Die Niederlande haben kurz vor Weihnachten wegen der Omikron-Variante des Coronavirus einen neuen strengen Lockdown verhängt. © picture alliance/dpa
Niederlande

Coronavirus in den Niederlanden: Regierung beendet strengen Lockdown – doch harte Maßnahmen bleiben

Die Niederlande beenden nach fast vier Wochen und unter starkem Druck von Unternehmern den strengen Corona-Lockdown. Harte Maßnahmen aber bleiben. Was in den Niederlanden gilt.

Geschäfte, Friseure und Sportclubs sowie Hochschulen dürfen ab Samstag (15. Januar) wieder öffnen. Das kündigte Premier Mark Rutte am Freitagabend in Den Haag an. Geschlossen aber bleiben weiter Gaststätten, Museen, Theater und Kinos.

Gastwirte und der Kultursektor sind dementsprechend empört. Angesichts dramatisch steigender Infektionszahlen könnten allerdings nicht mehr Sektoren zugleich geöffnet werden, sagte Rutte. „Alles zugleich geht nicht, das Risiko ist zu groß.“ Ende des Monats werde es möglicherweise neue Lockerungen geben.

Widerstand gegen Maßnahmen in den Niederlanden nahm stark zu

Gesundheitsminister Ernst Kuipers sprach derweil von einer „neuen Phase der Pandemie“. Die Not bei Bürgern und Unternehmern sei groß. „Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben.“ Das Risiko einer Überlastung des Gesundheitssystems bleibe aber hoch.

Der Widerstand gegen die harten Maßnahmen hatte in den vergangenen Tagen stark zugenommen. Gastwirte kündigten bereits Proteste für Samstag an und wollen trotz des Verbots ihre Cafés und Restaurants öffnen. Sie werden vielfach von Bürgermeistern unterstützt. In der südlichen Stadt Valkenburg bei Aachen waren am Freitag bereits zahlreiche Geschäfte und Gaststätten geöffnet.

Nach der Entscheidung der Regierung dürfen Geschäfte wieder bis 17 Uhr täglich Kunden empfangen. Bürger dürfen zu Hause vier Besucher empfangen, das waren bisher zwei. Die Quarantänepflicht entfällt für diejenigen, die eine Booster-Impfung bekommen haben oder in diesem Jahr infiziert waren. Bisher waren nur Supermärkte oder Apotheken geöffnet.

Der Lockdown ab dem 19. Dezember sollte den Krankenhäusern Luft verschaffen. Trotz täglicher Höchstwerte bei Neuinfektionen sinkt die Anzahl der Patienten in den Krankenhäusern. Am Freitag wurden mehr als 35 000 Neuinfektionen registriert – so viel wie nie zuvor. Das sind mehr als 1300 Fälle pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen. Zum Vergleich: In Deutschland liegt dieser Wert bei 470.

Die deutsche Bundesregierung hatte bereits im vergangene Jahr auf die Lage im westlichen Nachbarland reagiert und die Niederlande als Hochrisikogebiet eingestuft. Seit dem 21. November 2021 gelten damit strengere Regeln bei der Reiserückkehr. Reisende müssen nun nach der Rückkehr für bis zu zehn Tage in Quarantäne, wenn sie weder geimpft noch genesen sind.


Erst ab dem fünften Tag ist ein Freitesten möglich. Auch Kinder müssen in Isolation – allerdings müssen unter Zwölfjährige sich nicht freitesten, die Quarantäne endet automatisch nach dem fünften Tag.

Zudem müssen alle, die aus Hochrisikogebieten zurückkehren, vorab eine digitale Einreise­anmeldung ausfüllen. Getestete, vollständig Geimpfte und Genesene müssen dort ihren Test-, Impf- oder Genesenen­nachweis hochladen.

Was ist der Coronavirus-Eintrittspass und wie bekommt man den?

In einigen Geschäften und öffentlichen Einrichtungen in den Niederlanden wird ein sogenanntes Coronavirus-Eintrittskartensystem angewandt. Es ähnelt den Regelungen zum Vorzeigen eines negativen Tests oder einer vollständigen Impfung in Deutschland. Bei vielen Veranstaltungen oder in öffentlichen Einrichtungen oder Geschäften sind diese Eintrittspässe die einzige Möglichkeit, Zutritt zu erlangen.

Wer plant, an einer kulturellen, gesellschaftlichen oder sportlichen Veranstaltung teilzunehmen, für die eine Coronavirus-Eintrittskarte erforderlich ist, muss die folgenden Schritte beachten:

  • Schritt 1: Testtermin vereinbaren. Über Testenvoortoegang.nl kann ein Termin für einen Corona-Test an einem der teilnehmenden Teststandorte vereinbart werden. Der Test darf nicht älter als 40 Stunden sein. Kinder unter 13 Jahren müssen nicht getestet werden.
  • Schritt 2: Testen. Nach dem Test erhält man das Ergebnis innerhalb einer Stunde. Ein negatives Ergebnis ist notwendig, um eine Eintrittskarte erstellen zu können.
  • Schritt 3: Pass in Corona-App erstellen. Für den Corona-Eintrittspass benötigt man die CoronaCheck-App. Die App kann man im Apple App Store oder im Google Play Store herunterladen. Den Code, den man bei einem negativen Testergebnis erhalten hat, kann man dort eingeben und erhält einen QR-Code. Der gilt dann als Eintrittskarte. Über Coronacheck.nl und „Corona-Eintrittskarte auf Papier erstellen“ kann man ebenfalls den Code vom Test eingeben und sich so einen QR-Code zum Ausdrucken erstellen.

Seit dem 23. Juni können auch Impfnachweise und Genesungsnachweise in der CoronaCheck-App angegeben werden.

Die wichtigsten Regeln im Überblick:

  • Jeder muss in Bereichen oder an Orten, an denen kein Coronavirus-Eintrittsausweis erforderlich ist, 1,5 Meter Abstand halten.
  • In Bereichen oder Veranstaltungsorten, in denen kein Coronavirus-Eintrittsausweis erforderlich ist, sind Gesichtsmasken obligatorisch.
  • Gaststätten, Museen, Theater und Kinos müssen geschlossen bleiben.
  • Zu Hause dürfen maximal 4 Gäste pro Tag empfangen werden. Davon ausgenommen sind Kinder bis einschließlich 12 Jahre.

mit dpa

Über den Autor
Redakteur
Studium der Germanistik und Geschichtswissenschaften in Düsseldorf. Nach freier Mitarbeit bei verschiedenen Medien im Rheinland nun seit 2018 für die Ruhr Nachrichten im Ruhrgebiet unterwegs. Ist als Volontär für verschiedene Redaktionen tätig, immer auf der Suche nach spannenden Themen.
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