Der Landschaftspark Duisburg-Nord liegt am westlichen Ende des Ruhrgebiets. © Lukas Wittland
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Industrie-Denkmäler in NRW

Die Geschichte des Ruhrgebiets ist eng mit Zechen und Schwerindustrie verbunden. Als die nach und nach verschwanden blieben Denkmäler zurück, die alle ihre eigenen Geschichten erzählen.

Lange war die Industrie der Motor des Ruhrgebietes. Zechen und Hütten sind mittlerweile verschwunden. Die Zeit und ihre Bauten prägen aber noch immer das Bild der Städte im Ruhrgebiet. Fördertürme und Stahl-Kolosse erinnern an eine Zeit, als die Städte und der Himmel noch grau waren. Wir stellen Ihnen fünf einzigartige Industriedenkmäler vor.
Das Koepchenwerk, ein Pumpkraftwerk, dessen Rohre sich die Hänge des Ardeygebirges hinauf zum großen RWE-Zeichen ziehen, liegt in Herdecke direkt am Hengsteysee an der Ruhr. Benannt ist es nach Professor Arthur Koepchen. Das ehemalige RWE-Vorstandsmitglied gilt in der Energiewirtschaft als Visionär.

Koepchenwerk

Gesehen hat das Pumpkraftwerk wohl jeder schon mal, der kurz nach Schwerte auf der A1 in Richtung Köln gefahren ist. Es wurde von 1927 bis 1930 zur Stromversorgung des nahen Ruhrgebietes gebaut. Mit dem Wachstum der Industrie wuchs auch der Hunger nach Energie. 1930 ging das Koepchenwerk ans Netz.

Konnten Kohlekraftwerke den Bedarf der Industrie nicht decken, kam das Koepchenwerk zum Einsatz. Aus einem Speicherbecken, das sich 160 Meter über dem Hengsteysee befindet, strömte dann Wasser und trieb Turbinen an, die frischen Strom ins Netz einspeisten.

In den Nachtstunden, in denen genug Strom im RWE Netz verfügbar war, nutzte man den Überschuss, um das Wasser wieder aus dem See in das Speicherbecken zu pumpen. 1980 wurde das Koepchenwerk nach einem Störfall stillgelegt. Am Wochenende ist es nach einer Corona-Pause wieder für Führungen geöffnet, außerdem lädt die Landschaft des Hengsteysee zu Spaziergängen und Radtouren ein.

Anfahrt: Auf der A1 bis zur Ausfahrt 88 Hagen-West. Abbiegen auf Weststraße und im Kreisverkehr links auf die Herdecker Straße abbiegen. Nach der Ruhrbrücke abfahren und rechts auf die Hengsteyseestraße.

Parkplätze: Parkplätze etwa 15 Minuten Fußweg vom Werk entfernt.

ÖPNV: Bus 515 von Hagen Hbf ZOB bis „Seestraße“, dann noch circa 15 Minuten Fußweg. Bus 376 von Witten Hbf bis Herdecke „Koenenstraße“, dann circa 20 Minuten Fußweg.

Magarethenhöhe

Die Margarethenhöhe in Essen ist ein lebendiges Denkmal der Hochzeit der Industrie im Ruhrgebiet. Lebendig ist sie in dem Sinne, dass hier tatsächlich noch gelebt wird. Über 7000 Menschen wohnen in der Siedlung, die nach ihrer Stifterin Margarethe Krupp benannt und zwischen 1909 und 1938 entstanden ist. Sie zählt zu den ersten Gartenstädten.

Sie propagierte ein Leben im Grünen mitten in der Stadt. Gedacht war sie als Siedlungen mit Gärten zur Selbstversorgung, Parks und kleiner Industrie. 50 Hektar der Siedlungsfläche sind als unbebaubares Waldland festgelegt. Geplant wurde die Siedlung nicht nur für Angestellte des Kruppkonzerns.

Der
Der „kleine Markt“ in der Margarethenhöhe ist einer italienischen Piazza nachempfunden © Margarethe Krupp-Stiftung © Margarethe Krupp-Stiftung

Den außergewöhnlichen Charme der Siedlung entdeckt man am besten zu Fuß. Halte lohnen sich am Brückenkopf mit Museum, dem Eingang zur Margarethenhöhe, dem kleinen Markt, der nach dem Vorbild einer italienischen Piazza gestaltet ist, an der steilen Straße und der Musterwohnung im Erdgeschoss der Stensstraße 25.

