Das Foto zeigt einen der Angeklagten zwischen den Verteidigern. © Jörn Hartwich
Landgericht Essen

Shell-Tankstellen: Blitzeinbrecher tricksen Nebelmaschinen von Alarmanlagen aus

Blitzeinbrecher hatten es in NRW auf Shell-Tankstellen mit Postbankfilialen abgesehen. Unter anderem waren sie in Bochum und Marl aktiv. Ihre Methode hat vor Gericht selbst die Richter verblüfft.

Die Angeklagten waren absolute Profis. Sie gehörten zu einer Bande, die es ausschließlich auf Shell-Tankstellen mit angeschlossenen Postbankfilialen abgesehen hatte – unter anderem in Bochum, Marl und Velbert. Am Mittwoch sind fünf der Täter verurteilt worden. Die Strafen: bis zu vier Jahre und zwei Monate Gefängnis.

Für die Blitzeinbrüche im Ruhrgebiet und in Ostwestfalen sind die Täter extra aus Berlin angereist. Dort lebten ihre Familien. Ihr zentraler Treffpunkt war eine Wohnung in Essen, wo sie Anfang des Jahres schließlich auch festgenommen worden waren.

Spezialwerkzeug der Feuerwehr genutzt

Für ihre Beutezüge brauchten sie immer nur wenige Minuten. Die Türen der Tankstellen wurden mit einem hydraulischen Spreizer geöffnet, der eigentlich nur von der Feuerwehr benutzt und gar nicht an Privatpersonen verkauft wird. Der Wert dieses Spezialwerkzeugs soll sich allein auf rund 10.000 Euro belaufen.

Zum Öffnen der Tresore wurde außerdem eine wuchtige Flex benutzt. Auch die zur Alarmanlage gehörenden Nebelmaschinen wurden offenbar problemlos ausgetrickst. Die Männer hatten einen langen Schlauch dabei, mit dem sie den Nebel einfach nach draußen geleitet haben.

Wirtschaftliche Not hat sie nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft nicht angetrieben. Eher schon die Aussicht auf schnell verdientes Geld. Und schnell waren die Angeklagten auf jeden Fall. Selbst ihre Fluchtautos waren hochmotorisiert.

Sammelaktion bringt Geld für Kautionen ein

Drei der fünf Männer hatten im Prozess alles versucht, um bis zum endgültigen Strafantritt zumindest vorübergehend aus der Haft entlassen zu werden und eine Weile bei Frauen und Kindern verbringen zu können. Und das am Ende auch mit Erfolg.

Dafür war im Hintergrund eine große Sammelaktion gestartet worden. Zwei der Verteidiger hatten am Montag insgesamt 22.000 Euro in bar dabei. Das Geld wurde bei Gericht eingezahlt und als Kaution hinterlegt. Der dritte hatte sich vor allem mit einem frühen Geständnis Pluspunkte erarbeitet. Seine Frau war zum Tag der Urteilsverkündung sogar extra aus Berlin angereist, weil sie gehofft hatte, ihren Mann erstmal wieder mit nach Hause nehmen zu können. Was dann auch geklappt hat.

Wurzeln der Angeklagten liegen im Ausland

Die Staatsanwältin hatte das kritisch gesehen. Sie hatte die vorübergehende Entlassung der drei Angeklagten aus dem Gefängnis abgelehnt. Alle fünf Männer hätten Wurzeln im Ausland, der Reiz, sich der Strafe durch Flucht zu entziehen, sei zu groß. Das sahen die Richter unter anderem auch wegen der hinterlegten Kaution allerdings anders.

Alle fünf Männer hatten im Prozess Geständnisse abgelegt. Zu erkennen waren sie auf den Überwachungsvideos der Tankstellen nicht gewesen.

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Gerichtsreporter

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