Japanische Super-Rinder aus Raesfeld

Wagyus

Die Rinder, die der Raesfelder Bauer Matthias Brömmel züchtet, gehören zu den teuersten und wertvollsten Rindfleischlieferanten der Welt. Das Fleisch der „Wagyu Rinder“, ursprünglich aus Japan stammend, haben nach Meinung von Gourmets den besten Geschmack.

Raesfeld

von Von Andreas Hofmann

, 22.01.2016, 17:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer Brömmels Hof betritt darf kein Feng-Shui oder asiatische Einflüsse erwarten. Hier geht es zu, wie auf den meisten konventionellen Münsterländer Bauernhöfen. Der 26 jährige Raesfelder führt seine Besucher in den Stall. Dort stehen und liegen die relaxten Super-Rinder auf Stroh. Momentan acht an der Zahl. In ganz Deutschland gibt es etwa 650 Tiere; Tendenz steigend.

Zucht

Als er vor sechs Jahren mit seinem Onkel Burkhard Brömmel die Haltung begann, gab es nur wenige deutsche Züchter, die sich der teuren Rinder annahmen. Schwierig war, an lebende Tiere zu kommen. Brömmel wandte sich an eine austalische Zuchtstation, um von dort Rinder-Embryonen nach Deutschland zu holen. „Das ist nicht billig. Ein Embryo kostet zwischen 650 und 1100 Euro.“ Die hiesigen Zuchtlinien leiten sich von Embryo- und Spermabanken aus Australien und USA ab. Diese stammen von einer kleinen Tierpopulation, die zu Forschungszwecken vor etwa 30 Jahren aus Japan exportiert wurde. Die Ausfuhr der Rinder, ihres Spermas oder Embryonen aus Japan ist verboten. In Raesfeld, wie auch bei anderen Züchtern, werden die Embryonen zum Austragen in eine Leihmutter gepflanzt. Eine Garantie, dass die Leihmutter den Embryo annimmt und gesund austrägt, gibt es nicht. Das musste auch Brömmel erfahren.

Abstammungsurkunde

Viele seiner Wagyu-Rinder („Wa“ bedeutet übersetzt japanisch, Gyu: Rind) stammen inzwischen aus eigener Zucht. Er sucht immer wieder nach neuen Genen, um den Genpool zu vergrößern. Das ist wichtig, damit es nicht zur Inzucht kommt. Und: Wenn die Tiere später verkauft werden, muss ihre Abstammungslinie nachvollziehbar 100 Prozent blutrein sein. „Fullblood“ nennt das der Fachmann. Deshalb hat jedes Tier eine Abstammungsurkunde. Die steht im „Herdbuch“. Hier finden sich die Vorfahren, die alle japanische Namen haben.

Die Wagyus werden wie deutsche Rinder in Ställen oder im Sommer auf der Wiese gehalten, doch beim Futter liegt letztlich der Unterschied. Im Vergleich zu deutschen Rinderrassen gönnt Brömmel den Wagyus Entspannung pur. Sie sollen möglichst stressfrei viel Fleisch ansetzen. Denn Stress erzeugt Adrenalin und dieses wirkt sich negativ auf die Fleischqualität aus.

Kastration

Die Stiere werden, sofern sie nicht zur Zucht dienen, zum Ochsen kastriert und dann die letzten zwölf Lebensmonate besonders gefüttert. „Durch die Kastration nehmen sie langsamer zu“, erzählt der Züchter, „was sich auf die Qualität des Fleisches positiv auswirkt“. Besonderes Futter sorgt für eine bessere Fleischmarmorierung. Dessen Zusammensetzung ist streng geheim, doch Brömmel lässt sich ein bisschen in die Karten schauen. „Wir verfüttern zum Beispiel Biertrester (ein Abfallprodukt bei der Bierherstellung), das ist gut für das Wachstum.“ Zum Metzger kommen, nach 30 Monaten Haltung nur die Ochsen. Die bringen dann über 500 Kilo Gewicht auf die Waage. Die Kühe hingegen werden wie rohe Eier behandelt. Sie dienen der Zucht und sind deshalb von unschätzbarem Wert.

Für Gourmets

Für die Gourmets: Das Fleisch der Tiere ist rot und weiß marmoriert. Je besser die Marmorierung, je wertvoller. Es hat mehr einfach ungesättigte Fettsäuren und ist arm an Cholesterin. Das Fleisch wird von Genießern als „Rinder-Kaviar“ bezeichnet. Die Tiere erzielen gegenüber einer deutschen Rasse einen bis zu fünffachen Verkaufspreis. Bei einer Versteigerung im Münsterland wurde im vergangenen Jahr eine tragende Kuh für 27 000 Euro versteigert. Ein Kilogramm Wagyu-Fleisch zwischen 200 und 500 Euro.

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