A45-Talbrücke Rahmede in Lüdenscheid: Wüst verärgert Bürger Kommt das Lkw-Durchfahrtsverbot?

Die baufällige Talbrücke Rahmede führt die Autobahn A45 über das Tal des Flüsschens Rahmede.
Die baufällige Talbrücke Rahmede führt die Autobahn A45 über das Tal des Flüsschens Rahmede. © picture alliance/dpa
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Ein Jahr nach der folgenschweren Sperrung der A45-Talbrücke Rahmede bei Lüdenscheid hat sich Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst am Montag (5.12.) mit betroffenen Bürgerinnen und Bürgern getroffen. Rund 20 Anwohnerinnen und Anwohner sprachen mit dem CDU-Politiker, dessen Besuch hoffnungsfroh erwartet worden war. Wüst hörte sich deren Sorgen an – mitgebracht hatte er aber nicht viel. Und ließ die Bürgerinitiative A45 ohne wirklich greifbares Ergebnis zurück.

Vorab hatte die Initiative ein klares Konzept zu einem Durchfahrtsverbot für den Transit-Schwerlastverkehr gefordert. „Was wir nicht brauchen, ist eine Schauveranstaltung oder dass uns Bürgern da nur ein kleines Häppchen vorgeworfen wird“, bekräftigte der Sprecher Heiko Schürfeld im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Autobahnbrücke seit einem Jahr gesperrt

Seit dem 2. Dezember 2021 ist die marode Autobahnbrücke Rahmede an der deutschlandweit wichtigen Nord-Süd-Achse (Frankfurt-Dortmund) bei Lüdenscheid schließlich voll gesperrt. Täglich donnern rund 20.000 zusätzliche Fahrzeuge, davon rund 6000 Lastwagen, durch Umleitungsstrecken in der Sauerlandstadt.

Anwohner und Unternehmen in der Region sind stark belastet durch Lärm, Abgase und Dauerstau, sie sind aber auch von Lieferproblemen, Umsatzeinbrüchen und der Abwanderung von Arbeitskräften schwer getroffen.

Initiative fordert schnelle Lösung

Die Bürgerinitiative verlangte deshalb ein weiträumiges Umleitungskonzept für den Transitschwerlastverkehr, das die Stadt wie auch die angrenzenden Kommunen entlastet. Einige Anwohner haben sich Schürfeld zufolge an eine Anwaltskanzlei gewandt, die der Forderung in einem Schreiben an das Verkehrsministerium in Düsseldorf, an die Autobahn GmbH und Straßen.NRW Nachdruck verliehen habe. Die Zeit dränge – auch wegen der deutlich steigenden Unfallgefahr infolge von Wintereinbruch und Schneefall.

Laut eines Berichts der WAZ erklärte Wüst allerdings am Montag lediglich, dass ein Durchfahrtsverbot für den Lkw-Transitverkehr auf dem Weg sei. Wie es vor Ort umgesetzt werden soll, habe er aber offengelassen. Denn klar ist: Meiden die Lkw Lüdenscheid, dann müssen sie durch die Nachbarstädte – und rauben den dort lebenden Menschen den Schlaf. „Am Ende bleiben viele Fragen unbeantwortet“, kritisierte Sprecher Schürfeld, der an dem Treffen mit Wüst teilnahm. „Die Anwohner wollten klare Aussagen, und die haben sie nicht bekommen.“

Deutliche Kritik an Hendrik Wüst

Zwar habe der Minister die Tragweite des Problems erkannt. „Aber“, so Schürholz weiter, „ich glaube, es gibt keinen Politiker mehr, dem es anders geht“. Das Kompetenzgerangel, das Hickhack um die politische Verantwortung – all das gehe allen Beteiligten zunehmend auf den Geist.

Ministerpräsident Wüst hatte vorab Bundeskanzler Olaf Scholz kritisiert. „Es wäre gut gewesen, wenn wir noch in diesem Jahr dazu mit dem Bundeskanzler zusammengekommen wären und dabei etwas herauskommen wäre“, monierte der MPK-Vizevorsitzende im Westfälischen Anzeiger. Es sei enttäuschend, dass das Thema nun von der Tagesordnung für die Ministerpräsidentenkonferenz am Donnerstag (8.12.) genommen worden sei.

Wüst spricht von „Zumutung“ für die Region

„Verabredet war, einen Pakt für Planungsbeschleunigung zu beschließen.“ Der Bund habe aber noch keine ausreichenden Vorschläge zur Planungsbeschleunigung gemacht. Das Beispiel in Lüdenscheid zeige, „wie lange in Deutschland Planung selbst dann dauert, wenn unter Hochdruck daran gearbeitet wird“, betonte Wüst.

Nach dem Treffen am Montag sagte der Ministerpräsident: Die Folgen der Rahmede-Brückensperrung an der zentralen A45 in Lüdenscheid seien eine „Zumutung“ für die Region. Obwohl alle Beteiligten mit Hochdruck an einem Neubau arbeiteten, dauere es „objektiv viel zu lange“. Nötig sei eine Planungsbeschleunigung.

Sprengung der A45-Talbrücke definitiv auf 2023 verschoben

Bund und NRW hatten beim Rahmede-Neubau Tempo zugesagt. Ein Termin für die Sprengung des Bauwerks war aber bereits verschoben worden. Die ursprünglich für den 18. Dezember zugesagte Sprengung der Talbrücke Rahmede an der zentralen A45 in Lüdenscheid wird demnach definitiv erst 2023 stattfinden.

„Dieses Jahr wird es nichts mehr“, sagte ein Sprecher der Westfalen-Niederlassung der Autobahn GmbH schon Mitte November. Hintergrund seien Verzögerungen beim Ausschreibungsverfahren für die Sprengung. Zudem hätten sich die Grunderwerbsverhandlungen mit Eigentümern und Unternehmen im direkten Umfeld der maroden Brücke als komplex und schwierig erwiesen. Die Anwohnerinnen und Anwohner in Lüdenscheid müssen weiter warten.

leel/dpa