Wandern mit Kind kann für alle ziemlich anstrengend und unangenehm werden - oder mit der richtigen Vorbereitung auch total super. © Alberto Casetta
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Wandern mit Kindern im Ruhrgebiet: So macht es den Kleinen & Großen Spaß

„Wie weit denn noch?“. Wanderlustige Eltern möchten ihren Nachwuchs gerne fürs eigene Hobby begeistern. Doch es lauern ein paar Anfängerfehler. Wir haben Tipps für Routen und zur Vorbereitung.

Kindertaugliche Routen in der Region sind das eine – Tipps, wie der Funke überspringen kann aber das andere. Wäre doch schade, wenn die neuen Wanderstiefel gleich wieder in der Ecke landen, oder? 5 Tipps vorab:

Kurze Strecken, langsames Lauftempo

Gerade wenn man als Familie mit dem Wandern anfängt, sollten die Strecken kurz sein, um Kinderfüße nicht zu überfordern. Die grobe Faustregel des Deutschen Wanderverbands lautet: Lebensalter mal 1,5. Ein Sechsjähriger schafft also rund neun Kilometer, ein Achtjähriger schon zwölf.

Geht es viel bergauf und bergab, muss das ebenfalls eingerechnet werden. Pro hundert Höhenmeter schlägt man einen Streckenkilometer drauf. Außerdem zu beachten: Das Lauftempo richtet sich nach dem schwächsten Mitglied, also in der Regel nach dem Jüngsten in der Gruppe.

Abwechslungsreiche Routen, Spielspaß unterwegs

Kinder brauchen Gefilde, die ihre Fantasie anregen: Ein Bach zum Staudamm-Bauen oder ein sandiger Weg zum Barfuss-Laufen kommt da genauso gelegen wie ein Wildgehege, an dem man Schweine beobachten oder Rehe füttern kann. Wenn dann noch zwischendurch kleine Aufgaben warten, hat man die kleinen Racker schnell auf seiner Seite.

Anregungen gefällig? Mögliche Aufgaben könnten sein: Wer baut den höchsten Kieselturm? Wer erspäht den ersten Buntspecht? Zu welchem Baum gehören diese Zapfen, Früchte, Blätter? Einen eigenen Wanderstock schnitzen ist auch toll! Oder: Zehn verschiedene Insektenarten finden und fotografieren. In größeren Gruppen bringen solche Aktivitäten besonderen Spaß.

Neben dem Wandern sollten kleine Einlagen mit Spiel und Abenteuer nicht fehlen. © Ksenia Makagonova © Ksenia Makagonova

Viel Proviant, viele Pausen

Genügend Verschnaufpausen einplanen! Ein Picknick mit kleingeschnittenem Obst und Gemüse, Mini-Muffins oder der guten alten Stulle hält die Motivation aufrecht. Gerade bei warmem Wetter sind außerdem regelmäßige Trinkpausen wichtig. Also hier nicht am Gewicht sparen, sondern genug Flüssiges einpacken.

Verantwortung übertragen

Wer an seinen ersten Schultag zurückdenkt, erinnert sich bestimmt noch daran, mit wie viel Stolz er Schultüte und Tornister getragen hat. Kinder wollen gerne Verantwortung übernehmen. Deshalb sollte jedes Kind einen kleinen Rucksack bekommen, in dem neben Proviant auch Dinge wie Fernglas, Lupe oder Taschenmesser Platz finden. So fühlen sie sich als ebenbürtiges Mitglied der Gruppe.

Jeder darf auf der Wanderung eine andere Aufgabe übernehmen: Der Erste wird Vogel-Entdecker, der Zweite Wanderstock-Finder und wer schon gut lesen kann, wird „Informant“ und liest Tafeln oder Details aus dem Wanderführer vor.

Viele Kinder haben Lust zu wandern, solange sie nicht nur einfach mitlaufen müssen. © Annie Spratt © Annie Spratt

Wettergemäße Kleidung und Sonnenschutz

Ein letzter Tipp, der nicht nur für die Familienwanderung, sondern allgemein fürs Wandern essentiell ist: Die richtige Kleidung. Nichts ist schlimmer, als sich ohne jeglichen Schutz durch die sengende Sonne zu quälen. Hilfreiche Wanderbegleiter sind Sonnenbrille, Hut mit breiter Krempe oder Kappe sowie lange luftige Kleidung oder ausreichend Sonnencreme, die regelmäßig neu aufgetragen werden muss.

Gleiches gilt natürlich auch für Regenwetter. Sind die Schuhe imprägniert? Liegt die Regenjacke griffbereit im Rucksack, falls es zu tröpfeln anfängt? Es schadet außerdem nie, einen Wetterwechsel einzuplanen und entsprechend mit einem Lagen-Look aus dünner Jacke, Fleeceweste und T-Shirt vorzusorgen.

Na, von welchem Baum stammt dieses Blatt? © Gabby Orcutt © Gabby Orcutt

Und nun – 5 Routen im Pott:
Westruper Heide | Haltern am See

Gleich vier Themenrouten mit einer Länge von je rund drei Kilometern durchziehen die Westruper Heide. Dieses Kleinod auf der Grenze zum Münsterland punktet mit sandigen Dünenlandschaften, Kiefernduft und dem tiefblauen Halterner Stausee.

Erkundet werden können die Bienen-Route, die Naturerlebnis-Route, die Heide-Wald-Route sowie die Dünen-Route. Perfekt für einen lehrreichen Tagesausflug, vor allem, wenn Mitte August die Heide blüht.

