Am 15. Juni wird der tatverdächtige G. in Iserlohn von der Polizei überwältigt und festgenommen. Er soll einige Tage zuvor seine Ex-Freundin in Hagen getötet haben. Dazu hätte es eigentlich gar nicht kommen müssen, denn zu dieser Zeit hätte der Mann im Gefängnis sitzen sollen. © Alex Talash
Behörden-Panne?

Anklage: Verurteilter Menschenhändler tötet Ex-Freundin statt in Haft zu sitzen

Er soll seine 38-jährige Ex-Freundin in Hagen bestialisch getötet haben, obwohl er eigentlich im Gefängnis hätte sitzen müssen. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft gegen den Serben David G. Anklage erhoben.

David G., der sein Alter selbst mit 24 Jahren angibt, wird vorgeworfen, Anfang Juni seine Ex-Freundin in Hagen mit zahlreichen Messerstichen getötet zu haben. Am 15. Juni hatten Polizisten die tote Frau in ihrer Wohnung in Hagen entdeckt. Einen Tag später war David G. als dringend tatverdächtig in Iserlohn festgenommen worden. Seither sitzt er in Untersuchungshaft.

Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Hagen Anklage gegen David G. wegen Totschlags erhoben. Das bestätigte Staatsanwalt Nils Warmbold auf Anfrage unserer Redaktion. Ob es bei dem Vorwurf des Totschlags bleibe oder am Ende auf Mord laute, werde sich vor Gericht zeigen, sagte Warmbold. Wann die Gerichtsverhandlung beginnt, ist aktuell noch offen.

Gefasst und wieder frei gelassen

Der Fall des David G. ist höchst pikant, denn: 2018 war G. in Serbien wegen Menschenhandels in zwei Fällen zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Jahren verurteilt worden. G. tauchte unter und setzte sich nach Deutschland ab. Am 24. April 2020 wurde er dann aufgrund eines „Mitfahndungsersuchens“ der Republik Serbien in Hagen festgenommen. Mit diesem Tag begann eine 40-Tages-Frist, innerhalb derer ein Auslieferungshaftbefehl erlassen werden muss. Dazu sind aber für die deutschen Behörden Dokumente aus Serbien notwendig.

Am 2. Juni 2020 entlassen die deutschen Behörden G. aus der Haft, da bis zu diesem Tag die Dokumente aus Serbien nicht vorgelegen hätten, argumentiert die deutsche Seite. Erst einen Tag später, am 3. Juni, hätten diese Dokumente vorgelegen. Trotzdem dauerte es ab da 12 Tage, ehe sich Polizisten auf den Weg machten, um G. festzunehmen und dabei auf die Leiche von dessen Ex-Freundin stoßen.

Der Todeszeitpunkt

Nach Informationen unserer Redaktion haben die Ermittlungen ergeben, dass die 38-jährige sehr wahrscheinlich am 8. Juni 2020 starb. Möglicherweise könnte sie noch leben, wenn schneller gehandelt worden wäre.

Über den Autor
Redakteur
Ulrich Breulmann, Jahrgang 1962, ist Diplom-Theologe. Nach seinem Volontariat arbeitete er zunächst sechseinhalb Jahre in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten, bevor er als Redaktionsleiter in verschiedenen Städten des Münsterlandes und in Dortmund eingesetzt war. Seit Dezember 2019 ist er als Investigativ-Reporter im Einsatz.
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