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Kritische Stimmen zum Erdkabel-Projekt "A-Nord"

Infomobil

Über die geplante Erdkabel-Stromtrasse „A-Nord“, die auch durch Raesfelder und Schermbecker Gebiet führen könnte (wir berichteten), hat das Unternehmen Amprion am Dienstagmittag auf dem Parkplatz am Raesfelder Rathaus in seinem Infomobil informiert.

Raesfeld/Schermbeck

, 19.09.2017 / Lesedauer: 3 min
Kritische Stimmen zum Erdkabel-Projekt "A-Nord"

Von Amprion-Sprecher Jonas Knoop (r.) ließen sich Besucher des Info-Mobils am Dienstagnachmittag Details zur geplanten Stromtrasse "A-Nord" erklären.

Genutzt wurde dies von Raesfeldern und Schermbeckern, die das Unterfangen mitunter kritisch sahen. Warum solche Leitungen nicht gerechter über alle Regionen verteilt werden könnten, fragte etwa ein Schermbecker Landwirt, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Fünfmal habe ich das schon mitgemacht“, sagte er und berichtete über Leitungsverlegungen, die er als kleiner Bub auf dem elterlichen Acker erlebt hatte. Bei der geplanten Gasleitung „Zeelink“ sowie „A-Nord“ könnte es wieder soweit sein. Die exakte Trassenführung ist noch nicht bekannt.

Bebaute Gebiete meiden

Amprion-Sprecher Jonas Knoop antwortete geduldig auf Fragen und Vorwürfe und erklärte, wie Planer versuchten, die beste Trasse zu ermitteln. Eine Erler Landwirtin hakte nach, warum die Stromtrasse nicht an der A 31 Richtung Süden gezogen werden könne. Das sei durchaus in der Überlegung, allerdings weiter nördlich, so Knoop. Je weiter südlich man komme, desto mehr ginge es darum, bebaute Gebiete zu meiden.

Planerischer Fehler

Dass der Ausbau der Offshore-Anlagen in der Nordsee ohne vorherige Leitungslegung ein planerischer Fehler gewesen sei, darin stimmte Knoop der Erlerin zu. Ihre Familie betreibt selbst im Verbund mit anderen Windenergieanlagen. Die Erlerin wollte wissen, ob ein mögliches „Repowering“ (ein Ersetzen der alten Turbinen durch neue) nach einer Leitungsverlegungsverlegung problematisch werden könne. Knoop nahm diese Frage schriftlich auf und versprach, sie weiterzuleiten.

"Über eigene Grundstücke führen"

Amprion selbst betreibe keine Windräder, sei aber nun vom Gesetzgeber aufgefordert, eine Stromtrasse zu planen, warb Knoop bei seinen Zuhörern um Verständnis. „Überzeugen kann ich Sie heute sowieso nicht, das ist mir klar.“ „Der Staat soll seine Leitungen über seine eigenen Grundstücke führen“, sagte der Landwirt und deutete auf der Karte auf den Dämmerwald. Hier stünden aber Naturschutzinteressen entgegen, antwortete Knoop. „Sind wir weniger wert als Naturschützer?“, fragte die Landwirtin.

Keine Langzeiterfahrung

Sie und ihr Schermbecker Kollege fürchten eine dauerhafte Schädigung des Bodens. In Raesfeld habe man mit dem Pilot-Projekt erste positive Erfahrungen gemacht, entgegnete Knoop. Bislang seien die Böden aber auch noch nicht voll bewirtschaftet, sagte die Landwirtin. „Langzeiterfahrungen gibt es noch nicht“, so Knoop. Dass eine Informationsveranstaltung diesbezüglich vom Bürgerdialog Stromnetz am Dienstag kommender Woche von 15 bis 18 Uhr angesetzt wurde, kritisiert die Landwirtin mit den Worten: „Da stehen die Landwirte alle im Stall.“

Ob es möglich sei, Zeelink und A-Nord in einem Arbeitsgang zu verlegen, wollte der Schermbecker Landwirt wissen. Das sei aufgrund des unterschiedlichen Planungsstandes extrem unwahrscheinlich, so Knoop. Der Landwirt: „Dann müssen wir Zeelink so lange aufhalten, bis Sie soweit sind.“