Neue Waldkindergartengruppe ist gestartet

Am Schloss Raesfeld

"Das ist das beste für die Kinder, was es gibt", sagt Dominique Freund, Mutter eines der Kinder, die in die neue Waldkindergartengruppe "Waldwürmer" gehen, die in dieser Woche am Schloss Raesfeld gestartet ist.

Raesfeld

, 08.08.2017 / Lesedauer: 4 min

"Wer hat die Kokosnuss, wer hat die Kokosnuss, wer hat die Kokosnuss geklaut?", singen die beiden Herren im Rentenalter am Dienstagmorgen beim Spaziergang im Tiergarten am Schloss Raesfeld. Zu ansteckend sind die fröhlichen Kinderstimmen wenige Meter weiter. Elf „Waldwürmer“, die neue Waldkindergartengruppe der Erler Kita Holzwurm, sind seit dieser Woche dort zu finden. Eigentlich sind es zwölf Kinder im Alter von zwei bis fünf Jahren, die für die neue „Waldwürmer“-Gruppe angemeldet wurden, sagt Katja Maschmeier, Leiterin der Kita Holzwurm. „Das zwölfte Kind kommt im November dazu.“ Um die „Waldwürmer“ kümmern sich Gruppenleiterin Andrea Reining (ausgebildete Waldpädagogin), Erzieher Chris Stöcker und Thorben Köpper-Südfeld, der im Anerkennungsjahr ist. Zweimal pro Woche ist das Erzieher-Team zu viert – in den ersten sechs Wochen begleitet Maschmeier den Start der Gruppe vormittags. Denn: „Wir leisten hier Pionier-Arbeit.“

Verblüffend leise

Pionier-Arbeit, die den Kindern sichtlich gefällt. Erst einen Tag haben sie die Erzieher und die anderen Kinder kennengelernt, dennoch gibt es keine Tränen. Und: Im Vergleich zu anderen Kindergärten ist es verblüffend leise bei den „Waldwürmern“. „Zwei Eltern haben wir schon weggeschickt“, sagt Maschmeier. Ihre Kinder schaffen es bereits ohne elterliche Unterstützung. Die meisten Mamas stehen derweil am Rand und trinken Kaffee. Maschmeyer ist begeistert, wie gut die Eingewöhnung klappt. Und sagt mitten im Satz: „Moment, ich muss mal eben einen einfangen.“

"Ausbrecher"

Der „Ausbrecher“ ist der kleine Luis. Zäune gibt es nicht im Waldkindergarten. Stattdessen haben die Erzieher mit den Kindern am ersten Tag besprochen, wo die Grenzen des Bereichs sind, in dem sie spielen dürfen. Markiert wurde diese durch Äste oder bunte Tücher auf dem Boden. Luis bekommt die Regel erneut erklärt, dann holt Maschmeier eine Taschenlampe aus einem Rucksack und geht mit ihm auf Entdeckertour. Der kleine Jonah schließt sich an: „Ich habe eine Schnecke gefunden“, jubelt er wenige Sekunden später nach intensiver Untersuchung einer Baumhöhle. „Im Wald ist es immer ein Selbstläufer“, sagt Maschmeyer zufrieden. Auch mit den „Holzwurm“-Kindern gehe man regelmäßig in den Wald.

Bauwagen kommen Ende August

Zwischen 7.30 und 9 Uhr ist die „Bringzeit“ für die Eltern. Noch treffen sich die Kinder zum Frühstück und Mittagessen (gekocht von Anni Klein-Ritter im „Holzwurm“ und von einem Fahrer gebracht) im Naturparkhaus, ab Ende August werden zwei Bauwagen neben der Remise am Tiergarten aufgestellt, die dann das neue Domizil der Waldwürmer bilden. „Um 9 Uhr geht es raus“, sagt Maschmeier über den geplanten Tagesablauf. Gute Funktionskleidung sei dafür notwendig, damit das bei fast jedem Wetter geht, so Maschmeier. Dominique Freund und Julia Eggert, beide Mütter von „Waldwürmern“, die außerdem beide noch jeweils einen Säugling im Tragetuch mit zum Waldkindergarten gebracht haben, sind von dem neuen Konzept überzeugt. „Das ist das Beste für die Kinder, was es gibt“, sagt Dominique Freund, die mit ihren Kindern bei jedem Wetter rausgeht. Ruhe, positive Auswirkungen aufs Immunsystem und mehr Ausgeglichenheit der Kinder erhoffen sie sich. Sie habe sich im Vorfeld informiert, sagt Freund, und auch in der Verwandschaft Kinder, die in einen Waldkindergarten gehen. „Die sind total sozial eingestellt“, sagt sie.

"Ein bisschen Mut gehört dazu"

„Ein bisschen Mut gehört dazu“, sagt Maschmeier über die Eltern. Geholfen habe die Ankündigung, dass sie selbst eine Ausbildung zur Naturpädagogin gemacht habe. Sie weiß etwa, wie man eine Plane (Tarp) zum Regenschutz zwischen Bäumen aufspannt. „Das ist total gemütlich darunter.“ Alle Fragen, die sich im Alltag bei den Waldwürmern stellen, seien aber natürlich noch nicht beantwortet. „Wie machen wir das mit dem Windeln-Wechseln, wenn wir unterwegs sind?“, nennt Maschmeier ein Beispiel. Aber auch dafür gebe es Lösungen.

Während die Kinder meist in kleinen Grüppchen durch das abgesteckte Gebiet streunen, kommen sie alle zusammen, als Erzieher Chris Stöcker seine Gitarre rausholt und anfängt zu singen. „Halli Hallo“, „Zwei kleine Wölfe“ oder das eingangs geschilderte Lied „Die Affen rasen durch den Wald“, kennen die Kinder schon und singen eifrig mit. Dass die Waldluft müde macht, merkt man daran, dass einige Kinder schon nach knapp zwei Stunden anfangen zu gähnen. Maximal 35 Stunden pro Woche können Eltern ihre Kinder in der Gruppe anmelden. Maschmeier: „Am ersten Tag sind zwei Kinder schon im Auto eingeschlafen, als die Eltern vom Parkplatz fuhren.“

Wer sich für den Waldkindergarten interessiert, erhält Infos unter Tel. (0152) 36 71 52 99.