Hitzige Disskussionsrunde um Regnum Christi

St.-Martin-Gemeinde

"Bitte nicht heute hier wieder mit einer Lüge anfangen", kommentierte gleich zu Anfang Michael Wehling die vom Pfarreirat St. Martin einberufene Diskussionsrunde zum Thema Regnum Christi am Dienstagabend im Saal von Droste. Damit läutete er einen Abend voll hitziger Streitgespräche ein.

RAESFELD

, 17.11.2016, 17:19 Uhr / Lesedauer: 2 min
Hitzige Disskussionsrunde um Regnum Christi

Zur Diskussionsrunde eingeladen waren Dr. Jochen Reidegeld, stellvertretener Generalvikar und Domvikar im Bistum Münster, Mike Otte, Vorsitzender Pfarreirat St. Martin, Pfarrer Peter van Briel, Sprecher der Karl-Leisner-Jugend sowie der Sprecher von Regnum Christi, Karl-Olaf Bergmann (v. l.). Es moderierte Udo Rößing, Bürgermeister a. D..

Rund 300 Besucher folgten der Einladung in den Saal von Droste - teils aufgewühlt, teils traurig und teils suchend nach Erklärungen für die Situation in der seit Monaten gespaltenen Kirchengemeinde. Vorausgegangen war in den vergangenen Wochen die Kritik von drei Familien an der Veranstaltungsreihe "Samstags bei Silvester" (wir berichteten). 

Eine kleine Gruppe ist der geistlichen Gemeinschaft Regnum Christi, die den "Legionären Christi" angegliedert ist, sehr nahe und organisert in regelmäßigen Abständen Veranstaltungen. Dieses, und die Tatsache, dass Pastor Michael Kenkel dieses Engagement fördert, wird von einigen Gemeindemitgliedern kritisch gesehen.

Mit katholischer Lehre vereinbar

Eingeladen waren am Dienstag der Domvikar und stellvertretende Generalvikar im Bistum Münster, Dr. Jochen Reidegeld, der Leiter für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit von Regnum Christi, Karl-Olaf Bergmann sowie Pfarrer Peter van Briel, Sprecher der Karl-Leisner-Jugend.

Als Moderator konnte Udo Rößing, Bürgermeister a. D., gewonnen werden. Doch trotz dessen Besonnenheit war ein friedliches Miteinander an diesem Abend nur einigermaßen möglich. Dr. Jochen Reidegeld betonte gleich zu Anfang: „Jeder von uns glaubt auf seine Weise."  Darüber hinaus stellte er eindeutig klar, dass es bei der Gemeinschaft Regnum Christi und der Karl-Leisner-Jugend keine Entwicklungen gebe, in denen Angebote nicht mehr mit der katholischen Lehre vereinbar sind. „Diese Gefahr ist nicht gegeben und aus Sicht des Vatikans und des Bistums sind sie keine sektiererischen Bewegungen“, so Reidegeld.

Schwere Vorwürfe

Beschwert wurde sich dennoch viel an diesem Dienstagabend. So musste sich etwa Regnum-Sprecher Karl-Olaf Bergmann den Vorwurf gefallen lassen, dass in der St.-Martin-Gemeinde eine Tätergruppe unterwegs sei, die sich an den Kindern vergehen wolle. Eine Besucherin bat in diesem Zusammenhang um Aufklärung hinsichtlich des Opferschutzes der Kirche. Dieser solle die "Kinder und Jugendlichen vor sexuellem Missbrauch von diesen Gruppen schützen." Ebenfalls wurde der Vorwurf laut, dass die Kirche alles zu diesem Thema unter den Teppich kehren will. Karl-Olaf Bergmann sagte darauf: "Wenn das Vertrauen nicht gegeben ist, muss es aufgebaut werden, da bin ich ganz bei ihnen."

Auch Dr. Jochen Reidegeld musste sich der Anschuldigung stellen, der neueren geistlichen Gemeinschaft Fokular-Bewegung anzugehören. "Eine Behauptung, die nicht stimmt", erwiderte der Domvikar sichtlich aufgewühlt. Die Quelle des Vorwurfs konnte trotz eindringlicher Nachfrage nicht benannt werden.

Weitere Kritik an Pfarrer Kenkel

Auch der kürzlich in die Kritik geratene Pastor Michael Kenkel war als "stiller" Zuhörer anwesend. "Ich glaube, dass es sich nicht mehr um diese Glaubensgruppe dreht, sondern dass vieles nur mit meiner Person zu tun hat", so Kenkel. Grund für den Geistlichen, in den nächsten Tagen einen weiteren Termin mit dem Pfarreirat einzuberufen. Eine weitere Besucherin beschwerte sich am Abend über die Predigten Kenkels: "Mir ist die Pfarrgemeinde viel wert und ich möchte nicht, dass sie kaputt geht. Aber wenn ich in einer Predigt höre, dass es ohne Sonntagsgottesdienst keinen Himmel gibt, dann tut es mir schon weh."

Im Großen und Ganzen wurde also viel beschuldigt, verteidigt und diskutiert. Geklärt wurde allerdings wenig. Die gesammelten Fragen und Vorschläge des Abends gehen in die nächste Sitzung des Pfarreirates ein und werden erneut ausführlich besprochen und ausgewertet.