Die Entwicklung der Corona-Pandemie verläuft innerhalb Deutschlands extrem unterschiedlich. Jetzt zeigt sich, dass im Moment im Süden und Osten die Corona-Todesrate extrem hoch ist. © Foto: Piro4D auf Pixabay
Coronavirus

Tödliche Corona-Welle rollt über Deutschland: Todesrate ist riesig, aber regional verschieden

Die Zahl der Corona-Fälle in Deutschland steigt seit Wochen explosionsartig an. Jetzt zeigen aktuelle Daten die tödlichen Folgen. Die Todesfall-Inzidenz ist riesig, doch sehr unterschiedlich.

Die wirklichen Folgen von steigenden Infektionszahlen, wie wir sie seit Ende Oktober erleben, lassen sich erst jetzt, nach Wochen richtig abschätzen. Wie kritisch die Lage vor allem im Süden und Osten Deutschlands inzwischen geworden ist, zeigen die Ende vergangener Woche von der Bundeswehr aufgenommenen Verlegungsflüge von Intensivpatienten. Viele Kliniken im Süden und Osten sind aufgrund der gewaltigen Zahl an Patienten inzwischen hoffnungslos überbelegt und überfordert.

Diese Nachrichten lassen allerdings eher ahnen als wirklich wissen, wie schlimm die Lage tatsächlich ist und wie unterschiedlich sich die Situation in den Bundesländern darstellt. Wir haben uns, um ein genaues Bild der Lage zu erhalten, dazu die aktuellen Daten des Robert-Koch-Instituts zu verschiedenen Faktoren der Pandemie angesehen. Das Ergebnis ist für viele Bundesländer niederschmetternd.

Am Ende ist der denkbar schlimmste Ausgang einer Corona-Infektion der Tod. Daher ist dieser Faktor extrem wichtig, um die Gefährlichkeit der Situation abschätzen zu können. Das Robert-Koch-Institut bietet dazu den Wert der „Todesfall-Inzidenz“ an. Er gibt Antwort auf die Frage: Wie viele Menschen sind in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner an oder mit einer Corona-Infektion gestorben?

Deutschlandweit liegt der aktuelle Wert bei 2,19. Für Nordrhein-Westfalen beträgt der Wert 1,27, ist also noch bedeutend besser. Es gibt aber Bundesländer, da ist die Corona-Todesrate um ein Vielfaches höher. Absoluter Spitzenreiter mit einem Wert von 6,65 ist derzeit Thüringen, gefolgt von Sachsen (6,33), Sachsen-Anhalt (4,22) und Bayern (3,52). Es ist geradezu eine tödliche Corona-Welle, die in diesen Wochen durch diese Bundesländer rollt.

Und es scheint, als würde dieser Trend sich weiter verstärken, denn auch die messbaren Daten aus den Kliniken spiegeln eine katastrophale Situation wider und lassen für die Zukunft nichts Gutes erahnen. Dabei sind zwei Werte entscheidend. Der erste ist die Hospitalisierungs-Inzidenz. Dahinter verbirgt sich die Zahl der mit einer Covid-19-Infektion in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner in ein Krankenhaus eingelieferten Patienten.

Die neuen Schwellenwerte und wer sie überschreitet

Dieser Wert, so wurde im November beschlossen, soll ja künftig der Richtwert sein, um an ihn die Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus auszurichten. Dabei gibt es drei Schwellenwerte (3, 6 und 9), ab denen jeweils härtere Schritte erfolgen.

Deutschlandweit liegt die Hospitalisierungs-Inzidenz jetzt bei 5,61. Aber auch hier sind die Zahlen aus mehreren südlichen und östlichen Bundesländern sehr, sehr schlecht. Den schlimmsten Wert weist erneut Thüringen mit 21,55 auf, gefolgt von Sachsen-Anhalt (10,5), Mecklenburg-Vorpommern (8,63) und Bayern (8,1). Nordrhein-Westfalen steht auch bei diesem Wert mit 4,14 noch verhältnismäßig gut da.

