Gedenkstein soll an Spartakisten erinnern

Heimatverein Raesfeld

Einen Gedenkstein, der an die im März 1920 getöteten Spartakisten in Raesfeld erinnern soll, will der Heimatverein Raesfeld in der Nähe des vermuteten Massengrabs an der Ecke Roringshook/Heidener Straße aufstellen. Dazu erbittet er einen Zuschuss, über den der Rat am Montag (27. Juni) beraten wird.

Raesfeld

, 23.06.2016, 15:22 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ein Bild vom ursprünglichen Gedenkstein, der von den Nazis „entsorgt“ wurde und nun nach dem Willen des Heimatvereins neu aufgestellt werden soll.

Ein Bild vom ursprünglichen Gedenkstein, der von den Nazis „entsorgt“ wurde und nun nach dem Willen des Heimatvereins neu aufgestellt werden soll.

„Eine ganz schreckliche Geschichte“, nennt Heimatvereinsvorsitzender Richard Sühling die damaligen Vorgänge, die vom gebürtigen Schermbecker Arndt Beck unter dem Titel „Terror in Raesfeld“ aufgeschrieben wurden. Von keiner der Personen im Massengrab wisse man aber einen Namen, so Sühling.

Phase der Anarchie

In einer Phase der Anarchie nach dem Ende des Ersten Weltkriegs hatten bewaffnete Truppenteile sich zusammengeschlossen – darunter auch die Spartakisten, die Teile des Ruhrgebiets in ihrer Gewalt hatten. Auch Wesel wollten sie in ihre Hand bekommen. Die örtlichen Verwaltungen wandten sich an Berlin, doch der Regierung waren die Hände gebunden, da diese Region entmilitarisiertes Gebiet war und funktionierende Kommandostrukturen fehlten. Das so genannte „Freicorps“ eilte mit militärischem Gerät von Oberschlesien herbei und erschoss in Raesfeld die erfolglos aus Wesel zurückkehrenden Spartakisten.

Zwei Gräber

Ursprünglich gab es laut Sühling zwei Massengräber: eines an der Marbecker Straße für etwa 28 Tote, ein weiteres unweit der Weseler Straße vor dem Tiergarten für die anderen etwa 24 Toten. Am ersteren war ein Gedenkstein aufgestellt. Um 1935 herum wurden die sterblichen Reste aus beiden Massengräbern exhumiert und in einem gemeinsamen Massengrab am neuen Standort beigesetzt. Keiner der Toten wurde damals identifiziert und mit Namen bekannt. Der Gedenkstein wurde laut Sühling von den Nazis „entsorgt“.

„Drei Tage Bürgerkrieg“

Grundlage und Begründung für die „Neu“-Aufstellung des in der NS-Zeit „entsorgten“ Gedenksteins, so Sühling, sei das von Adalbert Friedrich in den 70er Jahren herausgegebene Buch „Drei Tage Bürgerkrieg in Raesfeld“ , das das Ende des Spartakistenaufstandes beschreibt. Den größten Teil der Kosten will der Heimatverein tragen: insgesamt fast 2800 Euro. Der Rat berät am Montag darüber, ob die Gemeinde einen Zuschuss von maximal 25 Prozent (fast 700 Euro) zahlen soll, und ob sie sechs Quadratmeter des gemeindlichen Grundstücks für die Aufstellung des Steins zur Verfügung stellt. 

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