Der Angeklagte sitzt beim Prozessauftakt an der Seite seiner Verteidiger. © Werner von Braunschweig
Landgericht Bochum

Fall Marvin: Angeklagter soll Schmerzensgeld an Missbrauchsopfer zahlen

Mehr als ein Jahr nach dem Prozessauftakt scheint im „Marvin-Prozess“ die finale Phase zu beginnen. Kurz vor dem Start der Plädoyers wird der Angeklagte nun auch auf Schmerzensgeld verklagt.

Im Prozess um den Fall Marvin hat Nebenklage-Anwältin Marie Lingnau am Donnerstag parallel eine Schmerzensgeldklage erhoben. Danach sollen die Richter der 8. Strafkammer am Bochumer Landgericht den Angeklagten Lars H. aus Recklinghausen zur Zahlung von mindestens 50.000 Euro an das bis heute massiv unter den Missbrauchsfolgen leidende Opfer verurteilen.

Angeklagter schiebt Schuld auf Opfer

„Besonders schwer wiegt, dass der Angeklagte Marvin auch heute und insbesondere zuletzt in seiner Einlassung als denjenigen darstellt, der für den Missbrauch die Verantwortung trage“, hieß es in der von Anwältin Marie Lingnau verlesenen Zivilklage.

Der Angeklagte Lars H. hatte sich nach einem Jahr des Schweigens zuletzt am 29. Juni über seinen Verteidiger Markus Kluck erstmals öffentlich zu den Vorwürfen geäußert. Dabei hatte der 46-Jährige behaupten lassen, er sei von dem anfangs 13-jährigen Jungen manipuliert und kontrolliert worden. „Ich habe gemacht, was Marvin gesagt hat“, hieß es in der Erklärung.

Urteil wird frühestens im September erwartet

Laut Anklage soll Lars H. den bei ihm im Dezember 2019 zufällig am Rande einer Kinderporno-Razzia in einem Schrank entdeckten (mehr als zweieinhalb Jahre als vermisst geltenden) Marvin in seiner Wohnung in mehr als 450 Fällen sexuell missbraucht haben. Neben einer Haftstrafe droht dem vorbestraften Angeklagten auch die Anordnung der anschließenden Sicherungsverwahrung.

Am Freitag (9. Juni) soll voraussichtlich die Bochumer Staatsanwaltschaft plädieren. Ein Urteil ist – Stand jetzt – frühestens am 2. September zu erwarten.