Drei minus zwei ist eins: Nur Suat Serdar (Mitte) spielt von diesem Trio (wahrscheinlich) auch in der kommenden Saison auf Schalke. Daniel Caligiuri (l.) und Weston McKennie spielen dann für den FC Augsburg bzw. für Juventus Turin. © Rabas
Kommentar

Aus der Not geboren: Warum der McKennie-Deal zwei Seiten hat

Schalke winkt zwar in einem Jahr eine üppige Einnahme. Aber ganz freiwillig haben die Königsblauen ihren Jung-Star nicht ziehen lassen. Damit geht der zweite verlässliche Mittelfeldspieler.

Endlich, könnte man aufatmen. Endlich kann Schalke hinter die Personalie Weston McKennie einen Haken machen. Was da in den letzten Wochen in der Gerüchteküche alles so produziert wurde, war am Ende zäh wie Kaugummi. Hertha BSC Berlin, ein Premiere-League-Klub nach dem anderen – nun hat Juventus Turin Fakten geschaffen. Läuft alles wie geplant, winkt Schalke in einem Jahr eine fette Einnahme, auf Sicht kann das gesamte Transfer-Paket den Königsblauen insgesamt sogar eine Einnahme in Höhe von 30 Millionen Euro einbringen.

Goldschmiede Knappenschmiede

Alles in Butter also? Die Knappenschmiede hat nach den Verkäufen von Manuel Neuer, Julian Draxler, Leroy Sané und Thilo Kehrer ihren Ruf als einnahmeträchtige Goldschmiede bestätigt, sofern McKennie in einem Jahr tatsächlich fest verpflichtet wird – dennoch ist dieses aktuelle Geschäft ein zweischneidiges Schwert. Denn der Unterschied zu den erwähnten anderen Transfers ist der: Schalke hatte im Prinzip keine andere Wahl, als Weston McKennie gehen zu lassen.

Sportvorstand Jochen Schneider hat zugegeben, dass der Wechsel von Weston McKennie auch der wirtschaftlichen Situation des Vereins geschuldet sei – wer die Dinge nun gerne ein bisschen schwärzer sieht, könnte glatt von einem Not-Verkauf sprechen. Schalke braucht das Geld, um endlich selbst einen Chip in den Einkaufswagen stecken zu können, um sich in den Regalen des Transfermarktes umzuschauen. Für die oberen Etagen wird es für Schalke dennoch weiter heißen: Nur gucken, nicht anfassen. Die Feinkost-Abteilung bleibt wohl tabu – es sei denn, Großverdiener wie Sead Kolasinac, den Schalke gern ausleihen würde, nehmen einen bislang kaum für möglich gehaltenen Gehaltsverzicht in Kauf.



Der Klub-Situation geschuldet

Sportvorstand Jochen Schneider und Kaderplaner Michael Reschke werden ihre ganze Fantasie und ihr komplettes Netzwerk benötigen, um den Fans schmackhafte und nahrhafte Hausmannskost zu servieren. Dass sich Schalke um den 36-jährigen Sturm-Veteranen Vedad Ibisevic, bei Hertha BSC Berlin ausgemustert, bemüht, passt da ins Bild. Wobei Ibisevic vielleicht genau der Typ Spieler ist, den Schalke benötigt.

Was beim Weggang von Weston McKennie ein bisschen zu kurz kommt: Schalke verliert nach Daniel Caligiuri (ablösefrei zum FC Augsburg) einen zweiten Mittelfeldspieler, der sich sogar in der Endphase der vergangenen Saison noch das Attribut „verlässlich“ verdient hat. Natürlich war auch bei Weston McKennie vor allem in den „Geisterspielen“ noch viel Luft nach oben, aber wenn in dieser so miserablen Rückrunde überhaupt noch jemand ansatzweise den Eindruck machte, er wolle das kontinuierliche Abrutschen nach unten aufhalten, dann war es Weston McKennie. Auch ihn muss Schalke – neben Caligiuri – nun erst einmal ersetzen.

Drei Stammspieler weg

Das wird die Aufgabe von David Wagner sein. Für den Trainer bleibt aktuell zu bilanzieren: Drei Stammspieler (Torwart Alexander Nübel inklusive) sind weg, ein Neuzugang ist noch nicht da. Das ist alles noch kein Grund zur Panik. Aber so langsam wird es Zeit, dass sich auch Schalke in der Schlange im Supermarkt einreiht – der hat zwar noch bis Anfang Oktober geöffnet, aber auf den Schlussverkauf sollten sich Schneider und Co. lieber nicht verlassen.

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Der FC Schalke 04 in Längenfeld – Eine Bilanz

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