalen.“ Damit erinnert er an eine der zahlreichen Sehenswürdigkeiten Raesfelds. Doch alle warten auf die Russische Kammerphilharmonie unter ihrem Dirigenten Juri Gilbo und die Solisten, den Tenor Antonio Rivera und die Sopranistin Anna Maria Kaufmann, vielen schon bekannt vom Musical „Phantom der Oper.“ „Vor zwanzig Jahren habe ich sie im Wembley-Stadion gehört, sie sang dort die deutsche Nationalhymne,“ verkündet Andreas Grotendorst, und Anna Maria Kaufmann ergänzt wenig später: „Es war das letzte Mal, dass Deutschland die Fußball-Europameisterschaft gewann.“

Bombastische Ouvertüre

Dann beginnt das Orchester bombastisch mit der Ouvertüre zur Oper Carmen. Es zeigt damit, dass es zur absoluten Spitze gehört. Kann man das noch toppen? Dass man es kann, zeigt gleich darauf Antonio Rivera mit der Artie „La Fleur“ und Anna Maria Kaufmann mit „Habanera“. Es sind Stimmen, die auf dem Burghof umherflirren, von den historischen Gemäuern reflektiert werden, und die Ohren der Zuhörer ausfüllen. Ein Fest des Gesangs und der Musik. Abwechselnd geht es weiter, mal der Tenor, mal die Sopranistin, mal das Orchester allein. „O mio babbino caro“ aus der Oper Gianni Schicchi von Giaccomo Puccini singt Anna Maria Kaufmann, „La Danza“, Tarantella Napolitana von Giachino Rossini Antonio Rivera. Das neapolitanische Lied „Funiculi Funicola“ singen beide Solisten gemeinsam, immer begleitet vom Orchester. „Der Liebe gewidmet“, wie Anna Maria Kaufmann erklärt. Die Lieder und Arien wie „Liebe, du Himmel auf Erden“ von Franz Lehar, „Als flotter Geist“ aus dem „Zigeunerbaron“, oder „I could have danced tonight“ von Frederick Loewe, die manchmal etwas verkitscht werden, hören sich, von Ausnahmekünstlern gesungen, wunderbar an.

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