Die Niederlande verschärfen die Corona-Regeln deutlich. © picture alliance / Friso Gentsch/dpa
Steigende Fallzahlen

Coronavirus in den Niederlanden: Regierung verhängt deutlich verschärfte Maßnahmen

Angesichts der steigenden Corona-Zahlen haben die Niederlande die Maßnahmen erneut verschärft. Deutschland hat das Nachbarland zudem wieder hochgestuft. Was jetzt in den Niederlanden gilt.

Angesichts schnell steigender Infektions- und Patientenzahlen verhängen die Niederlande einen abendlichen Lockdown. Geschäfte, Kulturstätten, Gaststätten und Sportclubs müssen täglich bereits um 17 Uhr schließen.

Die verschärften Maßnahmen gelten ab Sonntag für zunächst drei Wochen; das kündigte Ministerpräsident Mark Rutte am Freitag (26. November) an. „In den Niederlanden ist dann im Prinzip alles ab 17 Uhr geschlossen.“ Ausgenommen seien Supermärkte.

Schulen sollen vorerst geöffnet bleiben. Allerdings müssen Schüler ab zehn Jahre eine Mundmaske tragen, wenn sie nicht an ihrem Platz sitzen. Die 1,5-Meter-Distanz-Regel wird ausgeweitet auf Kinos, Theater und Gaststätten. Das heißt, dass sie weniger Besucher empfangen können. Dort wird auch wieder die Maskenpflicht gelten. Es müsse eine echte Wende geben, sagte Rutte.

Auch akute Behandlungen werden abgesagt

Vor allem die Lage an den Krankenhäusern spitzt sich zu. Gesundheitsminister Hugo de Jonge verhängte Notmaßnahmen, so dass nun auch akute Behandlungen abgesagt werden können. In einem Krankenhaus in Utrecht werden nun 120 Militärangehörige eingesetzt, um Pflegepersonal zu entlasten. Der Notzustand müsse verhindert werden, sagte de Jonge.

Die Regierung war wegen der vorzeitigen Lockerungen im September stark in die Kritik geraten. Die Infektionszahlen stiegen schnell. Am 13. November hatte die Regierung dann die Notbremse gezogen und einen Teillockdown verhängt. Doch vor allem die Lage in den Krankenhäusern verschärfte sich.

Die deutsche Bundesregierung hatte bereits auf die Lage im westlichen Nachbarland reagiert und die Niederlande als Hochrisikogebiet eingestuft. Ab Sonntag, 21. November, gelten damit strengere Regeln bei der Reiserückkehr. Reisende müssen nun nach der Rückkehr für bis zu zehn Tage in Quarantäne, wenn sie weder geimpft noch genesen sind.

Erst ab dem fünften Tag ist ein Freitesten möglich. Auch Kinder müssen in Isolation – allerdings müssen unter Zwölfjährige sich nicht freitesten, die Quarantäne endet automatisch nach dem fünften Tag.

Zudem müssen alle, die aus Hochrisikogebieten zurückkehren, vorab eine digitale Einreise­anmeldung ausfüllen. Getestete, vollständig Geimpfte und Genesene müssen dort ihren Test-, Impf- oder Genesenen­nachweis hochladen.

Was ist der Coronavirus-Eintrittspass und wie bekommt man den?

In einigen Geschäften und öffentlichen Einrichtungen in den Niederlanden wird ein sogenanntes Coronavirus-Eintrittskartensystem angewandt. Es ähnelt den Regelungen zum Vorzeigen eines negativen Tests oder einer vollständigen Impfung in Deutschland. Bei vielen Veranstaltungen oder in öffentlichen Einrichtungen oder Geschäften sind diese Eintrittspässe die einzige Möglichkeit, Zutritt zu erlangen.

