Meinung

Riesengewinne von RWE und Co. sind unmoralisch

Verbraucher können sich Strom und Gas jetzt schon kaum mehr leisten. Zugleich explodieren die Gewinne großer Energiekonzerne. Wie kann das sein? Ein Kommentar.
Autor Ulrich Breulmann rechts in der Montage neben der Fassade des RWE-Gebäudes.
Mitten in der durch den Ukraine-Krieg ausgelösten Energiekrise fahren die RWE und andere Energie-Konzerne Riesen-Gewinne ein. Kommentator Ulrich Breulmann übt daran heftige Kritik. © Martin Klose

Diese beiden Nachrichten aus den vergangenen Wochen haben das Zeug, um in der Zusammenschau unsere Gesellschaft zu zerreißen. Auf der einen Seite explodieren gerade die Preise für Gas, Strom und in der Folge für alle anderen Güter und Dienstleistungen. Ab Oktober hätten Verbraucher eigentlich noch eine Gasumlage oben draufzahlen müssen, diese wurde jedoch von der Bundesregierung gekippt.

Auf der anderen Seite melden in diesen Tagen die großen Energiekonzerne absolute Rekordgewinne für das laufende Jahr. Egal, ob Shell, Total oder Repsol – sie alle haben ihre Milliardengewinne im ersten Halbjahr maximal gesteigert, teilweise sogar mehr als verdoppelt. Auch der Essener Energiekonzern RWE erwartet für das laufende Jahr nicht mehr einen Gewinn vor Steuern von „nur“ 3,6 bis 4 Milliarden Euro, sondern geht jetzt von 5,5 Milliarden Euro Gewinn aus.

In einer Ad-hoc-Mitteilung vom 27. Juli schreibt RWE: „Das Segment Wasser/Biomasse/Gas sowie der Unternehmensbereich Energiehandel haben im ersten Halbjahr aufgrund einer starken operativen Performance ein außerordentlich gutes Ergebnis erzielt.“

„Gewinne durch Ukraine-Krieg in den Schoß gefallen“

Ich freue mich ja, wenn ein Unternehmen blüht, gedeiht und dabei eine „starke Performance“ hinlegt, aber: Ich habe im Moment den starken Verdacht, dass die gigantischen Extra-Gewinne der Energie-Riesen nicht durch die „starke Performance“ der Manager in den Unternehmenszentralen erwirtschaftet wurden, sondern sie den Konzernen durch die Turbulenzen des Ukraine-Kriegs in den Schoß gefallen sind. Die Energie-Multis sind die Gewinner des fürchterlichen Krieges, während wir ganz normalen Privatleute die Zeche zahlen.

Um nicht als Ignorant abgestempelt zu werden, schiebe ich mal diese Differenzierung ein: Mir ist schon klar, dass beispielsweise Shell als Unternehmen, das selbst Öl und Gas fördert, in einer besseren Position ist als etwa Uniper, das nur Gas importiert und an Stadtwerke, Industrieunternehmen und andere weiterverkauft.

Deshalb muss Uniper vom deutschen Staat vor dem Bankrott gerettet werden, während Shell, RWE und Co. ihre Gewinne gigantisch steigern können. RWE etwa importiert zwar auch Gas, erzielt die höheren Gewinne aber in erster Linie durch die stark gestiegenen Strompreise.

„Diese Riesengewinne sind unmoralisch“

Inzwischen läuft eine Diskussion, ob der Staat nicht die exorbitant hohen Extragewinne der Energiekonzerne mit einer „Übergewinnsteuer“ belegen soll. Ich bin kein Ökonom und weiß nicht, ob eine etwas weniger gute „Performance“ bei RWE als Folge einer solchen Steuer am Ende unserem gesamten Staat schaden oder nur die Dividende der Aktionäre ein wenig mindern würde, aber eines weiß ich schon:

Solange ganz normale Menschen in unserem Land – und das sind die meisten – schon jetzt nicht mehr ruhig schlafen können, weil sie sich vor der Gasrechnung im Winter fürchten, empfinde ich die mit der Energiepreisexplosion eingefahrenen Riesengewinne der Energiekonzerne als unmoralisch und inakzeptabel. Sie sind so ein hochexplosiver Sprengstoff für den Zusammenhalt in unserem Land, dass sie sofort entschärft werden müssen.

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