Was passiert, wenn nur wenige Menschen gegen das Coronavirus geimpft werden, erleben derzeit die Menschen in etlichen anderen europäischen Ländern auf dramatische Weise. Angesichts der aktuellen Zahlen in Deutschland müsste das eine deutlich Warnung sein. © Foto: Frauke Riether auf Pixabay
Corona-Wochen-Bilanz

Dramatische Entwicklung: Blick in andere Länder zeigt, was bei niedrigen Impfquoten passiert

Die Zahl der Corona-Fälle steigt, ebenso die Zahl der Corona-Kranken in Kliniken und der Corona-Toten. Die Impfungen stocken. Das kann fatal enden, wie sich jetzt in anderen Ländern zeigt.

In den vergangenen drei, vier Wochen hatten sich die Corona-Zahlen stabilisiert, waren sogar bei vielen Merkmalen leicht gesunken. Das ist leider vorbei. Die Zahlen steigen wieder. Noch gestaltet sich der Anstieg moderat, trotzdem ist Vorsicht geboten, wenn man auf die dramatischen Entwicklungen schaut, die sich gerade in etlichen Ländern Europas abspielen.

Zunächst jedoch ein Blick auf die aktuelle Datenlage in Deutschland. In der vergangenen Woche gab es 64.461 neue Fälle einer Corona-Infektion. Eine Woche zuvor waren das 6.465 Fälle oder rund 10 Prozent weniger. Noch kann man hier sicherlich nicht von einer neuen Welle sprechen, aber ein Warnsignal ist das ganz sicherlich. Die 7-Tages-Inzidenz liegt heute bei 74,4, vor einer Woche lag sie bei 66,5.

Zahlen bei Toten und Intensiv-Patienten steigen auch

Auch die Zahl der im Zusammenhang mit einer Coronainfektion gestorbenen Menschen ist gestiegen – innerhalb einer Woche auf 419. Das sind zwar nur 3 mehr als in der Woche zuvor, aber: Mitte August lag dieser Wert noch bei 87 Toten in einer Woche, ist heute also fast fünfmal so hoch.

Ähnlich bedenklich ist auch die Entwicklung auf den Intensivstationen. Da werden Stand 18. Oktober 1.449 Covid-19-Patientinnen und Patienten behandelt, rund 130 mehr als eine Woche zuvor. Von ihnen werden heute 795 beatmet, 49 mehr als vor einer Woche.

Noch immer, und das ist wichtig, sind all diese Zahlen weitaus besser als während der zweiten und dritten Welle. Zudem wird unser Gesundheitssystem derzeit noch gut mit den Corona-Herausforderungen fertig, aber Ärzte, Pflegende und Kliniken stehen ja auch beispielsweise durch die Grippe- und Erkältungswelle von einer anderen Seite unter Druck.

Wo man sich stärker steigende Zahlen wünschen würde, wären sicherlich die Impfungen. Doch hier geht es nur im Schneckentempo voran. Zwischen dem 11. und 17. Oktober wurden gerade einmal 877.183 Menschen geimpft.

Weniger Impfungen gab es zuletzt Anfang Februar, als der Impfstoff noch extrem knapp war. Derzeit sind 68,8 aller Menschen in Deutschland einmal, 65,8 Prozent vollständig geimpft. Bei den Erwachsenen liegen die Quoten bei 79,6 beziehungsweise 76,3 Prozent.

Welche verheerende Folgen eine niedrige Quote von Corona-Schutzimpfungen haben und wie sehr im Gegenzug Impfungen gegen die Pandemie schützen, lässt sich gerade sehr anschaulich in einigen Ländern Europas beobachten. Hier ein kleiner Überblick:

In Rumänien sind bisher gerade einmal 29,2 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Die 7-Tage-Inzidenz liegt dort aktuell bei 526. In dem Land, das mit 19,3 Millionen weniger als ein Viertel der Einwohner Deutschlands hat, sind die Intensivbetten mit mehr als 1.500 Covid-Kranken schon lange überfüllt. In der vergangenen Woche gab es mit 385 Coronatoten an einem Tag einen neuen Rekord.

Dramatische Lage auch in Bulgarien und Russland

Ähnlich sieht die Lage in Bulgarien aus, wo gerade einmal 20,1 Prozent der Bevölkerung eine erste Corona-Impfung erhalten haben. Dort liegt die Inzidenz bei 286,5 Prozent. Das Land hat 6,9 Millionen Einwohner und zählt schon jetzt 22.274 Corona-Tote. Wenn in Deutschland – gemessen an der Einwohnerzahl – ebenso viele Menschen an oder mit einer Coronainfektion gestorben wären, hätten wir nicht 94.628 Corona-Tote zu beklagen, sondern mehr als 267.000.

Auch aus Russland werden vermehrt Engpässe in den Kliniken gemeldet. 32,8 Prozent beträgt hier die Quote der vollständig Geimpften. Die Inzidenz liegt bei 145,0. Der letztgenannte Wert klingt noch relativ harmlos, aber: Da die Impfquote so niedrig ist, laufen viele Infizierte Gefahr, schwer an Covid 19 zu erkranken, während geimpfte Infizierte zu einem sehr großen Prozentsatz zumindest gegen einen schweren Verlauf geschützt sind. Ende vergangener Woche gab es an einem Tag in Russland 1.002 Corona-Tote und mehr als 33.000 Neuinfektionen.

Es gibt auch Länder mit sehr, sehr guten Zahlen

In Serbien liegt die Quote der vollständig Geimpften bei 42,5 und die Inzidenz bei 632,1. In Kroatien sind 43,4 Prozent vollständig geimpft. Die Inzidenz liegt bei 246,0. In Slowenien sind 50,7 Prozent komplett geimpft, die Inzidenz liegt bei 321,2. In der Slowakei sind 41,7 Prozent vollständig geimpft. Die Inzidenz beträgt 216,4.

Auf der anderen Seite bestätigt der Blick auf Länder mit hohen Impfquoten die Wirksamkeit der Impfstoffe gegen das Virus. In Portugal sind 85,2 Prozent vollständig geimpft, die Inzidenz liegt bei 44,2. Das Land hat im Oktober fast alle Corona-Beschränkungen aufheben können.

In Italien sind 71,0 Prozent komplett geimpft, die Inzidenz beträgt 29,1. Und in Spanien liegt bei 78,2 Prozent vollständig Geimpften die Inzidenz bei 23,0.

Über den Autor
Redakteur
Ulrich Breulmann, Jahrgang 1962, ist Diplom-Theologe. Nach seinem Volontariat arbeitete er zunächst sechseinhalb Jahre in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten, bevor er als Redaktionsleiter in verschiedenen Städten des Münsterlandes und in Dortmund eingesetzt war. Seit Dezember 2019 ist er als Investigativ-Reporter im Einsatz.
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