Mitarbeitende der Raesfelder Altenpflege-Einrichtungen sollen einen Gutschein des Ortsmarketings als Anerkennung für die besonderen Belastungen in der Pandemie erhalten. (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Coronavirus

Gutscheine für Pflegekräfte: Überraschung nach langer Diskussion

Die Belastung von Pflegekräften der Senioreneinrichtungen in Corona-Zeiten wollte die CDU mit Gutscheinen honorieren - trotz Bedenken der UWG und FDP. Am Ende gab es eine Überraschung.

Sarah Gößling (CDU) hielt zu Beginn der Diskussion im Raesfelder Hauptausschuss ein emotionales Plädoyer für die Pflegekräfte. Vielen Menschen verlange die Pandemie viel ab. Besonders gefährdet seien die älteren Menschen, die mit strikten Ein- und Ausgangsbeschränkungen in den Einrichtungen geschützt werden sollten. Die Mitarbeitenden seien neben ihrer Arbeit zu Freunden, Seelsorgern, Zuhörern und oft zum einzigen Kontakt zur Außenwelt für die Bewohner geworden.

Gleichzeitig hätten sie unter „permanenter emotionaler Belastung“ fürchten müssen, bei geringsten Fehlern nicht nur für sich und ihre Familien, sondern auch für die Bewohner ein hohes Risiko „mit unmittelbar tödlichen Konsequenzen“ zu erzeugen, so Gößling. Mit Gutscheinen vom Ortsmarketing über 100 (Vollzeit-Kräfte) und 50 Euro (Teilzeit) wollte die CDU „Danke sagen“.

„Ich kann nur den Hut ziehen“

„Ich kann nur den Hut ziehen vor der Leistung der Menschen“, sagte Johannes Lülf (UWG). Dennoch glaube er, „dass wir damit größere Probleme erzeugen.“ Denn man könne nicht gut abgrenzen zu anderen Berufen, die ebenfalls stark belastet seien, oder zu Raesfelder Altenpflege-Mitarbeitenden, die vielleicht in Borken oder Heiden arbeiteten. „Ich glaube, dass wir da viele andere brüskieren“, glaubte Lülf.

Der Ansatz der UWG sei eher, sich um die zu bemühen, „die Einkommen verlieren, die Probleme haben“. Viele 450-Euro-Jobs seien weggefallen. Dienstleister und Gastronomie hätten schließen müssen. Deshalb schlug die UWG ein „Gutschein-System“ vor, bei dem die Verwaltung ausarbeiten solle, dass möglichst nur Unternehmen profitierten, die während der Pandemie ihre Aktivitäten stark einschränken mussten. Dieser Vorschlag wurde vom Ausschuss allerdings abgelehnt.

„Die Menschen werden denen das gönnen“

„Wir können nicht das Leid aller Unternehmen als Kommune lindern“, begründete Hans-Dieter Strothmann (CDU) seine ablehnende Haltung. Er bezweifele eine Neid-Debatte bei der Altenpflege. „Die Menschen werden denen das gönnen, auch wenn sie selbst betroffen sind.“

Elke Rybarczyk (SPD) schlug vor, auf eine Staffelung der Gutschein-Summe nach Voll- und Teilzeit zu verzichten. Teilzeitkräfte hätten viele Überstunden angehäuft und eine Unterscheidung „würde zu Unruhe unter dem Pflegepersonal führen“. Dem konnte sich Bernhard Bölker (CDU) anschließen. Norbert Brömmel (Grüne) stimmte ebenfalls zu, sagte aber auch, dass man leider mit so einer Anerkennung „nicht alle, die viel mehr verdient haben“ erreiche.

14.200 Euro werden die Gutscheine kosten. 34.000 Euro stellte der Ausschuss außerplanmäßig in den Haushalt ein. Den Rest könnten notleidende Vereine, die keine Landesunterstützung erhalten, nach Einzelprüfung erhalten.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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Berthold Fehmer