Was diese Werte ganz konkret im Alltag bedeuten, lässt sich an einem anderen Wert ablesen. Dabei geht es um die Frage, wie hoch der Anteil an den verfügbaren Intensivbetten ist, der von Covid-19-Patientinnen und Patienten belegt ist. Bundesweit sind das momentan 20,8 Prozent.

Den schlimmsten Wert in dieser Kategorie weist Sachsen mit 40,89 Prozent auf. Allerdings sind auch die Werte von Thüringen (33,12), Bayern (32,76) und Baden-Württemberg (27,72) extrem hoch. Für NRW liegt der Wert aktuell bei 13,02. Das ist nach Schleswig-Holstein (8,51) und Hamburg (12,77) die derzeit niedrigste Quote. Allein deshalb kann NRW aktuell noch Covid-Patientinnen und -Patienten aus den Niederlanden sowie aus Süd- und Ostdeutschland aufnehmen.

Eine weitere Verschärfung der Lage zeichnet sich ab

Besonders dramatisch an den oben aufgeführten Fakten ist, dass sich in diesen Bereichen eine weitere Verschärfung der Lage abzeichnet, denn: Mit Ausnahme von Bayern, wo die inzwischen dort geltenden verschärften Maßnahmen zu greifen scheinen, steigen ausgerechnet in den Bundesländern mit den höchsten Fallzahlen die 7-Tages-Inzidenzen am stärksten.

Das sind in Deutschland derzeit Sachsen (1.209,4, ein Plus innerhalb einer Woche von 273,63), Thüringen (962,5, plus 240,87), Brandenburg (722,4, plus 102,13) und Sachsen-Anhalt (692,4, plus 75,99). Wenn die Fallzahlen steigen, führt das innerhalb von ein, zwei Wochen nahezu zwangsläufig zu steigenden Zahlen in den Kliniken und einem Anstieg der Todesfälle.

Deutschlandweit liegt die Inzidenz Stand 1. Dezember bei 442,9, wobei das 38,4 Punkte mehr als in der Vorwoche sind. Hier hat sich der Anstieg abgeschwächt. NRW liegt bei 289,1 (plus 39,37).

Die Ursache für die unterschiedliche Entwicklung

Wer die Ursache für die sehr unterschiedliche Entwicklung der Corona-Pandemie innerhalb Deutschlands sucht, der kommt an der Erkenntnis nicht vorbei, dass die Impfquote einen entscheidende Rolle spielt. Die Corona-Schutzimpfungen schützen sehr gut vor einer Infektion mit dem Coronavirus und ganz besonders vor einem schweren Verlauf und dem Tod durch diese Erkrankung.

Deshalb ist es vollkommen logisch, dass dort, wo die Impfquote niedrig ist, die Probleme mit steigenden Zahlen in allen Bereichen am größten sind. Und das gilt prinzipiell auch umgekehrt: hohe Impfquote, weniger Probleme.

So ist es wenig überraschend, dass Sachsen (58,2) bundesweit die niedrigste Quote an vollständig Geimpften an der Gesamtbevölkerung hat. Ebenfalls niedrig sind die Quoten in Brandenburg (62,2), Thüringen (62,7), Sachsen-Anhalt (65,1), Baden-Württemberg (66,8) und Bayern (66,9). In NRW liegt die Quote der vollständig Geimpften derzeit bei 71,8, bundesweit bei 68,6.

Über den Autor
Redakteur
Ulrich Breulmann, Jahrgang 1962, ist Diplom-Theologe. Nach seinem Volontariat arbeitete er zunächst sechseinhalb Jahre in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten, bevor er als Redaktionsleiter in verschiedenen Städten des Münsterlandes und in Dortmund eingesetzt war. Seit Dezember 2019 ist er als Investigativ-Reporter im Einsatz.
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