Wer holt das Direktmandat für den Bundestag?

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Am 26. September ist Bundestagswahl. Das scheint noch weit weg, doch schon in gut vier Wochen können etwa 87.000 Recklinghäuserinnen und Recklinghäuser (Mindestalter: 18 Jahre) abstimmen. Dann, am Montag, 30. August, öffnet das Briefwahlbüro im Stadthaus A. Und bereits einige Tage vorher, in der Woche vom 16. bis zum 22. August, werden die Wahlbenachrichtigungskarten in Zehntausende Briefkästen im Stadtgebiet gesteckt.

Erich Wolfram und die „ewigen“ Mehrheiten der SPD

Der Castrop-Rauxeler Frank Schwabe tritt zum fünften Mal an. 2005, 2009, 2013 und 2017 erhielt er im Wahlkreis „Recklinghausen I“, dem auch Waltrop und Castrop-Rauxel angehören, die meisten Erststimmen. Ein erneuter Wahlsieg wäre sein fünfter. Das ist zuvor nur Recklinghausens SPD-Oberbürgermeister Erich Wolfram in den 1970er- und 1980er-Jahren gelungen; eine Zeit, in der noch die Zechen arbeiteten und SPD-Siege im Kohlenpott nur eine Frage der Höhe waren. Doch Schwabes Sieg bei der nun anstehenden Wahl ist alles andere als sicher, denn es gibt da einen für ihn bedenklichen Trend: 2005 gaben noch 55,7 Prozent der Wähler dem SPD-Mann Schwabe ihre Erststimme. Danach folgten zwei Ergebnisse in den 40ern, und zuletzt, 2017, ein nur noch knapper Wahlsieg mit 38,7 Prozent. Es wird also spannend. Schwabes Herausforderer der bereits im Bundestag vertretenen Parteien sind: Michael Breilmann (CDU), Nils Stennei (Grüne), Lutz Wagner, (AfD), Marlies Greve (FDP) und Uwe Biletzke (Linke).

Ein weiterer klarer Trend ist die beständige Zunahme der Briefwähler, worauf man sich im Rathaus bereits vorbereitet – erst recht mit Blick auf die landesweit steigenden Corona-Inzidenzzahlen. Schon organisiert sind übrigens auch die rund 600 Wahlhelfer, die 50 Euro für ihren Einsatz in den (Brief-)Wahlbüros und bei der Stimmauszählung bekommen. Die Stadt brauche keine weiteren Freiwilligen mehr für die Stimmauszählung, hieß es am Freitag (30. Juli) aus dem Rathaus auf Anfrage.

Online-Podiumsdiskussion mit allen Direktkandidaten

Um die sprichwörtliche „Qual der Wahl“ zu lindern und die Direktkandidaten vorzustellen, werden wir nach den Sommerferien sowohl in der gedruckten Zeitung als auch online in Bewegtbildern mehrere Beiträge liefern. Unter anderem geplant ist eine Podiumsdiskussion mit den Kandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien von der Linken bis zur AfD, die am Donnerstagabend, 9. September, stattfinden wird. Dabei werden wir auch unsere Leser mit ihren Fragen zu Wort kommen lassen.

Optimistisch zeigen sich die Wahl-Organisatoren im Recklinghäuser Rathaus derweil, dass es diesmal mit dem Versenden der Wahlbenachrichtigungen und der Briefwahlunterlagen besser klappt als bei der Kommunalwahl vor einem Jahr.

Damals gab es unter dem Eindruck der zweiten Corona-Welle Dutzende Bürgerbeschwerden, dass kurzfristig per Post bestellte Briefwahlunterlagen zu spät kamen. Diesmal gibt es weniger Wahlberechtigte wegen des höheren Mindestalters von 18 statt 16 Jahren und weniger Termindruck. Für den Postversand der Unterlagen wie der Wahlbenachrichtigungskarte habe sich die Stadt Recklinghausen diesmal an einer kreisweiten Ausschreibung beteiligt, teilte die Stadtspitze auf Anfrage mit. Daraus resultierend werde der in der Region bekannte Versanddienstleister „Brief und mehr“ die Wahlbenachrichtigungen im Auftrag der Stadt verschicken.

Wichtig: Recklinghäuser, die in den nächsten Wochen in eine andere Stadt umziehen, müssen trotzdem noch in Recklinghausen wählen. Und wer erst kürzlich zugezogen ist, darf noch nicht hier seine Kreuzchen machen. Drei Monate muss man mindestens vor Ort wohnen, um hier auch wählen zu dürfen.