Sado-Maso-Nacht endete in Alptraum: "Ein kleiner Schnitt, dann bist du verblutet"

Gerichtsreporter
Das Foto zeigt Mutter und Tochter neben ihren Verteidigern Burkhard Benecken (hinten) und Markus Waclawek (vorne).
Mutter und Tochter gestanden die Tat, viel brachte es ihnen jedoch nicht. Sie müssen beide ins Gefängnis. © Jörn Hartwich
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Die 56-Jährige hatte extra neue Fesseln mitgebracht. Ihr Bekannter war ganz begeistert, freute sich auf eine ausgelassene Sado-Maso-Fetisch-Nacht. Was dann jedoch passierte, war ein Alptraum. Am Montag ist die Frau aus Gelsenkirchen verurteilt worden – zusammen mit ihrer 19-jährigen Tochter. Beide müssen ins Gefängnis.

Geschminkt und fotografiert

Es war der 22. Dezember letzten Jahres. Die 56-Jährige war gegen 21 Uhr in der Wohnung des späteren Opfers aufgetaucht. Kurz darauf konnte es auch schon losgehen. Der Mann ließ sich breitwillig ans Bett fesseln – mit ausgestreckten Armen und gespreizten Beinen.

Es war ein Spiel, dass die beiden schon viele Male gespielt hatten. Doch dann tauchte die Tochter auf und es wurde ernst.

Der Handwerkermeister aus Gelsenkirchen wurde verhöhnt, geschminkt und fotografiert, dann geschlagen, bedroht und erpresst.

Fesseln mit den Zähnen gelöst

Das Martyrium dauerte bis in die frühen Morgenstunden. Erst dann konnte sich der Mann doch noch selbst befreien. Ihm war es gelungen, eine der Klettverschluss-Fesseln mit den Zähnen zu lösen.

In der Zwischenzeit hatte die 56-Jährige die die Wohnung durchwühlt und sein Konto geplündert. Die Beute: rund 5000 Euro Bargeld.

Die Tochter hatte am Bett „Wache“ gehalten, mit einer Bierflasche in der Hand. „Wenn der frech wird, haue ich ihm die Flasche über den Kopf“, soll die 19-Jährige ihrer Mutter gesagt haben. Und direkt an das Opfer gewandt, soll dieser Satz gefallen sein: „Ein kleiner Schnitt, dann bist du in einer Minute verblutet und hast es hinter dir.“

„Einfach nur Angst“

Außerdem wurde mit einem Schlägertrupp aus dem Rockermilieu gedroht. „Der Mann hatte einfach Angst“, sagte Richter Volker Uhlenbrock bei der Urteilsbegründung.

Die 56-Jährige hatte den Handwerksmeister vor vielen Jahren in einer Kneipe kennengelernt. Sie und ihre Tochter waren offenbar mit die einzigen, die von seinem Frauenkleider- und Sado-Maso-Fetisch wussten.

Für dieser Geheimhaltung hatte er allerdings auch mächtig Geld springen lassen. Beim Urteil war von mehreren zehntausend Euro die Rede, die er der 56-Jährigen in den vergangenen Jahren schon hat zukommen lassen. Plus kostenlose Handwerkerarbeiten in deren Wohnung.

Vor einem Scherbenhaufen

Im Prozess hatten Mutter und Tochter Geständnisse abgelegt. Vor dem Gefängnis rettete sie das allerdings nicht. Die Strafen: vier Jahre und drei Monate Haft für die 56-Jährige, zwei Jahre und acht Monate Jugendhaft für die 19-Jährige.

„Wir wissen, dass sie vor einem Scherbenhaufen stehen“, so Richter Volker Uhlenbrock. An eine Bewährung – auf die vor allem die Tochter gehofft hatte – sei jedoch nicht zu denken gewesen. Dafür sei das, was passiert ist, einfach zu gravierend. Die Urteile lauten unter anderem auf erpresserischen Menschenraub, Raub und Körperverletzung.