Coronavirus

Maskenpflicht im Unterricht entfällt: So reagieren die Lehrer auf die Entscheidung

Die Maskenpflicht für Schüler und Lehrer in NRW entfällt, ab der kommenden Woche zumindest am Platz im Klassenraum. Bei den Lehrern stößt die Entscheidung auf geteilte Meinung.
Die Maskenpflicht im Unterricht wird in NRW jetzt zum 2. November abgeschafft. © picture alliance/dpa

In Nordrhein-Westfalen müssen Schülerinnen und Schüler im Unterricht bald keinen Mund-Nasen-Schutz mehr tragen. Die Maskenpflicht auf den Sitzplätzen im Klassenraum werde zum 2. November abgeschafft. Das teilte das NRW-Schulministerium am Donnerstag mit. Allerdings werden die Quarantäne-Regeln erweitert.

Zur Begründung hieß es, an den Schulen gebe es keinen übermäßigen Anstieg bei den Corona-Infektionen. Gleichzeitig steige die Impfquote, bei Lehrkräften liege sie sogar über 90 Prozent. Schülerinnen und Schüler müssen die Maske ab Dienstag nur weiterhin noch im übrigen Gebäude tragen und wenn sie ihren festen Sitzplatz verlassen. Für den Außenbereich war die Maskenpflicht schon vor einiger Zeit abgeschafft worden.

Quarantäne nicht für gesamte Klasse

Für Lehrkräfte entfällt die Maskenpflicht, so lange ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann. Verschärft wurden im Gegenzug aber die Quarantäne-Regeln in Schulen. Tritt in einer Klasse oder einem Kurs ein Corona-Fall auf, wird die Quarantäne von Schülerinnen und Schülern auf die nachweislich infizierte Person sowie jetzt auch auf die unmittelbare Sitznachbarin oder den unmittelbaren Sitznachbarn ausgedehnt.

Vollständig geimpfte oder genesene Schüler ohne Symptome sind von der Quarantäne weiterhin ausgenommen. Außerdem gelten die Regeln zum Freitesten fort. Frühestens am fünften Tag kann die häusliche Isolation durch einen negativen PCR-Test oder einen Schnelltest vorzeitig beendet werden. Dann können Schüler sofort wieder am Unterricht teilnehmen.

Der neue NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) rechtfertigte am Donnerstag die Maßnahmen. „Unsere Philosophie war immer und ist es auch weiterhin: so viel Schutz wie nötig und so viel Freiheit wie möglich.“ Deswegen gehöre zum Fall der Maskenpflicht am Sitzplatz auch gleichzeitig die neue Quarantäne-Pflicht. Darüber habe im Kabinett auch Konsens mit Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) bestanden.

Kritik vom Lehrer-Verband: Entscheidung „hochgradig riskant“

Der Verband Lehrer NRW kritisierte die Entscheidung als „hochgradig riskant“. „Die Infektionszahlen steigen aktuell rasant – und zwar ganz besonders unter Kindern und Jugendlichen. Mitten in diese gefährliche Entwicklung hinein die Maskenpflicht im Unterricht aufzuheben, setzt alle am Schulleben Beteiligten einem hohen Risiko aus“, sagte der Vorsitzende, Sven Christoffer.

Familienminister Joachim Stamp (FDP) sagte, letztlich seien die Maßnahmen auch ein Kompromiss hinsichtlich der Vorgaben des Robert Koch-Instituts (RKI). „Politik ist immer, gerade auch in Krisen, notwendigerweise auch ein Kompromiss.“ Es handele sich um eine „minimale Quarantäne-Erweiterung“, die aber auch durch die Möglichkeit des Freitestens und die Fortsetzung der Tests bis Weihnachten „überschaubar“.

Die üblichen Corona-Tests an den Schulen sollen fortgesetzt werden: also drei Corona-Selbsttests pro Woche an weiterführenden Schulen und zwei PCR-Pooltests pro Woche an Grund- und Förderschulen. „Die bisherige Entwicklung der Pandemie hat gezeigt, dass unsere Schulen sichere Orte sind. Alle Schülerinnen und Schüler werden engmaschig und mehrfach die Woche getestet und unsere strengen Vorgaben für die Hygiene und den Infektionsschutz gelten selbstverständlich weiterhin“, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) laut Mitteilung.

„An unseren Schulen gibt es keinen übermäßigen Anstieg des Infektionsgeschehens. Gleichzeitig steigen die Impfquoten weiter an, bei Lehrerinnen und Lehrern liegt sie sogar über 90 Prozent. Und schon fast die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler über zwölf Jahren ist schon vollständig geimpft“, sagte Gebauer. In dieser Situation sei die Aufhebung der Maskenpflicht am Sitzplatz ein verantwortbarer Schritt.

Maske auf dem Sitzplatz abzunehmen „eine Erleichterung“

„Wir geben unseren Kindern und Jugendlichen damit ein weiteres und wichtiges Stück Normalität zurück“, sagte die FDP-Politikerin. Sie bedankte sich bei den Schülerinnen und Schülern für ihren Beitrag, den sie zur Eindämmung der Pandemie und zum Schutz der Älteren geleistet haben. Lehrervertreter reagierten unterschiedlich auf die Entscheidung aus dem Schulministerium.

„Die Maske auf dem Sitzplatz abnehmen zu können, bedeutet ohne Zweifel eine Erleichterung. Allerdings gilt es, die Situation weiterhin genau zu beobachten. Denn das wichtigste Ziel muss sein, möglichst allen Schülerinnen und Schülern kontinuierlich Unterricht zu ermöglichen“, sagte der Landesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung NRW, Stefan Behlau.

Der NRW-Philologenverband, der die Gymnasiallehrer vertritt, nannte die Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt riskant. „Präsenzunterricht ist wichtig und notwendig. Und die Infektionszahlen steigen rasant. Experten warnen vor dem Fall der Maskenpflicht an Schulen. Es darf im Sinne der Schülerinnen und Schüler nicht wieder einen Herbst und Winter mit Distanz- und Wechselunterricht geben“, sagte die Vorsitzende Sabine Mistler. Das Ende der Maskenpflicht komme zu früh.

dpa