„Lernen muss nicht scheiße sein“ - Skateboard-Workshop heiß begehrt

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„Lernen muss nicht scheiße sein.“ Was dieser Satz mit dem Skateboard-Fahren zu tun hat, erfahren 35 Raesfelder Kinder und Jugendliche am Montag und Dienstag.

Raesfeld

, 27.07.2020, 14:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Angebote für Kinder und Jugendliche sind in Corona-Zeiten rar gesät. Um so froher war Jugendhaus-Leiter Philipp Hatkämper, dass nach der begeistert aufgenommenen Premiere im vergangenen Jahr auch in diesem Jahr ein skate-aid-Workshop in Raesfeld angeboten werden konnte. „Wir haben jetzt 35 hier - wir hätten locker 100 Kinder und Jugendliche haben können“, so Hatkämper. Die Corona-Abstandsregeln verhinderten aber ein größeres Teilnehmerfeld.

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Auf der Skate-Anlage an der Marbecker Straße sollten die Kinder und Jugendlichen am Montag ihre ersten Fahrversuche machen, doch der Regen sorgte schnell dafür, dass es dafür zu glatt gewesen wäre. Also zogen die drei Coaches aus Münster mit den Kindern und Jugendlichen zum Jugendhaus um.

Von innogy wurde der Skate-Workshop gesponsert.

Von innogy wurde der Skate-Workshop gesponsert. © Berthold Fehmer

Das skate-aid-Konzept sieht vor, dass die Teilnehmer zunächst ihr eigenes Board zusammenschrauben. So lernten sie nebenbei etwas über die Boardgröße, wann weiche Rollen besser passen als harte, was die Rollengröße mit der Geschwindigkeit zu tun hat, wie harte Lenkgummis im Vergleich zu weichen wirken, ob die vordere oder die hintere Achse härter angezogen werden muss oder welche Kugellager Sinn machen und wie sie gewechselt werden.

Vor dem Fahren wurden zunächst die Boards zusammengeschraubt, die die Kinder später mit nach Hause nehmen konnten.

Vor dem Fahren wurden zunächst die Boards zusammengeschraubt, die die Kinder später mit nach Hause nehmen konnten. © Berthold Fehmer

Das „Grip-Tape“, der rutschfeste Belag des Boards, wurde auch beim Workshop aufgebracht. „Die Kinder und Jugendlichen bauen eine andere Bindung zum Board auf“, ist Coach Jonas Hakenes von dieser Vorarbeit überzeugt. Am Ende des zweitägigen Workshops können die Teilnehmer die Boards mit nach Hause nehmen.

Sowohl die Boards als auch Coaches und Mittagessen werden von innogy bezahlt. „Wir haben wirklich gezittert, ob der Skate-Workshop stattfinden kann“, so Kommunalmanagerin Monika Schürmannn über die besonderen Umstände in Corona-Zeiten. Das gesamte Team von skate-aid habe ein super Konzept erarbeitet.

„Das bringt ein Stückchen Normalität zurück“

Bürgermeister Andreas Grotendorst: „Der Skateboard-Workshop bietet den Jugendlichen eine tolle Gelegenheit, erste Versuche auf dem Board zu wagen, Tricks zu üben und zwei ereignisreiche und lustige Tage zu verbringen. Das ist eine super Aktion.“ Viele Veranstaltungen und Angebote hätten wegen Corona ausfallen müssen. „Das ist für die Kinder und Jugendlichen, die in den letzten Monaten viel Zeit zu Hause verbringen mussten, sicherlich eine willkommene Abwechslung und bringt ein Stückchen Normalität zurück.“

Auch als Sitzgelegenheit eignen sich die Skateboards.

Auch als Sitzgelegenheit eignen sich die Skateboards. © Berthold Fehmer

Einer der Coaches, Vincent Laiquddin, war auf dem Weg von Münster nach Raesfeld auch durch seine Heimatstadt Dorsten gefahren. Mittlerweile studiert er in Münster, wo er im vergangenen Jahr auf einer Skate-Anlage Kontakt zum skate-aid-Team bekam. Seitdem begleitet er die Workshops und die Teilnehmer. „Der perfekte Job.“

Ausprobieren statt studieren

Laiquddin: „Wir sagen denen nicht, was sie machen müssen.“ Selbst ausprobieren stehe im Vordergrund - bei Fragen springen die Coaches ein und zeigen, wie es geht. Die „intrinsische Motivation“, so Laiquddin, werde dadurch gefördert. Ganz im Sinne von skate-aid-Gründer und Skate-Pionier Titus Dittmann, der ein Buch mit dem frechen Titel schrieb: „Lernen muss nicht scheiße sein“.

Die 8 bis 16 Jahre alten Teilnehmer konnten erste Fahrweisen und einfache Tricks lernen, ausgestattet mit Helm sowie Knie- und Ellbogenschonern. Laiquddin hat beobachtet, dass sich oft die Mädchen etwas leichter täten als die Jungen. „Die hören am Anfang besser zu.“ Wenn es etwa um die Fußstellung gehe, sei es oft so: „Die Jungs müssen sich manchmal erst mal hinlegen, um das zu verstehen.“

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