„Froschkönig“: Erfolgsgeschichte mit guter und günstiger Kleidung

rnKleiderstube

Im Märchen holt der Froschkönig die goldene Kugel aus dem Brunnen. In Raesfeld ist dem „Froschkönig“ etwas Ähnliches gelungen - mit guter und günstiger Kleidung.

Raesfeld

, 30.10.2020, 12:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Erfolgsgeschichte muss man der Kleiderstube der St.-Martin-Gemeinde attestieren. Im Mai 2019 wurde in der Nähe des Froschbrunnens die Kleiderstube in einem lange leer stehenden Ladenlokal an der Klümperstraße 5 eröffnet. 16 Ehrenamtliche engagierten sich, um an zwei Tagen in der Woche gespendete Kleidung für kleines Geld zu verkaufen.

„Wir sind sehr zufrieden“, sagt Dagmar Vogt anderthalb Jahre später, die mit dem Team (immer noch 16) jeweils dienstags und donnerstags von 10 bis 12 und von 15 bis 17 Uhr die Pforten öffnet. Winterschuhe für 3 Euro findet man etwa dort, Kinder- und Erwachsenenkleidung, Spiele. Rund 30 Pullover, schätzt Vogt, werden beispielsweise derzeit pro Monat verkauft.

Die von Anfang an hohe Spendenbereitschaft der Raesfelder ist nicht abgerissen. „Zu 95 Prozent sind das gute Waren, die wir verkaufen können“, sagt Vogt. Ein Experiment hat allerdings gar nicht funktioniert: Das Regal mit den Eine-Welt-Produkten bleibt fast unangetastet. Vogt glaubt, dass die Kunden und Kundinnen des Froschkönigs den Mehrpreis einfach nicht zahlen können. „Einen Versuch war es wert“, sagt aber Pastor Martin Kenkel.

Kunden kommen aus dem Umland

Was sind das für Leute, die im Froschkönig einkaufen gehen? Es seien weniger Raesfelder, berichtet Vogt. Die meisten kämen aus Rhade, Rhede, Lembeck, Schermbeck und Dorsten. Eine Kundin komme einmal im Monat aus Gelsenkirchen. Die hohe Qualität der Produkte habe sich herumgesprochen, glauben die Mitarbeiterinnen. „Wir wissen, dass 80 Prozent der Menschen bedürftige Familien sind“, sagt Kenkel. Nach wie vor gilt: Alle dürfen im Froschkönig einkaufen!

Wie hat sich Corona auf den Froschkönig ausgewirkt? Von den Geschäftsschließungen im Frühjahr sei man auch betroffen gewesen, sagt Vogt, doch danach hätten die Leute vor den Türen gewartet. „Die wollten was Frisches.“ Maskenpflicht und Handdesinfektion sind auch im Froschkönig natürlich angesagt. Neulich habe sie Spielzeug-Dinos bekommen, so Vogt, und gedacht: „Die stelle ich mal ins Schaufenster. Eine Stunde später waren die alle weg.“

Zielmarke deutlich übertroffen

„Plus/minus null“: Das hatte Kenkel vor anderthalb Jahren als Ziel erhofft. Heißt: Die Einnahmen sollten die Miete für das Ladenlokal tragen - im anderen Fall hätte die Kirchengemeinde zu Beginn Fehlbeträge übernommen. „Das war nicht einmal notwendig“, so Kenkel.

Stattdessen konnten die Mitarbeiterinnen nun einen erwirtschafteten Überschuss von 2000 Euro spenden. Matthias Sümpelmann, Vorsitzender der Burgmusikanten, und Christian Willing, Vorsitzender des Fanfarencorps Raesfeld, freuten sich am Mittwoch jeweils über einen Scheck in Höhe von 1000 Euro.

2000 Euro aus dem Überschuss des "Froschkönigs" wurden gespendet. Über jeweils 1000 Euro freuen sich Matthias Sümpelmann (l.) von den Burgmusikanten und Christian Willing vom Fanfarencorps Raesfeld. Dagmar Vogt (2.v.l.), Pfarrer Michael Kenkel (M.) und Ehrenamtskoordinatorin Monika Neumann (2.v.r.) sind froh, wie gut das Konzept der Kleiderstube funktioniert.

2000 Euro aus dem Überschuss des „Froschkönigs" wurden gespendet. Über jeweils 1000 Euro freuen sich Matthias Sümpelmann (l.) von den Burgmusikanten und Christian Willing vom Fanfarencorps Raesfeld. Dagmar Vogt (2.v.l.), Pfarrer Michael Kenkel (M.) und Ehrenamtskoordinatorin Monika Neumann (2.v.r.) sind froh, wie gut das Konzept der Kleiderstube funktioniert. © Berthold Fehmer

Die Coronakrise habe die Musikvereine voll getroffen, berichteten die Vorsitzenden. Auftrittsmöglichkeiten und damit die Chance, Geld zu erwirtschaften, gab und gibt es so gut wie keine mehr - gleichzeitig liefen aber viele Kosten weiter: etwa die Gehälter für die Dirigenten.

Gutes Beispiel für Nachhaltigkeit

Als gutes Beispiel lobt Bürgermeister Andreas Grotendorst die Kleiderstube Froschkönig. „Das bekommen nur ganz, ganz wenige mit.“ Er sehe immer die Kleidung im Schaufenster: „Die Sachen, die da hängen, sind wirklich gut. Das ist wirklich Nachhaltigkeit.“ Und: „Da findet Kommunikation unter Menschen statt - da kann man sich engagieren!“ Über mehr helfende Hände würde sich auch Vogt freuen: „Wir hätten gerne mehr Leute.“

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