Dabei sollte man auch auf die Details achten: die Vielfalt der Haustüren, Giebel und Fenster. Trotz dieser unterschiedlichen Elemente und obwohl im Zweiten Weltkrieg über 40 Prozent der Gebäude stark beschädigt oder zerstört worden sind, findet man ein geschlossenes und harmonisches Siedlungsbild vor.

Anfahrt: über die Autobahn A52, Abfahrt Anschlussstelle Essen-Haarzopf, über die A40, Anschlussstelle Essen-Holsterhausen.

Parkplätze: In der Siedlung gibt es kostenlose Parkmöglichkeiten.

ÖPNV: vom Hauptbahnhof Essen mit der Linie U17 in Richtung Essen-Margarethenhöhe bis Haltestelle Halbe Höhe oder Laubenweg.


Der Landschaftspark Duisburg-Nord ist ein Ort mit zwei Gesichtern: Tagsüber ragen die wuchtigen, rostroten Kolosse des stillgelegten Hüttenwerks im Duisburger Stadtteil Meiderich aus dem umliegenden Grün. Am Abend zeigt sich die Hochofenkulisse dann im wahrsten Wortsinne in einem ganz anderen Licht.

Landschaftspark Duisburg-Nord

Das Hüttenwerk des Landschaftsparks Duisburg-Nord bei Nacht.
Das Hüttenwerk des Landschaftsparks Duisburg-Nord bei Nacht. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

In der Dunkelheit taucht die Installation des britischen Künstlers Jonathan Park die ehemaligen Industrieanlagen in ein beeindruckendes Meer aus bunten Lichtern.

Das 180 Hektar große Areal können Besucher zu Fuß oder auf dem Rad erkunden. Auf dem Gelände können sie im mit 20.000 Kubikmeter Wasser gefüllten Gasometer tauchen, im Kletterpark klettern, wandern oder einfach nur die Aussicht genießen. Lange sind die Zeiten vorbei, in denen die Hochöfen dampften und in ihren 84 Jahren Betrieb 37 Millionen Tonnen Spezialroheisen produzierten.

Fotostrecke

Impressionen aus dem Landschaftspark Duisburg-Nord

Mit Durchschnittlich einer Million Besuchern pro Jahr gehört der Landschaftspark Duisburg-Nord zu den beliebtesten Natur- und Kulturlandschaften in Nordrhein-Westfalen. Aber auch über die Grenzen des Bundeslandes hinaus hat die Kombination aus Natur und Industrie Anerkennung gefunden. Heute zählt der Park zu den wichtigsten Projekten der Landschaftsarchitektur der Jahrtausendwende. Die renommierte britische Zeitung „The Guardian“ wählte ihn außerdem 2015 unter die zehn schönsten Großstadtparks der Welt.

Grundidee der Umgestaltung war damals, den Geist des Ortes herauszuarbeiten. Heute kann man sich bei einem Besuch davon überzeugen, dass das gelungen ist.

Anfahrt: A42 Ausfahrt DU-Neumühl, dann rechts auf die B8 Richtung DU-Obermeiderich bis zur Emscherstraße 71. Der Weg ist ausgeschildert. Die Emscherstraße gibt es in Duisburg zweimal. In Navigationssystemen werden häufig die Stadtteile Duisburg-Meiderich oder Duisburg-Hamborn angezeigt

Parkplätze: Gegenüber des Haupteingangs gibt es 1.500 kostenlose Stellplätze.

ÖPNV: Haltestelle „Landschaftspark Nord“ mit der Stadtbahnlinie 903 oder den Bussen 906 oder 910. Dann sind es noch etwa 10 Minuten zu Fuß.

Zeche Consolidation

Förderturm der Zeche Consolidation in Gelsenkirchen.
Förderturm der Zeche Consolidation in Gelsenkirchen. © Klaus-Peter Schneider/Stiftung Industriedenkmalpflege © Klaus-Peter Schneider/Stiftung Industriedenkmalpflege

Die Zeche Consolidation (auch ‚Consol‘ genannt) war viel mehr als nur ein Steinkohlebergwerk: Sie war Motor von Gelsenkirchen, Arbeitsstätte für unzählige Beschäftigte und ein bedeutender Förderer des FC Schalke 04.