Wer plant, an einer kulturellen, gesellschaftlichen oder sportlichen Veranstaltung teilzunehmen, für die eine Coronavirus-Eintrittskarte erforderlich ist, muss die folgenden Schritte beachten:

  • Schritt 1: Testtermin vereinbaren. Über Testenvoortoegang.nl kann ein Termin für einen Corona-Test an einem der teilnehmenden Teststandorte vereinbart werden. Der Test darf nicht älter als 40 Stunden sein. Kinder unter 13 Jahren müssen nicht getestet werden.
  • Schritt 2: Testen. Nach dem Test erhält man das Ergebnis innerhalb einer Stunde. Ein negatives Ergebnis ist notwendig, um eine Eintrittskarte erstellen zu können.
  • Schritt 3: Pass in Corona-App erstellen. Für den Corona-Eintrittspass benötigt man die CoronaCheck-App. Die App kann man im Apple App Store oder im Google Play Store herunterladen. Den Code, den man bei einem negativen Testergebnis erhalten hat, kann man dort eingeben und erhält einen QR-Code. Der gilt dann als Eintrittskarte. Über Coronacheck.nl und „Corona-Eintrittskarte auf Papier erstellen“ kann man ebenfalls den Code vom Test eingeben und sich so einen QR-Code zum Ausdrucken erstellen.

Seit dem 23. Juni können auch Impfnachweise und Genesungsnachweise in der CoronaCheck-App angegeben werden.

Flugverbot für Südafrika-Flieger: 61 positive Tests

Aufgrund der neuen Virusvariante B.1.1.529, auch Omicron genannt, haben die Niederlande außerdem ein Flugverbot für Südafrika-Flieger verhängt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte die Variante B.1.1.529 am Freitag als „besorgniserregend“ eingestuft. Experten befürchten, dass die vielen Mutationen der Variante dazu führen, dass sich der Erreger schneller ausbreitet oder die Impfstoffe ihre Schutzwirkung verlieren.

Für zwei Flieger kam die Nachricht jedoch zu spät: Sie waren schon in der Luft, als die Niederlande ein Flugverbot aussprach. Nun stellt sich heraus: In den beiden mit rund 600 Fliegern Dutzende aus Südafrika in Amsterdam gelandete Passagiere sind 61 mit Corona infiziert. Das berichtet die niederländische Zeitung „De Telegraaf“ unter Berufung auf Gesundheitsbehörden. Es sei allerdings noch nicht klar, ob es sich dabei um die neue Virusvariante B.1.1.529, auch Omicron genannt, handele. Das sollten Folgeuntersuchungen des Erasmus Medical Centre in Rotterdam zeigen.

Die wichtigsten Regeln im Überblick:

  • Jeder muss in Bereichen oder an Orten, an denen kein Coronavirus-Eintrittsausweis erforderlich ist, 1,5 Meter Abstand halten.
  • In Bereichen oder Veranstaltungsorten, in denen kein Coronavirus-Eintrittsausweis erforderlich ist, sind Gesichtsmasken obligatorisch.
  • Geschäfte, die nicht lebensnotwendige Waren und Dienstleistungen anbieten, wie Bekleidungsgeschäfte, kontaktbasierte Dienstleistungen wie Friseursalons und Casinos, müssen um 17 Uhr schließen.
  • Gastronomiebetriebe und Geschäfte, die lebensnotwendige Güter verkaufen, wie Supermärkte, Zoohandlungen und Apotheken, müssen um 17 Uhr schließen. Coronavirus-Eintrittskarten und zugewiesene Sitzplätze sind in gastronomischen Einrichtungen obligatorisch.
  • Zu Hause dürfen maximal 4 Gäste pro Tag empfangen werden. Davon ausgenommen sind Kinder bis einschließlich 12 Jahre.
  • Veranstaltungen sind nur von 6 bis 18 Uhr erlaubt. Bei Veranstaltungen dürfen nur maximal 1.250 Personen in einem Innenbereich betreten werden.
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Redakteur
Studium der Germanistik und Geschichtswissenschaften in Düsseldorf. Nach freier Mitarbeit bei verschiedenen Medien im Rheinland nun seit 2018 für die Ruhr Nachrichten im Ruhrgebiet unterwegs. Ist als Volontär für verschiedene Redaktionen tätig, immer auf der Suche nach spannenden Themen.
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