Aber Obacht, mit Buggy sollten die rollstuhlgerechten Wege nicht verlassen werden, andernfalls bleibt man mit den Rädern im Sand stecken. Weiterer Wandervorschlag des Kreises Recklinghausen: „Vom Seeufer zur Wacholderheide“

Westruper Heide , vier Rundwege je rund 3 km, 1,5 Stunden, Schwierigkeitsgrad: leicht, nur teilweise für Kinderwagen geeignet, Startpunkt: Südparkplatz an der Hullerner Straße, Haltern am See

Westruper Heide, Haltern am See © Lina Niermann © Lina Niermann

Naturpfad Langeloh | Castrop-Rauxel

Auch inmitten der Ballungsräume Herne, Castrop-Rauxel und Bochum lässt sich so manches Idyll entdecken. Wie etwa das Naturschutzgebiet Langeloh, in dem sich seltene Tier- und Pflanzenarten dank des feucht-kühlen Klimas pudelwohl fühlen.

Verantwortlich dafür ist neben dem Roßbach auch der alte Buchenbestand, der die Ufer beschattet. Entlang des Naturpfades (gelbe Markierung) lässt sich einiges über Riesenschachtelhalm, Renaturierung und Totholz als Lebensraum lernen.

Insgesamt 15 Stationen sind mit Pfosten markiert. Wichtig: Vorab unbedingt diese Begleitbroschüre herunterladen, die die Stadt Castrop-Rauxel anbietet, denn es existieren keine Infotafeln. Kleiner Wermutstropfen: Die Strecke ist auch bei Hundebesitzern sehr beliebt, die leider nicht immer die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner beseitigen.

Naturpfad Langeloh, Rundweg, 4,7 km, 2 Stunden, Schwierigkeitsgrad: leicht, nicht für Kinderwagen geeignet, Startpunkt: Wanderparkplatz Bochumer Straße, Castrop-Rauxel

Naherholungsgebiet Hohenstein | Witten

Der Wittener Hohenstein ist ein am Wochenende gut besuchtes Ausflugsziel. Neben einem Wildgehege mit Streichelzoo und dem Hammerteich locken auch die Grill- und Spielplätze vor allem Familien an. Drei anfängerfreundliche Rundtouren (A1, A2, A3) führen durchs Naherholungsgebiet.

Die Waldwege sind teils unbefestigt, aber gut zu begehen. Für eine anspruchsvolle Familienrunde eignet sich der 13,5 Kilometer lange und mit einem Dreieck ausgezeichnete Weg „Drei Türme“. Am Berger-Denkmal angekommen, habt ihr außerdem einen traumhaften Blick übers Ruhrtal.

Naherholungsgebiet Hohenstein , Vier Rundwege zwischen 2,75-13,5 km, 1-4 Stunden, Schwierigkeitsgrad: leicht bis anspruchsvoll, teils kinderwagentauglich, Mögliche Startpunkte: Wanderparkplätze Hammerteich, Hohenstein oder Kohlensiepen, Witten

Blick über die Ruhr © Lina Niermann © Lina Niermann

Naturpfad Kaiserberg | Duisburg

Ein weißer Kreis auf schwarzem Grund markiert den zehn Kilometer langen Naturpfad Kaiserberg in Duisburg. Gestartet wird an der Mülheimer Straße gegenüber vom Zoo. Der Weg durch den Duisburger Stadtwald verläuft zu Beginn überwiegend flach, im Verlauf müssen jedoch mehrere An- und Abstiege überwunden werden.

Dabei kreuzt man Bahntrassen, Bachläufe und einen alten Steinbruch, in dem bis 1874 Grauwacken-Sandstein abgebaut wurde. Heute erinnert ein kleiner Weiher mit steilen, stark überwucherten Uferwänden an diese Vergangenheit. Ein Höhepunkt der Strecke ist das Wildschweingehege in der Nähe der Quelle „Heiliger Brunnen“.

Naturpfad Kaiserberg , Rundweg, 10 km, 3 Stunden, Schwierigkeitsgrad: mittel, k. A. zur Kinderwagentauglichkeit, Startpunkt: Mülheimer Straße, gegenüber vom Duisburger Zoo

Baldeneysteig | Essen

Der Baldeneysteig ist mit einer Gesamtlänge von 26,7 Kilometern und 600 Höhenmetern wahrlich nichts für Anfänger und schon gar nichts für eine gemütliche Familienwanderung. Zum Glück lässt er sich aber hervorragend in Teilstücke gliedern. Besonders empfehlenswert ist das südliche Teilstück zwischen Kupferdreh und Werden. Hier wechseln sich moosiger Wald, satte Wiesen und leuchtende Felder ab. Die steilen An- und Abstiege werden mit Panoramablicken über den Baldeneysee belohnt.

An den Bauernhöfen in Fischlaken können die Kids nicht nur Gänse, sondern auch Alpakas bestaunen. Wer am Ende noch Energie übrig hat, steigt in Werden nicht direkt in die S-Bahn, sondern schaut beim Wildgatter Heissiwald vorbei. Eine Strecke für wandererfahrene Familien mit älteren Kindern.

Baldeneysteig (südliches Teilstück Kupferdreh – Werden), Streckenwanderung, rund 13 km, 4-4,5 Stunden, Schwierigkeitsgrad: anspruchsvoll, für Kinderwagen nicht geeignet, Startpunkt: S-Bahn-Haltestelle Essen-Kupferdreh, Zielpunkt: S-Bahn-Haltestelle Essen-Werden

Baldeneysee, Essen © Thea Jungnickel © Thea Jungnickel
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