Sieben Monate im Stasi-Gefängnis inhaftiert

Zeitzeugen-Bericht

Hochkonzentriert, teilweise mit verständnislosem Kopfschütteln folgten am Montagmorgen 46 Realschüler der Raesfelder Alexanderschule den Ausführungen von Burkhard Seeberg. Der gebürtige Münsteraner war siebeneinhalb Monate im Stasi Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen inhaftiert.

Raesfeld

, 08.06.2016, 17:43 Uhr / Lesedauer: 1 min
Sieben Monate im Stasi-Gefängnis inhaftiert

Hochinteressiert lauschten die Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse dem Zeitzeugenbericht von Burkhard Seeberg zu, der aus seiner Zeit als Gefangener im ehemaligen DDR-Stasi Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen berichtete.

„Der Grund dafür war, dass ich als damaliger Mathematik-Student in der damaligen DDR 1973 meine Freundin kennenlernte und versuchte, sie mit einem gefälschten Reisepasse über Ungarn in die Bundesrepublik einzuschleusen. Das ist aufgefallen und ich wurde im August 1979 verhaftet“, startete Seeberg seine spannende Geschichte.

„Hübsche Frauen“

Mit Humor führte der Zeitzeuge die Schüler an seine Erlebnisse heran, mit Hilfe einer Powerpoint-Präsentation und persönlicher Fotos aus dieser Zeit. „Hier seht ihr zwei hübsche Frauen, die ich als Student in der DDR kennengelernt habe. Einer davon, die auch später meine Frau wurde, habe ich es zu verdanken, dass ich in Haft kam“, so Seeberg. Er machte seine ersten Erfahrungen mit der DDR als aktiver Schülermitverwalter, später als eingetragenes DKP-Mitglied bei den Weltfestspielen 1973 mit rund acht Millionen Besuchern. Drei ausgelassene Tage waren das. Später besuchte er regelmäßig Ost-Berlin. Erst mit dem Zug, dann mit vollbepacktem Auto voller Schallplatten und Gütern, die es dort nicht gab. „Damals sah ich die DDR noch durch eine rosarote Brille, später wandelte sich dann das Bild, als ich als BRD-Bürger und meine dortigen Freunde immer mehr bespitzelt wurden“, so Seeberg.

„Menschenhandel“

Wegen „staatsfeindlichen Menschenhandels“ wurde der heute 62-Jährige zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Nach siebeneinhalb Monaten Inhaftierung wurde Seeberg im September 1980 von der Bundesrepublik freigekauft. Die Haft im Stasi-Gefängnis haben Spuren hinterlassen. Mittlerweile aber, so Seeberg, falle es ihm nicht mehr schwer, über das Erlebte zu sprechen. Eingeladen wurde Burghard Seeberg im Rahmen des Politikunterrichts zum aktuellen Thema „Menschenrechte“. Finanziert wird der Zeitzeugen-Bericht von der Stiftung Berliner Mauer, Gedenkstiftung Berlin-Hohenschönhausen.