1:3-Niederlage - im Kölner Keller wird Schalke der Zahn gezogen

freier Mitarbeiter
Kein seltenes Bild am Sonntag in Köln: Schiedsrichter Robert Schröder schaut sich eine Szene am Video-Monitor an. Das Spiel wurde deutlich und nicht gerade zugunsten von Schalke vom Video-Assistenten beeinflusst. © Tim Rehbein/RHR-FOTO
Lesezeit

Köln gegen Schalke, der West-Klassiker zum Abschluss des ersten Bundesliga-Spieltages der Saison 2022/23: Kein Wunder, dass die Stimmung im RheinEnergie-Stadion prächtig war.

Alle Augen waren vor Spielbeginn auf die Torjäger beider Mannschaften gerichtet: Anthony Modeste gehörte wegen seines bevorstehenden Wechsels zu Borussia Dortmund schon gar nicht mehr zum Kader, Simon Terodde saß bei Schalke wenigstens auf der Bank – beim Pokalspiel beim Bremer SV hatte er wegen muskulärer Probleme also gefehlt.

Hauptrolle für den VAR

Vorteil Schalke also? Hat der BVB den Blau-Weißen damit unfreiwillig einen Dienst erwiesen? Tatsächlich trat der Aufsteiger mit der gleichen Aufstellung wie in der ersten Pokalrunde sehr selbstbewusst auf – und hatte auch den ersten Grund zum Jubel. Aber ein Tor von Rodrigo Zalazar wurde nach Überprüfung im (ausgerechnet) „Kölner Keller“ wegen einer Abseitsstellung von Maya Yoshida aberkannt. Es sollte nicht die einzige Intervention des VAR bleiben, die Schalke nicht gerade zum Vorteil gereichte.

In der 35. Minute „erwischte“ es Dominick Drexler. Er hatte Kölns Jonas Hector an der rechten Wade getroffen, ein Foul zweifellos – und nach VAR-Überprüfung auch Anlass für eine Rote Karte, die Schiedsrichter Robert Schröder aus Hannover dem Ex-Kölner zeigte.

Drexler sieht „Rot“

Schalke also in Unterzahl – die Rote Karte war quasi der Höhepunkt eines turbulenten und spannenden, aber auch sehr hektischen Schlagabtauschs, bei dem S04-Torhüter Alexander Schwolow in der 24. Minute seinen großen Moment hatte, als er eine Großchance durch Florian Dietz vereitelte.

Schalke bewegte sich bis dahin absolut auf Augenhöhe – nach dem Platzverweis war aber klar, dass das Hauptaugenmerk darauf gerichtet sein mussste, irgendwie „die Null“ zu halten.

Zwei Tore durch Kilian

Dieses Vorhaben ging aber nur bis zur 49. Minute auf. Nach einer Kölner Ecken-Variante erzielte Luca Kilian die 1:0-Führung für die Gastgeber, die nun eindeutig am Drücker waren.

Schalke war bemüht, nicht die Struktur zu verlieren, Trainer Frank Kramer wechselte Marius Bülter für Rodrigo Zalazar ein. Aber dann übernahm gleich wieder der „Kölner Keller“ um den Video-Assistenten Sören Storks.

„Gelb“ für Schröder

Nach einer unübersichtlichen Situation im Schalker Strafraum hatte Robert Schröder ein Kölner Tor aberkannt. Abseits oder Behinderung von Schwolow wären Gründe gewesen. Aber: Bei der Überprüfung im „Kölner Keller“ stellte sich dann offenbar heraus, dass Schwolow von Yoshida behindert worden war und kein Kölner im Abseits stand. Das Tor, das wieder Kilian erzielt hatte, zählte also – 2:0 für Köln (64.).

Kritik von Uth und Ballack

Bei den tapferen Schalker war die Stimmung nun – pardon – im Keller. Der aufgebrachte Sportdirektor Rouven Schröder sah die Gelbe Karte, weil er protestiert hatte. Selbst nach Meinung neutraler Beobachter nicht ohne Grund: DAZN-Experte Michael Ballack sah bei Drexlers Foul maximal „Gelb“ und kein Rot. Und sogar der Ex-Schalker Mark Uth, der den Kölnern verletzt fehlte, gab zu, dass das Tor durch Zalazar auch ohne Sichtbehinderung unhaltbar gewesen wäre.

Aber Schalke steckte nicht auf: Marius Bülter gelang in der 76. Minute der 1:2-Anschlusstreffer – das ist der Stoff, aus dem im Idealfall Aufholjagden gemacht werden. Aber nicht am Sonntag in Köln: Ein Kopfball von Dejan Ljubicic landete am Pfosten, von da prallte er an Schwolows Hacke, von da zum 3:1 ins Tor (80.). Offiziell ein Eigentor des Schalker Torhüters.

Tapfer bis zum Schluss

Nun war die Messe in der Domstadt gelesen, tapfere Schalker, die durch Bülter sogar noch einen Pfostenschuss verbuchen konnten, mussten sich geschlagen geben. Eine unglückliche Auftaktniederlage, bei der die Leistung aber keinen Anlass bot, die Köpfe nachhaltig hängen zu lassen.