Sachliche Diskussion zur Flüchtlingskrise

Informationsabend

In ruhiger und sachlicher Atmosphäre erklärten und diskutierten Vertreter der Raesfelder Verwaltung, der Polizei und des Ehrenamts mit 200 Besuchern die Flüchtlingskrise und ihre Auswirkungen auf Raesfeld.

Raesfeld

, 08.12.2015, 17:21 Uhr / Lesedauer: 2 min
Sachliche Diskussion zur Flüchtlingskrise

Mehr als 200 Besucher kamen zur Informationsveranstaltung zu der aktuellen Flüchtlingslage in der Gemeinde Raesfeld in das Forum der St. Sebastianschule.

Wohin steuert Raesfeld in der Flüchtlingskrise? Mehr als 200 Besucher kamen am Montagabend ins Forum der St.-Sebastian-Schule zur Informationsveranstaltung. „Mit so vielen Besuchern habe ich nicht gerechnet“, sagte Bürgermeister Andreas Grotendorst, der mit Markus Büsken, Leiter Sozialamt, Norbert Altrogge (Gemeinde Raesfeld), Nicole Höbing (Integrationsbeauftragte), Bernhard Schmitz (Polizei), Klaus Dörschlag, Leiter der Polizeiwache Borken sowie den ehrenamtlichen Helfern Wolfgang Warschewski und Ludger Picker (Kirchengemeinde) Zahlen und Fakten vorstellte.

"Zeitaufwendig und nervenaufreibend"

260 Flüchtlinge (125 haben noch keinen Asylantrag gestellt) aus 27 Nationen leben derzeit in Raesfeld, 48 Personen in Erle. Darunter sind 116 Einzelpersonen, 34 Familien und 51 Kinder. Untergebracht sind sie in 14 Unterkünften. 20 bis 25 freie Plätze sind noch frei. „Bei zehn bis zwölf neuen Zuweisungen pro Woche reicht das aber nicht mehr aus“, so Markus Büsken. Dass die Gemeinde keinen Einfluss auf die Zuteilung von Flüchtlingen hat, machte Grotendorst deutlich. Auch ändere sich die politische Großwetterlage fast täglich. „Wir müssen uns deshalb immer wieder neu strukturieren, was sehr zeitaufwendig und nervenaufreibend ist.“

Kein Anstieg der Kriminalität

Die Furcht einiger Bürger vor steigender Kriminalität aufgrund hoher Flüchtlingszahlen konnte der Leiter der Borkener Polizeiwache, Klaus Dörschlag, verstehen, aber nicht bestätigen. „Besonders, was die Anschläge in Paris anbelangt, sollten wir diese Täter nicht mit unseren Flüchtlingen in einen Topf werfen.“ 

Viele Gemeindemitarbeiter stießen derzeit an ihre Grenzen. „Integration können wir vonseiten der Gemeinde momentan nicht schaffen. Wir müssen sehen, wo wir die Menschen unterbringen, ihre Personalien erfassen, ihnen ein Konto einrichten – da bleibt keine Zeit für Integration“, so Büsken. Neu eingestellt wurde Nicole Höbing. Zweimal in der Woche hält sie im Rathaus Sprechstunden für Flüchtlinge ab: „Wie komme ich zum Arzt, wo gibt es einen Deutschkurs, wo kann ich Fußball spielen?“ Dies seien nur einige Fragen der Flüchtlinge, so Höbing. „Es ist eine interessante Arbeit, und ich habe in der kurzen Zeit viele nette Menschen kennengelernt.“ Sie sprach auch eine „hohe Erwartungshaltung“ von einigen Flüchtlingen an, die zumeist von Schleppern suggeriert werde.

60 Ehrenamtliche engagieren sich bereits

Laut Pastoralreferent Ludger Picker sind derzeit rund 60 Ehrenamtliche für Flüchtlinge im Einsatz, angefangen vom Fahrradkeller über Sprachkurse, Fahrdienst bis zur Kleiderkammer. „Wir erleben, dass wir nicht nur geben, sondern selber von den neuen Bewohnern reichlich beschenkt werden“, so Picker.

Wie viel Geld bekommt ein Flüchtling? Wie können wir sie in unser Leben besser integrieren und was kann die Gemeinde noch tun? Besteht eine Schulpflicht, oder ab wann dürfen Flüchtlinge arbeiten? Dies waren nur einige Fragen, die Besuchern beantwortet wurden. „Ich fand es heute besonders gut, dass wir alle so sachlich und ruhig über die jetzige Situation diskutieren konnten. Dennoch: Integration müssen wir alle machen, denn das macht nicht das Rathaus“, so Grotendorst am Ende der Diskussion.