Lebensmittel

Online-Supermarkt Gorillas zieht sich aus vielen NRW-Städten zurück

Bochum, Dortmund, Gelsenkirchen: Der Online-Supermarkt Gorillas war auf Erfolgskurs. Jetzt sind fast alle Standorte im Ruhrgebiet geschlossen. Gerüchte über das Aus gab es schon länger.
Ein Mitarbeiter des Lebensmittel-Lieferdienstes Gorillas radelt durch die Straßen der Hauptstadt.
Der Lebensmittel-Lieferdienst Gorillas zieht sich aus dem Ruhrgebiet zurück. © picture alliance/dpa

Geschlossen – wer dieser Tage beim Online-Supermarkt Gorillas in Bochum seine Lebensmittel bestellen will, ist aufgeschmissen. Denn der Lieferdienst, der verspricht, Lebensmittel in nur 10 Minuten zum Kunden zu bringen, hat zu. Warum ist in der App nicht zu lesen.

Auch am Firmensitz selbst, mitten in der Bochumer Innenstadt, ist nichts über die Schließung zu erfahren. Es fällt nur auf, dass vor dem Gebäude keine Liefer-E-Räder mehr stehen. Sonst war dort reges Treiben zu beobachten, etwa zehn Fahrräder standen dort zur Auslieferung bereit, viele „Rider“ waren im Eiltempo mit Lieferrucksäcken zu den Kunden unterwegs.

Wo sonst Dutzende Liefer-Fahrräder standen, ist es menschenleer: Der Online-Supermarkt Gorillas in der Bochumer Innenstadt ist geschlossen. © Ann-Kathrin Gumpert

Doch Bochum ist kein Einzelfall. Auch aus Gelsenkirchen hat sich Gorillas komplett zurückgezogen. Nur ein Jahr lang hat der Online-Supermarkt dort überlebt. Wie die WAZ berichtet ist der Standort mit großem Lager schon Ende Juli geschlossen worden. Auch das Lager in Münster ist Vergangenheit. Gorillas zieht sich komplett aus der Region zurück.

Schon länger Gerüchte über das Aus von Gorillas

Denn auch in Dortmund sind die „Rider“ nicht mehr unterwegs. Am Standort unweit des Theaters in der City räumen Mitarbeiter zurzeit das Lager leer. Vor zwei Wochen seien alle Mitarbeiter entlassen worden. Gerüchte über das Ende der Firma habe es schon länger gegeben, berichtet ein Mitarbeiter.

Auf Anfrage berichtet Gorillas, dass man sich nun auf die profitabelsten Standorte konzentrieren wolle. So bleibt im Ruhrgebiet einzig der Standort in Essen erhalten.

Die Gorillas Operations Germany GmbH & Co KG, als Startup 2020 in Berlin gegründet, war als Lieferdienst zunächst Liebling der Investoren und hat eine rasante Expansionsstrategie verfolgt. Doch seit Monaten stecken die Gorillas massiv in der Krise, begleitet von Entlassungen und Schließungen in ganz Deutschland.

Im Mai 300 Verwaltungs-Mitarbeiter entlassen

Doch was sind die Gründe für das plötzliche Aus, wo doch alles so erfolgsversprechend begonnen hat? Das Startup hat massive finanzielle Probleme. Damit dem Unternehmen nicht das Geld ausgeht, wurden im Mai 300 Mitarbeiter in der Verwaltung entlassen, berichtet das Handelsblatt. Gorillas leidet demnach unter der hohen Inflation, Wirtschaftsabkühlung und Talfahrt von Technologiewerten und musste sich deswegen schon von seinem in der Corona-Krise gestarteten Expansionskurs verabschieden.

Versuche, große Supermarktketten als Partner zu gewinnen, seien bislang fehlgeschlagen. Bislang gibt es nur ein Lieferbündnis mit dem Bio-Supermarkt Alnatura. Wie es für die angeschlagene Kette weitergeht, ist unklar.

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