Im Fußball werden heutzutage viele Daten erfasst, nicht alle sind nützlich. © Rehbein/RHR-FOTO/Sauerland
Schalke-Kolumne

Expected Unfug – was Statistiken (über Schalke) sagen

Expected Goals, Heatmaps, schnellster Spieler – im Fußball kursiert derzeit viel unnützes Wissen. Immerhin eine valide Statistik spricht für Schalke.

Seit einiger Zeit werden bei Spielen neben den Toren auch die „Expected Goals“-Werte der Mannschaften eingeblendet – also die laut einem Datenmesser erwarteten Tore. Dynamo Dresden hatte beim Spiel auf Schalke dabei die besseren Werte, aber 0:3 verloren. Das war so, als hätte der Prüfer eine nicht bestandene Klausur mit den Worten zurückgegeben: „Aber dein Füller war wunderschön!“

Die „Expected Goals“ berechnen unter anderem aus dem Winkel und dem Ort des Torschusses die Wahrscheinlichkeit eines Treffers. Wie viel Unfug in dieser Spielerei steckt, hat der Frankfurter Trainer Oliver Glasner kürzlich wunderbar herausgestellt.

Er erklärte, dass beispielsweise bei einem Elfmeter der „Expected Goals“-Wert („xG 0,77“) immer gleich bleibe – ganz egal, ob Glasner den Strafstoß schieße oder Robert Lewandowski. Und er bleibe auch gleich, ganz egal, ob er im Tor stehe oder eben Eintracht-Keeper Kevin Trapp.

Mit dem geflügelten Wort aus dem Ruhrgebiet „Den hätte meine Omma mit dem Krückstock gemacht“ ließe sich das so übersetzen: Die Omma mit dem Krückstock hat den gleichen „Expected Goals“-Wert wie Robert Lewandowski – das würde sie sicherlich freuen, sie würde es aber ebenso als „großen Tinnef“ ausmachen.

Es begann mit den Heatmaps

Außerdem werden bei der Trend-Statistik keine Chancen mit einberechnet, wenn Spieler kurz vor dem Tor nur haarscharf am Ball vorbeirutschen. Derzeit versuchen viele Medien den Fußball mit allerlei Statistiken zu erklären, sie wollen ihn anhand von Daten in Schemata pressen. Das begann vor einigen Jahren mit sogenannten „Heatmaps“, die eher Kinderzeichnungen mit Wachsmalstiften glichen und fast keinen Erkenntnisgewinn lieferten. Wie sagte der ehemalige Kommentator Werner Hansch: „Welche Statistik stimmt schon? Nach der Statistik ist jeder vierte Mensch Chinese. Und hier spielt gar kein Chinese mit!“

In dieser Saison wird zum Ende der Partie auch eingeblendet, welcher Spieler der schnellste auf dem Rasen war. Die Sender könnten genauso gut einblenden: „Lieblingsgericht: Lasagne!“ Denn wenn ein Spieler sehr schnell ist, kann er eben auch sehr schnell immer wieder in die falsche Richtung laufen.

Der ehemalige Schalker Spieler Rabbi Matondo war verdammt schnell, er kam für zehn Millionen von Manchester City. Heute spielt er unregelmäßig bei Cercle Brügge in der belgischen Liga. Es wäre mal eine Statistik interessant, ob Matondo bei seinen Sprints mehr Kalorien oder Schalke mehr Kohle verbrannt hat.

Schalke mit starker Zweikampf-Statistik

Nicht jede Statistik ist tatsächlich unnütz. Ich fand es nun interessant zu sehen, dass Schalke in dieser Saison ligaweit die meisten Zweikämpfe führt und dabei auch die beste Quote aufweist. Gleichzeitig liegt das Team beim Thema Passsicherheit auf dem achten und bei den Ballkontakten auf dem zehnten Platz – beides wiegt schwer, wenn S04 als Aufstiegskandidat eigentlich die aktivere Mannschaft sein sollte. Der kommende Gegner Werder Bremen steht in diesen Disziplinen besser da.

Was diese Daten aber für das Spiel am Samstag zu bedeuten haben? Dazu ziehen wir am besten noch einmal Werner Hansch heran, der einst sagte: „Nicht der Bessere soll gewinnen, sondern immer Schalke.“

Über den Autor
Freier Journalist
Wuchs im Ruhrgebiet auf, studierte in Münster und arbeitete dann in Berlin zehn Jahre beim „Tagesspiegel“ und für „11Freunde“. Sein größtes berufliches Ziel bleibt ein ausführliches Interview mit Jiri Nemec. Hier schreibt der freie Journalist wöchentlich über Schalke 04.
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