"Ich bin das Scharnier"

Regionalmanagerin Lea Hildebrandt

"Total geflasht" sei sie gewesen, als sie das Schloss Raesfeld zum ersten Mal gesehen habe, sagt Lea Hildebrandt. Ein Interview mit der 26-Jährigen, die seit dem 1. Juni Regionalmanagerin der Vital.NRW-Region Hohe Mark ist.

Raesfeld

, 07.08.2017, 17:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Managerin mit 26. Wie wird man das? Ich habe nach der Schule meinen Bachelor in Waldwirtschaft und Umwelt gemacht. Davor hatte ich ein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolviert. Das war für mich wegweisend. Ich war nebenbei auch in der Umweltbildung tätig. Meinen Master habe ich in Regionalentwicklung und Naturschutz gemacht, Ab Januar habe mich auf Jobsuche begeben.

Was hat Sie an Ihrer jetzigen Aufgabe gereizt? Die Formulierung „Leben im Naturpark Hohe Mark“ hat mich sofort angesprochen. Für mich die perfekte Kombination: Mit den Leuten ins Gespräch kommen, erfahren, was gebraucht wird, was fehlt.

Manche Politiker haben die Vital.NRW-Region ein bisschen als „Trostpflaster“ empfunden, weil es mit anderen Bewerbungen nicht geklappt hat… Es hat Vor- und Nachteile. Bei Vital.NRW ist der bürokratische Aufwand geringer. Es läuft jetzt ja auch zum ersten Mal und muss erst noch bekannter werden. 

Was genau ist Ihre Aufgabe? Ich bin das Scharnier zwischen den Leuten vor Ort und der lokalen Aktionsgruppe, den handelnden Personen in der Region. In unserer Gruppe sind 13 Mitglieder, die entscheiden, welche Projekte angegangen werden. Meine Arbeit ist eine koordinative. Es geht darum, sich zu vernetzen, ein Ohr dafür zu haben, was gerade los ist. Dazu kommen viele verwalterische Sachen. Ich bin ein „Einfraubetrieb“ und versuche, den Laden am laufen zu halten.

In Raesfeld soll eines der ersten Projekte umgesetzt werden. Wer stellt in so einem Fall den Antrag? Das war der Förderverein des Schlosses. In Dülmen war es die Stadt selbst. Ich unterstütze dabei, den Antrag auszufüllen und vorzubereiten, sodass er bei der Bezirksregierung eingereicht werden kann.

Hat die Bezirksregierung über den Raesfelder Antrag bereits entschieden? Der Antrag ist eingereicht, aber noch nicht genehmigt.

Was genau ist am Schloss Raesfeld geplant? Das Schlossgelände soll für jeden erlebbar gemacht werden. Die Holzbrücke hat etwa Stolperkanten und ist rutschig bei Nässe. Da ist ein Stahlbelag angedacht, der aber wiederum so schwer ist, dass auch tragende Teile erneuert werden müssen. Vom Naturparkhaus zum Schloss, die Freiheit entlang, durch das Tor bei der Vorburg und auf dem Schlosshof soll ein Teil der Pflasterung geändert werden für Rollstuhl- und Rollatorfahrer. Das Pflaster wird dann ebener und hat kleinere Lücken. Für Blinde soll es taktile Streifen geben. Alles so, dass es im Gesamtbild eigentlich nicht auffällt. Auch weitere Bänke zum Ausruhen sollen alle 50 bis 100 Meter aufgebaut werden.

Wie wollen Sie das Schloss für Blinde oder Gehörlose erlebbar machen? Geplant sind Taststationen, etwa am Mauerwerk. An Hörstationen könnte man sich etwas über die Schlossgeschichte anhören. Auch ein Modell des Schlosses zum Tasten ist im Gespräch. Geplant sind auch Infostationen am Schloss und am Naturparkhaus – so, dass Rollstuhlfahrer darunter fahren können, um nah genug heranzukommen. Das ist oft das Problem bei Schautafeln. Eine Idee war, den speziellen Geruch der Werkstätten der Akademie des Handwerks speziell für blinde Personen erfahrbar zu machen. Die Schreinerei könnte wohl am besten zugänglich gemacht werden.

Was soll das Ganze kosten? Die Gesamtsumme liegt bei 150 000 Euro. 65 Prozent trägt das Land, 35 Prozent der Projektträger.

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