Dr. Kai Zwicker (CDU) ist im September als Landrat des Kreises Borken wiedergewählt worden. Es ist seine dritte Amtszeit. © Markus Schönherr
Coronavirus

Landrat Kai Zwicker kritisiert Corona-Politik: „Es fehlt an Führung“

Bei den aktuell mit Corona Infizierten ist der Kreis Borken auf dem Stand von Weihnachten. Landrat Kai Zwicker sieht ein „Tohuwabohu“ in der Politik und sagt, warum er lieber Hotspots hätte.

149 neue Infektionen wurden zu Donnerstag im Kreis Borken registriert. Die Zahl der aktuell Infizierten erhöhte sich um 105 auf 919. Einen höheren Wert hatte es zuletzt am 25. Dezember 2020 gegeben, als dieser bei 968 lag.

„Wir sind im oberen Mittelfeld in NRW“, sagt Landrat Kai Zwicker. Die Wocheninzidenz: 134,1 (+14). Zur Wochenmitte „haben wir immer die mit Abstand höchsten Zahlen“, sagt der Landrat, der insgesamt aber erwartet: „Es geht weiter nach oben.“ Höher lag die Inzidenz im Kreis zuletzt am 25. Dezember (162,4) – der Höchststand wurde am 23. Dezember mit 203,9 erreicht.

„Die britische Mutation haut rein“

„Wir haben die Grenzsituation und die britische Mutante haut rein“, sagt Zwicker. Dass der Kreis nicht zusätzliche Impfdosen erhalte, „macht mich sehr traurig“. Froh sei er aber über hohe Impfquote im Kreis, allerdings sei der Impfstoff knapp. „Ich wünsche mir den Tag herbei, an dem ich geimpft werde.“

Auch Raesfeld ist von der Infektionsdynamik im Kreis nicht abgekoppelt: Sechs neue Infektionen gab es zu Donnerstag, eine Person wurde als gesundet eingestuft. Damit steigt die Zahl der aktuell Infizierten um 5 auf 29.

Eigentlich wollte der Kreis am Mittwoch nach Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium auf die steigenden Zahlen mit einer Allgemeinverordnung reagieren: Kontaktbeschränkungen (ein Haushalt und eine Person), Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen, wo Mindestabstand nicht eingehalten werden kann, oder auch im Berufsverkehr. Für Schul- und Kita-Schließungen seien die Werte des Kreises „noch nicht so weit, dass wir das vom Land genehmigt bekommen hätten“.

„Hätte keiner mehr verstanden“

Dann kam die Ministerpräsidentenkonferenz und das Zurückrudern am Mittwoch. „Bei dem Chaos von gestern hätte keiner mehr verstanden, wenn wir eine Allgemeinverfügung erlassen hätten“, sagte Zwicker am Donnerstag. Deshalb habe man beschlossen, die Coronaschutzverordnung des Landes abzuwarten.

„Die Leute sind müde und wütend“, so Zwicker. Auf die Frage, was er in der Ministerpräsidentenkonferenz vorgeschlagen hätte, sagt der Landrat: „Wir machen Pause und treffen uns um 10 Uhr wieder.“ Man müsse die Maßnahmen „mehr vom Ende denken“, mit den Menschen in einer Sprache sprechen, die sie auch verstehen könnten. Vor allem müssten sie auch das Warum verstehen. Zwicker kritisch: „Es fehlt Führung.“

„Testen, testen, testen: das ist ganz wichtig“

Er wolle nichts schönreden, so Zwicker, aber es gebe auch gute Nachrichten. Der Kreis habe, gemessen an seiner Bevölkerung, doppelt so viele Schnelltests durchgeführt wie der Landesschnitt. 78 positive Tests, die durch PCR-Tests bestätigt wurden, entsprächen einer Inzidenz von 21. „Das ist nicht schlimm, das ist gewollt“, sagt Zwicker: Man solle sich nicht nur „an der Inzidenz festhalten“. „Testen, testen, testen: das ist ganz wichtig.“ Tests in Schulen hätten bislang drei positive Fälle ergeben.

Zudem sinkt die Zahl der Todesfälle. Vom 1. Dezember bis 1. Januar meldete der Kreis 61, im Januar 37, im Februar 19 und im März bisher fünf. Das Impfen der Über-80-Jährigen, insbesondere in Altenheimen, dürfte zur Entwicklung geführt haben. Aber, so Zwicker: „Die Krankenhäuser werden voller.“

Infektionen in Familien und auf der Arbeit

Die meisten Infektionen erfolgten in Familien, so Zwicker. „Bei einer vierköpfigen Familie kriegen das jetzt alle. Beim Ursprungsvirus war das anders.“ Zudem gebe es viele Infektionen auf der Arbeit – „beim Einkaufen können wir das bisher nicht feststellen“.

Zwicker sagt: „Wir haben keine Hotspots mehr. Ich hätte lieber Hotspots.“ Denn auf solche könne man gezielt reagieren. Stattdessen sei das Virus „überall drin“. Deshalb sei die Befolgung der Regeln zum Schutz vor dem Virus so wichtig. Zwickers Rat: „Leute, haltet euch dran!“

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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