Kruse und Blanke: Spontane Idee ist seit 40 Jahren erfolgreich

Kruse und Blanke

„Ich kenne dich gerade 10 Minuten - du bist verrückt!“ So reagierte Michael Kruse kurz vorm ersten bezahlten Auftritt auf Detlef Blankes Angebot, bei ihm mitzuspielen. 40 Jahre ist das her.

Raesfeld

, 27.02.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
Ein Foto vom ersten improvisierten Auftritt von Michael Kruse (l.) und Detlef Blanke. Das war vor 40 Jahren.

Ein Foto vom ersten improvisierten Auftritt von Michael Kruse (l.) und Detlef Blanke. Das war vor 40 Jahren. © privat

17 Jahre alt war Michael Kruse (57) damals, seit 1993 lebt er in Raesfeld und feiert mit dem Duo „Kruse und Blanke“ am 13. und 14. März im Jugendhaus das 40-jährige Bühnenjubiläum.

Als „Herner Junge“ wuchs Kruse mit fünf Geschwistern in einer Bergbau-Familie auf, in der viel gesungen wurde. Wie er zur Gitarre kam? „Pures Konkurrenzdenken.“ Seine Eltern hätten seinen jüngeren Bruder gefragt, ob er sich über eine Gitarre freuen würde. „Dann wollte ich auch eine.“

„Sing mir doch mal eine Kassette voll!“

Bei Lagerfeuermusik in Jugendgruppen testete Kruse sein Können, bis sein Cousin ihn 1979 bat: „Sing mir doch mal eine Kassette voll!“ Die hörte wiederum Rainer Horstmann, den Kruse heute „Mentor“ nennt. Als Tonstudio-Besitzer bot Horstmann Kruse an, ein Wochenende auf der 24-Spur-Bandmaschine aufzunehmen und verschaffte ihm erste Auftritte.

Zu Kruses erstem bezahlten Auftritt in Gütersloh im Sommer 1980 brachte Horstmann auch den Bassisten Detlef Blanke mit, der am selben Tag noch in Horstmanns Studio mit seiner Band aufgenommen hatte. „Ich hatte mich in wochenlanger Kleinarbeit auf den Auftritt vorbereitet“, sagt Kruse. „Und dann lerne ich im Hinterhof so einen langhaarigen Bärtigen kennen, der sagt: ‚Ich hätte Bock, heute mit dir zu spielen.‘“

„Der hat mich so lange bequatscht.“

Kruse zweifelte zunächst, „aber der hat mich so lange bequatscht“. Nach den ersten Stücken sei er „platt gewesen“: „Das funktionierte sofort auf gleich, mit zweistimmigem Gesang.“ Magisch sei das gewesen, sagt der 57-Jährige heute. Und: „An der Art und Weise, wie wir das machen, hat sich nichts mehr verändert.“

Detlef Blanke und Michael Kruse (r.) feiern ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum in Raesfeld.

Detlef Blanke und Michael Kruse feiern ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum in Raesfeld. © privat

In ganz Deutschland und in den Nachbarländern haben „Kruse und Blanke“ mittlerweile gespielt. Coversongs von den 60er-Jahren bis heute. Als Akustik-Pop-Duo. Ohne Setlist. Kruse wurde Berufsfeuerwehrmann, Detlef Blanke Profimusiker und Tonstudio-Besitzer, der mittlerweile in Delmenhorst lebt.

120.000-Mark-Anlage in einer Rostlaube

Verrückte Geschichten hat Michael Kruse in den 40 Jahren erlebt. Etwa als Blanke ihn am dritten Geburtstag seines Sohns anrief, um ihm mitzuteilen, dass sie am nächsten Tag mit der „Michael Kruse Band“ einen Auftritt hätten - eine Band, die es gar nicht gab. „Am nächsten Morgen steht da ein Typ mit Schraubenzieher in der Hand vor einem Lieferwagen - eine Rostlaube, hinten links fehlte die Luft.“

Das sei der Schlagzeuger, habe Blanke ihm gesagt. Mit dem Schraubenzieher öffnete der Schlagzeuger den Lieferwagen („der Türgriff fehlte“): „Drinnen war eine 120.000-Mark-Musikanlage.“ Doch auch dieser Auftritt funktionierte auf Anhieb, die Band wurde für die ganze Saison verpflichtet.

Erfolge im Fernsehen

Auch ohne Blanke war Kruse erfolgreich - nicht nur in Bands, sondern auch im Fernsehen. Als der Sender RTL noch in den Kinderschuhen gesteckt habe, gewann Kruse bei einer Talentshow zum ersten Mal.

Bei der „Rudi Carrell Show“, Anfang der 90er-Jahre eine der großen Samstagabendshows, bewarb sich Kruse als John-Denver-Double. Schon beim Casting hätten ein Mann und eine Frau hinter dem Mischpult „so komisch geguckt“. Die Frau entpuppte sich als Road-Managerin von John Denver für Europa: „Ich habe gedacht, er sitzt da vorne“, habe sie zu Kruse gesagt.

Goldenes Mikrofon gewonnen

Beim Auftritt in Köln habe der WDR einen Riesenaufwand betrieben, sagt Kruse. Passend zu John Denver wurden das gleiche Gitarrenmodell und die gleiche Brille besorgt, um die Illusion perfekt zu machen. Kruse gewann das Goldene Mikrofon, durfte aber nach der Aufzeichnung niemandem etwas erzählen. Als am Samstagabend die Show ausgestrahlt wurde, war Kruses Wohnzimmer voll mit Freunden. „Da passte keine Zeitung mehr rein.“

Nach dem Sieg flippten alle aus - und das Telefon klingelte. „Bis halb drei hörte es nicht mehr auf.“ Agenturen, Agenten, Plattenfirmen meldeten sich, die Auftragsbücher waren voll. Kurz habe er überlegt, Profimusiker zu werden, sagt Kruse. Aber dann gab er dem Familienleben den Vorrang.

Doppelkonzert zum 40-Jährigen

Mit Freunden und Fans wollen Kruse und Blanke am 13. und 14. März (Freitag und Samstag, Einlass jeweils 19 Uhr) im Jugendhaus, Weseler Straße 38, ihr 40-Jähriges feiern. Natürlich mit zwei Konzerten. Karten gibt es im Vorverkauf (Schreibwaren Spangemacher und Schreibwaren Brandhorst) sowie an der Abendkasse für 12 Euro.

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Unterstützung gibt es von der Jugendfeuerwehr beim Getränke- und Kartenverkauf sowie beim Aufbau der Bühne. Kruse, Berufsfeuerwehrmann im Chemiepark Marl, ist auch Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in Raesfeld. „Die Jugendfeuerwehr wird nächstes Jahr 25 Jahre alt und die wollen mit einem Dreimaster aufs IJsselmeer. Das kostet eine Stange Geld“, sagt Kruse. Über Feuerwehr-Chef André Szczesny, der für die Bitburger-Brauerei arbeitet, wurde geregelt, dass die Brauerei an den Abenden alle Getränke sponsert.

Alle Einnahmen können so komplett an die Jugendfeuerwehr gehen. An den Abenden werden die Getränke gegen eine Spende abgegeben und nicht zum Festpreis verkauft. Kruse hofft: „Die Leute geben dann mehr.“

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