Flüchtlinge stehen Schlange für ein eigenes Fahrrad

Dringend Spendenräder benötigt

Schlange stehen für ein Fahrrad. Im Fahrradkeller der Flüchtlingsunterkunft in Raesfeld geht es einmal die Woche zu wie im Taubenschlag. Alle wollen nur eins – einen fahrbaren Untersatz. Die Warteliste ist aber so lang, dass viele oft unverrichteter Dinge wieder den Heimweg antreten müssen. Zum Bedauern aller leider zu Fuß.

RAESFELD

, 23.12.2015, 16:49 Uhr / Lesedauer: 1 min
Sechs ehrenamtliche Helfer arbeiten einmal wöchentlich im Akkord im Fahrradkeller, um die gespendeten Räder aufzuarbeiten und verkehrssicher zu machen. Wer will, darf ein wenig mitschrauben und helfen.

Sechs ehrenamtliche Helfer arbeiten einmal wöchentlich im Akkord im Fahrradkeller, um die gespendeten Räder aufzuarbeiten und verkehrssicher zu machen. Wer will, darf ein wenig mitschrauben und helfen.

Sechs ehrenamtliche Helfer arbeiten die gespendeten Räder wöchentlich im Keller auf, machen sie verkehrssicher. Angefangen hatte das im März mit wenigen Rädern. "Es gab weder einen Unterstellplatz noch eine Werkstatt. Wir hatten auch keine Idee, wie das mit der Fahrradübergabe laufen soll", erinnert sich Stefan Terhart.

Das gehört der Vergangenheit an: mittlerweile gibt es einen Zwischenlagerraum sowie eine kleine Werkstatt. 120 Räder wurden in den vergangenen Monaten vermittelt, immer noch stehen 30 Personen auf der Warteliste.

Arbeiten im Akkord

Da es bei den jungen Männern mit der Schrauberei noch nicht so klappt, arbeiten die sechs Helfer im Akkord. "Hier ist noch Aufbauarbeit angesagt, aber dazu haben wir leider keine Zeit und zu wenig Helfer, die erklären können, wie ein Rad repariert wird", meint Terhart. Der Ton untereinander ist herzlich, auch wenn es mal lange Gesichter gibt, wenn jemand immer noch kein Fahrrad bekommt.

"Finanzielle Unterstützung haben wir noch nie in Anspruch genommen. Wir finanzieren uns dadurch, dass wir für jedes vermittelte Rad eine Nutzungsgebühr von zehn oder zwanzig Euro, je nach Zustand, erheben. Wenn das Fahrrad wieder zurückgegeben wird, bekommen sie dann auch ihr Geld wieder", so Terhart.

Enttäuschte Hoffnungen

Der Service hat sich über Raesfelds Grenzen rumgesprochen. Ein junger Eritreer kam extra aus Borken in der Hoffnung, wieder mit einem eigenen Rad nach Hause fahren zu können. Die Enttäuschung war groß, als er hörte, dass nur Raesfelder und Erler hier ein Fahrrad bekommen. Ein langes Gesicht machte auch der Leo (28) aus Erle. Er ist bereits zum dritten Mal für ein Rad nach Raesfeld gelaufen. Musste aber erneut feststellen, dass er auf Listenplatz 34 steht und mindestens noch eine Woche warten muss. "Uns gehen so langsam die Räder aus und wir brauchen dringend neue Spendenräder", so Terhart.

Wer ein Fahrrad spenden oder als ehrenamtlicher Helfer wöchentlich helfen möchte, kann sich bei der Katholischen Kirchengemeinde St. Martin unter Tel. (0 28 65) 72 76 melden.

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