So unterschiedlich fällt das Fazit zur „1. Nacht der Ausbildung“ aus

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„Der Abend war wirklich ernüchternd“, sagt Matthias Laaß zur „1. Nacht der Ausbildung“ in Raesfeld. Lucia Deiters sah darin hingegen eine „kleine Pflanze“, die man wachsen lassen müsse.

Raesfeld

, 16.09.2019, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Laaß, der für das Autohaus Hüppe am Freitag im Ortskern den Beruf des Kfz-Mechatronikers vorstellen wollte, hatte stundenlang vergeblich auf ausbildungswillige Jugendliche gewartet. Diana Brömmel hatte in ihrem Friseur-Salon keinen einzigen jugendlichen Gast, der an einer Ausbildung interessiert gewesen wäre.

Die Ortsmarketingvereins-Vorsitzende wartete am Montag noch auf Rückmeldung aus den 30 beteiligten Betrieben, die sich am Freitag von 15 bis 21 Uhr den Ausbildungswilligen vorgestellt hatten. Am Abend um 21 Uhr seien etwa 100 bis 150 Leute im Ortskern gewesen, allerdings war zeitlich ja auch das „Heimat shoppen“ mit Musik von Heico Nickelmann auf der Bühne.

Erste Rückmeldungen hatte Brömmel von der Firma Hetkamp, wo etwa ein Dutzend Jugendlicher Interesse zeigt,. „Bei Ubert waren es sechs, bei Bleker zwei“, so Brömmel. Dass zu ihr niemand gekommen sei, habe sie nicht verwundert: Schließlich wisse man, was einen beim Friseur erwartet, während ein Blick hinter die Kulissen von Firmen wie Ubert Gastrotechnik natürlich interessanter sei.

„Haben jetzt einen Anfang gemacht“

Bei der Abfrage des Ortsmarketings wurde auch gefragt, welche Ideen und Verbesserungsvorschläge es für das nächste Mal gibt. Wichtig für Brömmel: „Wir haben jetzt einen Anfang gemacht. Und wir müssen einen Anfang machen, sonst passiert gar nichts!“

Was Brömmel von Schulabgängern immer wieder hört: „Ich habe ja noch Zeit.“ Viele hätten keine Vorstellung, welche berufliche Richtung sie einschlagen wollten. Dabei sei es sicherlich nicht so, dass man selbst als Akademiker zwangsläufig mehr verdiene als im Handwerk. Als sie sich kürzlich mit einer Tierärztin Anfang 30 unterhalten und nach dem Gehalt gefragt habe, habe Brömmel dieser gesagt: „Das hättest du bei mir schon vor zehn Jahren verdienen können.“

Entwicklung zurückdrehen

Lucia Deiters, die als Projektkoordinatorin das Jugend-Orientierungs-Praktikum an der Alexanderschule betreut, ist eng mit den Jugendlichen verbunden. Die allgemeine Entwicklung „Erst weiter Schule, dann der Beruf“, durch Politik und Medien vorgegeben, müsse vielleicht wieder ein bisschen zurückgedreht werden, sagt sie.

Die „1. Nacht der Ausbildung“ sieht sie positiv, da viele ihrer Jugendlichen das Angebot genutzt hätten. „Nicht alle.“ Es sei gut gewesen, dass die Firmen ihre Zeit zur Verfügung gestellt hätten. Derzeit hilft Deiters Jugendlichen, ihre Praktikumsplätze zu bekommen.

„Sei aktiv!“ Das ist es, was Deiters den Jugendlichen einbläut. Wer das beherzige, bekomme in Raesfeld auch einen Ausbildungsplatz, ist sie überzeugt. „Die ersten Schritte kann ich mit ihnen gehen.“

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