Raesfeld trauert um seinen einzigen Ehrenbürger Adalbert Friedrich

rnAdalbert Friedrich

Er war Raesfelds erster und einziger Ehrenbürger sowie Träger des Bundesverdienstkreuzes: Die Gemeinde trauert um Adalbert Friedrich, der am Dienstag im Alter von 96 Jahren starb.

Raesfeld

, 23.04.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im vergangenen Jahr hatte Adalbert Friedrich noch ein Buch über seine Erfahrungen in Krieg und Gefangenschaft veröffentlicht. Die ersten Seiten dafür hatte er vor 60 Jahren geschrieben. Es war die letzte vieler Publikationen. „Ohne Adalbert Friedrich hätte es eine solche Aufarbeitung der Raesfelder Geschichte nicht gegeben“, sagt Bürgermeister Andreas Grotendorst.

Geboren wurde Friedrich am 13. April 1924 in Raesfeld. Schon in der Schule wurde sein heimatkundliches Interesse bei einer Exkursion zur Turmhügelburg Kretier geweckt. Doch bevor er diesem Interesse nachgehen konnte, wurde er zur Wehrmacht einberufen, verbrachte drei Jahre in russischer Kriegsgefangenschaft und kehrte abgemagert auf 97 Pfund nach Raesfeld zurück.

„Wollte nicht mehr weggehen“

„Nach fünfeinhalb Jahren war ich wieder in Raesfeld und wollte von dort nicht mehr weggehen“, so lautete der letzte Satz in Friedrichs letztem Buch. Und das tat er auch nicht. Einen Führerschein machte er nie. Mit 25 wurde er Mitbegründer des Heimatvereins Raesfeld und wurde im vergangenen Jahr für 70 Jahre Mitgliedschaft gefeiert.

Eine der ersten Aufgaben, die der Verein übernahm, war das Anlegen von Wallhecken. Baugruben wurden noch von Hand ausgehoben, Friedrich sicherte dabei Tonscherben und Steinbeile aus Raesfelder Vorzeit. Präsentiert wurden diese bei der ersten Ausstellung im Raesfelder Kolpinghaus.

Keine Heimattümelei

Friedrich schrieb in den folgenden Jahren über 40 Beiträge für das Jahrbuch des Kreises Borken, veröffentlichte viele Publikationen, die in Fachkreisen Beachtung fanden. „Er war der Auffassung, dass Heimatvereine nicht in Heimattümelei verfallen dürfen, bei der Trecksackmusik oder Pfannekuchenessen zum Selbstzweck werden“, schreibt der Heimatverein Raesfeld auf seiner Homepage.

Die Förderung kulturellen Lebens durch Vermittlung geschichtlicher, geologischer und naturkundlicher Kenntnisse, die Erhaltung des Ortsbildes, der Bau- und Naturdenkmäler und die Pflege von Brauchtum und Mundart trieb Friedrich stattdessen voran - 24 Jahre als Vorsitzender des Vereins. Er engagierte sich für den Aufbau des Museums am Schloss sowie das Schulmuseum der Sebastian-Schule.

„Er wollte nicht so sehr in der Öffentlichkeit stehen“

Einmal habe man Friedrich zum Kreisvorsitzenden der Heimatvereine machen wollen, erzählt Hans Brune, Vorsitzender des Raesfelder Heimatvereins. „Das hat er abgelehnt. Er wollte nicht so sehr in der Öffentlichkeit stehen.“ Ganz vermeiden ließ sich das aber nicht: 1987 erhielt Friedrich das Bundesverdienstkreuz, wurde 1999 zum Ehrenvorsitzenden des Heimatvereins gekürt und 2004 Ehrenbürger der Gemeinde Raesfeld.

Fast bis zuletzt arbeitete Friedrich als Zeitzeuge an der Aufarbeitung des gigantischen Fotoarchivs von Ignaz Böckenhoff mit. Was Böckenhoff in fotografischer Hinsicht für die Geschichte Raesfelds war, war Friedrich bei den Publikationen. Einer, der vieles miterlebt hatte und dies laut Bürgermeister Grotendorst „den jungen Leuten gut vermitteln konnte“. Nebenbei hat Friedrich auch Zeichnungen in Schwarz-Weiß angefertigt: meist Ansichten von Raesfeld, Erle und Homer.

Bis zuletzt lebte Friedrich im Ortskern in den eigenen vier Wänden. Mit seinem Tod folgt er seiner Frau Klärchen Kruse, mit der er seit 1952 verheiratet war und die im Dezember 2019 starb. Die Beisetzung ist, dem Coronavirus geschuldet, am Samstag im engsten Kreis der Familie.

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