Schalke schickte zuletzt einen Trainingsspion nach Darmstadt, der umgehend enttarnt wurde. (Symbolbild) © picture alliance
Schalke-Kolumne

Agent 004 – Schalkes verpatzte Geheimmissionen

Schalke schickt Spione zum Gegner. Die Episode reiht sich ein in eine Liste von vermaledeiten Geheimmissionen des S04. Die eigenen Schwächen sind hingegen offenkundig.

In der vergangenen Woche schickte Schalke einen Spion zum Training des kommenden Gegners Darmstadt 98. Der Mitarbeiter wurde allerdings schnell enttarnt, berichtete Darmstadts Trainer Torsten Lieberknecht, weil sich dieser auffällig verhielt und die Einheit filmte.

„Bestell einen schönen Gruß nach Schalke“, gab ihm Lieberknecht mit und schlussfolgerte: „Ein Spion wird der nicht mehr.“ Wahrscheinlich hätte sich der S04-Abgesandte nur noch auffälliger verhalten, wenn er eine Kameradrohne hätte steigen lassen oder gerufen hätte: „Ohne Schalke wär hier gar nichts los.“

Schalke hatte schon immer die „Lizenz zum Tröten“

Das war natürlich nur eine lustige Episode, aber sie reihte sich ein in eine Liste von vermaledeiten Geheimmissionen des S04. Der Klub hat schließlich schon immer die „Lizenz zum Tröten“. Als Manager Rudi Assauer 1996 den späteren Jahrhunderttrainer Huub Stevens verpflichten wollte, empfahl der Coach ein geheimes Treffen an einem Rastplatz in den Niederlanden. Keiner sollte davon Wind bekommen – was Assauer torpedierte, indem er mit dickem S04-Logo auf noch dickerem Wagen hupend zum Treffpunkt erschien.

Und wo wir gerade bei Jahrhundertakteuren der Schalker sind: Der beste Torschütze der Vereinsgeschichte Klaus Fischer wurde 1970 in geheimer Mission in seinem Wohnzimmer vom Wechsel nach Gelsenkirchen überzeugt. Der Schalker Vorstand besuchte Fischer in dessen Heimatort Zwiesel – doch während des Gesprächs klingelten die Verantwortlichen von Fischers damaligem Verein 1860 München. Die Schalker flohen aus dem Klofenster, sprangen draußen in den meterhohen Schnee und warteten dort, bis die Sechzger gegangen waren.

Bei den Gesprächen mit einem gewissen Oliver Kahn verhielten sich die Beteiligten überhaupt nicht diskret. Als der „Titan“ 2008 nach Rheda-Wiedenbrück zu Verhandlungen vorbeikam, saß die „Bild“-Zeitung mit einem Live-Ticker bereits in der Hecke. Es schien fast, als hätte Verhandlungsführer Clemens Tönnies einen besonderen Draht zum Boulevard. Komisch. Tönnies verkündete im Blatt dann auch gleich: „Die Wahrscheinlichkeit, dass Kahn neuer Manager auf Schalke wird, ist hoch.“ War sie dann aber doch nicht – Kahn sagte hinterher ab und Schalke stand reichlich belämmert da.

Die Gegner brauchen derzeit keine Spione

Diese Umschreibung bringt uns zurück zur aktuellen Schalker Lage. Die Gegner müssen derzeit gar keinen Spion vorbeischicken, um die Schwächen des Teams zu erkennen. Die Darmstädter schauten sich beim Rührei-Frühstück vor dem Spiel zusammen Videos der Spiele an und wussten: Gegen Schalke muss man Thomas Ouwejan zustellen, indem der Sechser mit nach außen rückt und doppelt.

Kurz hinter der Mittellinie kann man den Schalkern den Ball überlassen, weil deren Mittelfeld ideenlos agiert. Mit schnellen Pässen in die Tiefe nach Ballgewinnen lässt sich dann Schalkes Abwehrkette aushebeln, die in der Rückwärtsbewegung erhebliche Probleme offenbart. Zudem muss eine Mannschaft noch Simon Terodde weitestgehend aus dem Spiel nehmen und warten, bis sich Marius Bülter müde gelaufen hat.

Das war’s. Mehr braucht es nicht, um Schalke zu schlagen. In der Länderspielpause bleibt den S04-Verantwortlichen nun reichlich Zeit, sich eine bessere Tarnung zu überlegen – oder eine Mission mit neuen Agenten zu starten.

Über den Autor
Freier Journalist
Wuchs im Ruhrgebiet auf, studierte in Münster und arbeitete dann in Berlin zehn Jahre beim „Tagesspiegel“ und für „11Freunde“. Sein größtes berufliches Ziel bleibt ein ausführliches Interview mit Jiri Nemec. Hier schreibt der freie Journalist wöchentlich über Schalke 04.
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