Tausende beim Kappesmarkt: „Ausrufer vom dicken Stein“ hat Angst vor Greta Thunberg

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Bestens besucht war der Kappesmarkt in Raesfeld am Wochenende. Die Klimadebatte ging aber auch an ihm nicht vorbei - und der Ausrufer vom dicken Stein hat sogar Angst vor Greta Thunberg.

Raesfeld

, 03.11.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nur einen Regenschauer mussten Händler und Besucher am Samstag verkraften. Kappeshändler Ulrich Kuhlmann war trotzdem zufrieden mit dem Andrang an dem üblicherweise immer etwas schlechter besuchten Kappesmarktsamstag. „Zwei Hänger voll haben wir schon verkauft“, sagte er am Sonntagmorgen. Da waren bereits wieder Tausende auf den Straßen im Raesfelder Ortskern unterwegs.

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So schön war der Kappesmarkt in Raesfeld

So schön war der Kappesmarkt in Raesfeld.
03.11.2019
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Gleich zum Start war der Kappesmarkt am Sonntagmorgen bereits gut besucht.© Berthold Fehmer
Den besten Platz hatte sich die neun Monate alte Nike gesichert: bei Opa und Kiepenkerl Alois Epping im Korb hatte sie den besten Überblick.© Berthold Fehmer
Die Kappes- und Gemüsehändler hatten am Sonntagmorgen schon gut zu tun.© Berthold Fehmer
Ein Kappeskopf mit Augen, Nase, Mund und Frisur? Gibt es so wohl auch nur auf dem Kappesmarkt.© Berthold Fehmer
Als "Ausrufer vom dicken Stein" hatte Thomas Nießing wieder die Neuigkeiten des vergangenen Jahres auf plattdeutsch zusammengetragen.© Berthold Fehmer
Die Gelegenheit zum Bummel über den Kappesmarkt nutzten am Samstag und Sonntag viele Besucher.© Berthold Fehmer
Ludger Strock aus Lembeck schob Vierkanthölzer in die Holzfräse und zog runde Stäbe am anderen Ende wieder raus. Da das von einem Benzinmotor angetriebene Ungetüm reichlich Lärm machte, waren stets viele Neugierige zugegen.© Berthold Fehmer
Viele Besucher des Kappesmarkts warteten mit dem Kohleinkauf bis kurz vor der Heimreise. Oder ließen sich den Kappes in den "Kappestaxis" zum Auto bringen.© Berthold Fehmer
Die Raesfelder Landfrauen Irmgard Stenkamp, Doris Nienhaus, Maria Lanvermann und Sandra Daxl zeigten an ihrem Stand, wie man Plastik vermeiden kann.© Berthold Fehmer
Die Geschäfte, die am Sonntag ab 13 Uhr verkaufsoffen waren, ließen sich zum Kappesmarkt auch so manchen flotten Spruch einfallen.© Berthold Fehmer
An der Bühne an der Kirche konnten die Besucher Kohlgerichte probieren.© Berthold Fehmer

Zufrieden waren auch die Kappeshoheiten Michaela I. und Nadine I., die unter anderem am Samstag im Ortskern unterwegs waren, um die Geschäfte mit der besten Kappesdekoration zu bewerten. Gutscheine gab es am Sonntag dann für „Klaudia - Treffpunkt Mode“, „Spielwaren Spangemacher“ und den Friseursalon Brömmel. Am Samstagnachmittag trudelte dann auch der Kappestreck aus Büderich ein und abends wurde beim Kappesball im Zelt gefeiert. Eine „Superstimmung“ attestierten die Hoheiten bei den Ballbesuchern, was neben dem DJ auch den Raesfelder Spitzbuben zu verdanken war.

Ausrufer vom dicken Stein

Der Auftakt am Sonntagmorgen gehört nach dem Hochamt in der Kirche traditionell dem Ausrufer vom dicken Stein. Thomas Nießing erinnerte auf plattdeutsch und mit viel Humor in dieser Rolle an den Ursprung, als es „noch keen Handy, Wattsapp oder Fatzebuck“ gegeben habe. Damals habe der Ausrufer den Gottesdienstbesuchern vor der Kirche vom Stein aus immer das Neueste aus dem Ort berichtet.

Nießing las eine Meldung aus grauer Vorzeit vor, in der die Elektrizitätswerke davor warnten, dass das Berühren der Hochspannungsleitung tödlich ist: „Zuwiderhandlung wird gerichtlich bestraft.“ Inwieweit das zusätzlich abschrecken konnte, fragten sich lachend die Zuhörer.

Auch die nun möglichen Hochzeiten an der Erler Femeiche kommentierte Nießing. Damit wiederhole sich die Geschichte, so der Ausrufer, denn schon früher seien dort Menschen zu lebenslanger Haft und Sklaverei verurteilt worden.“ Eine seiner großen Sorgen teilte Nießing seinen Zuhörern mit: Dass „die Kleene ut Schweden“ irgendwann herausfinden könne, „dat in Bier CO2 is“.

„Gib Plastik einen Korb!“

Klima- und Umweltschutz war auch Thema bei den Raesfelder Landfrauen, die eine Wanderausstellung der Kreislandfrauen mitgebracht hatten. „Gib Plastik einen Korb!“, war das Motto, zu dem die Landfrauen an ihrem Stand zeigten, dass man keine Frischhaltefolie brauche, wenn man ein mit Wachs verstärktes Tuch über Gefäße stülpe. Oder dass ein Holzbrett genau so tauglich zum Schneiden von Lebensmitteln ist wie ein Plastikbrett. Spielzeug aus Holz, eine Brötchentüte aus Stoff oder selbst gemachtes Waschmittel und mehr zeigten Maria Lanvermann, Irmgard Stenkamp, Doris Nienhaus und Sandra Daxl.

Zwischendurch mussten sich die Damen jedoch die Ohren zuhalten: Denn wenige Meter weiter hatten Ludger Strock und Karl Eißing aus Lembeck ihre altertümlichen, stampfenden und knatternden Motoren und Maschinen aufgebaut. Eine von einem Benzinmotor angetriebene Holzfräse verwandelte Vierkanthölzer in runde Stäbe, erzeugte dabei aber so viel Krach, dass einerseits Neugierige angelockt und andererseits Umstehende etwas genervt waren.

Rankhilfen

Die Fräse stamme aus der Zeit vor dem Krieg, sagte Ludger Strock. „Genau weiß ich das nicht.“ Die runden Stäbe wurden ihm dankend von den Besuchern abgenommen. In Blumenbeeten könne man sie etwa als Rankhilfe einsetzen, so Strock. Als ein Besucher bei einem früheren Markt nicht genug von den Stäben bekommen konnte, habe er ihn gefragt, was er damit anfangen wolle. „Seitdem sage ich immer: das sind Papageiensitzstangen.“

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