Passenderweise begann die Geschichte der Zeche gleich in der Nähe des Schalker Marktes im Jahr 1863 mit der Abteufung des ersten Schachtes. Zwischen 1872 und 1876 galt Consolidation als förderstärkste Zeche im Ruhrgebiet und erlebte einen sagenhaften Aufstieg, der mehr als 100 Jahre andauern sollte.

1904 wurde dort auch der Grundstein des Aufstiegs des FC Schalke 04 zu einem der größten Fußballvereine Europas gelegt. In direkter Nachbarschaft der Zeche, in den Straßen und Hinterhöfen der Gemeinde Schalke, treffen sich zehn Jugendliche regelmäßig zum Fußball. Einige von ihnen sind Lehrlinge auf der Zeche und arbeiten als Knappen unter Tage. Die jungen Männer gründen den Verein Westfalia Schalke, der bald Menschen aus der gesamten Umgebung begeistert.

Zwischen dem Fußballverein und der Zeche entwickelte sich dauerhaft eine enge Verbindung. Vereinslegende Ernst Kuzorra arbeitete auf der Zeche als Bergmann. Außerdem stellte das Werk dem Fußballclub ein Grundstück für die ebenso legendäre „Glückauf- Kampfbahn“ zur Verfügung und unterstütze den Verein beim Bau.

Heute ist an der Zeche Consolidation eines der letzten noch erhaltenen Fördergerüste seiner Art in NRW zu bewundern, das seit 1987 auf der Denkmalliste der Stadt steht.

Anfahrt: Auf der A42 bis zur Ausfahrt 18 Gelsenkirchen-Bismarck, dann auf die Reckfeldstraße abbiegen. Nach circa einem Kilometer am Kreisverkehr rechts in die Erdbrüggenstraße.

Parkplätze: kostenfrei im Umfeld der Zeche.

ÖPNV: U-Bahn-Linie 301 Richtung Buer Rathaus bis Bergwerk Consolidation.
Die Zeche Gneisenau ist das Wahrzeichen des Dortmunder Ortsteils Derne. Auf ihrem Gelände sind zwei echte Schätze der Bergbau-Architektur zu finden: der sogenannte Tomson-Bock und das zweigeschossige Turmgerüst in nahezu senkrechter Aufstellung. Zu Hochzeiten gab es hundert dieser senkrecht aufgestellten Turmgerüste, heute ist es das vermutlich älteste Gerüst der Region

Zeche Gneisenau

Der Tomson-Bock, eine spezielle Fördergerüst-Bauart im Bergbau, ist der einzig noch erhaltene. Seinen Namen verdankt der Bock dem belgischen Techniker Eugen Tomson, der in den 1880er- und 1890er-Jahren Werksdirektor der Zeche Gneisenau war. Der Tomson-Bock ist eine spezielle Fördergerüst-Bauart im Bergbau.

Im Jahr 1873 begannen die ersten Abteufarbeiten auf der Zeche Gneisenau. Doch statt sich über Steinkohle freuen zu können, musste die Bergbaugesellschaft zunächst gegen Wassermassen ankämpfen, sodass die reguläre Förderung erst 1886 beginnen konnte.

Von da an kannte das Bergwerk nur eine Richtung: hoch hinaus. Mit knapp 6000 Beschäftigten und einer Jahresförderung von mehr als drei Millionen Tonnen Kohle war es 1970 das förderstärkste Bergwerk im Ruhrgebiet. 99 Jahre, nachdem das Werk die erste Kohle gefördert hatte, wurde die Zeche stillgelegt.

Anfahrt: auf der A2 bis zum Kreuz Dortmund-Nordost und dort auf die B236 Richtung Schwerte. Von der B1 als Verlängerung der A40 aus Richtung Essen und der A44 aus Richtung Kassel auf die B236 Richtung Lünen. Bis zur Ausfahrt Dortmund-Derne/Eving.

Parkplätze: kostenfrei in der Nähe der Zeche.

ÖPNV: RB50 oder RB51 bis Haltestelle Derne.

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Über den Autor
Redakteur
Als gebürtiger Dortmunder bin ich großer Fan der ehrlich-direkten Ruhrpott-Mentalität. Nach journalistischen Ausflügen nach München und Berlin seit 2021 Redakteur in der Dortmunder Stadtredaktion.
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Lukas Wittland

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