Wetter

Tornados, 43 Verletzte und „Schneise der Verwüstung“: Teile von NRW stark von Unwetter betroffen

Kaputte Dächer, überall Zerstörungen in der Stadt: Teile von NRW wurden von Orkantief „Emmelinde“ und insgesamt drei Tornados massiv getroffen. In Paderborn gibt es über 40 Verletzte.
Eine Anwohnerin schaut aus einem der zerbrochenen Fenster ihrer Wohnung. Ein Unwetter hat auch in Paderborn große Schäden angerichtet. © picture alliance/dpa

40 Verletzte, Millionenschäden und überall Zerstörungen in der Stadt: Das heftige Unwetter mit Starkregen und drei vom Deutschen Wetterdienst bestätigten Tornados hat am Freitag (20.5.) in Paderborn und Lippstadt für Entsetzen gesorgt. Nach dem Unwetter schaufelten geschockte Mieter in Paderborn am Abend Ziegel ihrer zerstörten Dächer in Mülltonnen. In einem Gewerbegebiet seien Dächer von Hallen abgerissen worden und Bleche und Dämmung kilometerweit geflogen, berichtete die Polizei.

Am stärksten betroffen ist die Stadt Paderborn, in der nach Angaben der Polizei 43 Menschen verletzt worden sind. Einige darunter schwer, sagte ein Polizeisprecher am Samstagmorgen der Deutschen Presse-Agentur. „Hier ist gerade Chaos“, sagte eine Polizeisprecherin am frühen Freitagabend. Eine Windhose habe „eine Schneise der Verwüstung von West nach Ost mitten durch Paderborn gezogen“. Menschen seien unter anderem von Dachziegeln getroffen und durch umstürzende Bäume verletzt worden, hieß es. Tote gab es nach ersten Erkenntnissen der Einsatzkräfte nicht.

Umfangreiche Aufräumarbeiten nach dem Sturm

In Paderborn stehen nach Angaben der Polizei umfangreiche Aufräumarbeiten an. Lose Dachziegel, umgestürzte Baugerüste und heruntergefallene Äste, die in Fenster gekracht seien – so beschrieb ein Polizeisprecher die Schäden in Paderborn. In einem Gewerbegebiet der Stadt habe es größere Gebäudeschäden gegeben. Ein Sprecher der Feuerwehr von Paderborn wollte sich am Samstagmorgen zunächst noch nicht zum aktuellen Stand äußern und verwies auf eine kurzfristig geplante Pressekonferenz der Behörden am Vormittag.

Im 35 Kilometer entfernten Lippstadt zerstörte ein Tornado ebenfalls zahlreiche Dächer im gesamten Stadtgebiet, wie ein Feuerwehrsprecher mitteilte. Dort waren zunächst keine Verletzten bekannt. Herabfallende Dachziegel oder Äste seien aber auch nach dem Unwetter brandgefährlich, warnte der Kreis Soest. Menschen sollten sich nicht im Freien aufhalten und das Autofahren vermeiden. Der Kreis rief eine Großeinsatzlage aus.

Laut Bürgermeister Arne Moritz (CDU) sind die Aufräumarbeiten bei großer Hilfsbereitschaft weiterhin in vollem Gang. „Uns erreichen unendlich viele Beispiele gegenseitiger Hilfe, Unterstützung und tätiger Solidarität! Allen Lippstädterinnen und Lippstädtern vielen Dank dafür!“, schrieb er auf Facebook am Samstag. Nach wie vor sei der Aufenthalt in der Innenstadt gefährlich. „Katastrophentourismus behindert Rettungskräfte und Aufräumarbeiten. Bitte bleiben Sie da, wo Sie sind!“, appellierte der Bürgermeister.

Kirche in Lippstadt wird zerstört

In beiden Städten platzten Fensterscheiben, Autos wurden durch herabfallende Äste zerstört. Teils seien die Bäume schon am Stamm umgeknickt, berichtete die Gemeinde Altenbeken bei Paderborn – wie von der Hand eines Riesen getroffen.

Im Lippstadter Ortsteil Hellinghausen stürzte durch den Sturm die Spitze der St. Clemenskirche zu Boden und wurde zerstört. Rund 400 Kräfte waren im gesamten Stadtgebiet am Freitagabend im Einsatz. In Paderborn fiel eine Dachlatte von einem Dach und bohrte sich in die Windschutzscheibe eines geparkten Autos.

Die Kirchenspitze von Katholische Kirche St. Clemens in Hellinghausen bei Lippstadt wird komplett zerstört und liegt vor der Kirche. © picture alliance/dpa

Ein Sprecher des NRW-Innenministeriums sagte, neben Paderborn und Lippstadt seien keine weiteren Orte bekannt, die es ähnlich getroffen habe.

Nahverkehr durch Unwetter beeinträchtigt

Wegen Ästen und Bäumen auf den Gleisen musste die Bahnstrecke zwischen Paderborn und Altenbeken gesperrt werden. Betroffen seien der Regional- und Fernverkehr, Züge würden umgeleitet, sagte ein Bahnsprecher. Wegen des Unwetters war am Freitag auch in anderen Teilen von NRW der Zugverkehr beeinträchtigt.

Hilfsorganisationen sowie Drohnen seien in Lippstadt im Einsatz, teilte der Kreis Soest mit. Es gebe noch „unzählige“ offene Einsatzstellen im Stadtgebiet. Im Lippstadter Freizeitbad Cabrioli wurden zeitweise etwa 120 Badegäste eingeschlossen, weil umgestürzte Bäume den Eingang blockierten. Später seien die Eingeschlossenen befreit worden, berichtete die Feuerwehr.

Die drei bestätigten Tornados hätten sich in Zusammenhang mit besonders kräftigen Gewittern gebildet, erläuterte ein DWD-Sprecher. Sie seien kleinräumig aufgetreten. Zu den Windgeschwindigkeiten machte er noch keine Angaben. Es habe auch Niederschläge von teilweise 30 bis 40 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit während der Unwetter am Freitagnachmittag und -abend gegeben. Die Gewitter seien aber relativ schnell durchgezogen. An manchen Stellen ist nach Auskunft des DWD auch Hagel während der Unwetter niedergegangen.

Der Sturm war seit dem Nachmittag von Westen kommend über Nordrhein-Westfalen gezogen.

Keine Verletzten in Höxter

Bei dem Tornado am Freitag in Höxter hat es nach Auskunft der Polizei Sachschäden, aber keine Verletzten gegeben. „Verletzte sind im Moment nicht bekannt“, sagte ein Sprecher der Polizei am Samstagnachmittag. In relativ kurzen Zeitraum habe der Tornado am Freitag Bäume umgestürzt und Dächer abgedeckt. Nicht nur in Lütmarsen seien Sachschäden entstanden, auch in Ovenhausen habe es Schäden bei dem Unwetter gegeben. Beides sind Ortsteile der Stadt Höxter im äußersten Osten von Nordrhein-Westfalen.

dpa

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