Enttäuschte Gesichter (v.l.): Yaroslav Mikhailov, Ko Itakura und Victor Palsson. © Tim Rehbein/RHR-FOTO
S04-Kommentar

Nicht nur Grammozis hat das Schalker Pokal-Aus zu verantworten

Hinter vorgehaltener Hand war der Schuldige am Schalker Pokal-Aus schnell gefunden: Trainer Grammozis. Begründung seiner Kritiker: Seine Rotation sei zu riskant gewesen. Stimmt das?

Für Dimitrios Grammozis war es keine Überraschung, dass er sich nach dem Schalker Pokal-Aus bei einem Drittligisten kritischen Fragen ausgesetzt sah. Dass nicht nur der zuletzt so starke Martin Fraisl, sondern auch noch Thomas Ouwejan und Simon Terodde zunächst auf der Ersatzbank Platz nahmen, sorgte für Unverständnis.

Die Kritik ist einerseits berechtigt. Denn in einem für Schalke so wichtigen Spiel in sportlicher und finanzieller Hinsicht, waren diese Personalentscheidungen enorm riskant. Und sie sendeten womöglich auch an den Gegner das falsche Signal. Die Schalker Botschaft: Wir verzichten zunächst auf unseren besten Torjäger (Terodde) und besten Torvorbereiter (Owejan), weil wir auch ohne die beiden stärker sind.

Fataler Trugschluss

Dies erwies sich als fataler Trugschluss. Dennoch ist es zu einfach, nach diesem bitteren Aus den Trainer zum „Sündenbock“ zu stempeln. Denn jeder Spieler im Kader des FC Schalke 04 hält sich doch von seinem Selbstverständnis her für mindestens zweitligatauglich.

Doch diesen Beweis konnten Pieringer und Co. selbst bei einem ehrgeizigen Drittligisten nicht antreten. Wenn Grammozis richtig feststellt, „wir haben den Start ein bisschen verpennt“, dann sollten sich seine Spieler an die eigene Nase fassen.

„Zweiter Anzug“ passt nicht

Sie sind nämlich mindestens genauso verantwortlich für das Scheitern im DFB-Pokal wie ihr Trainer. Wie Darko Churlinov die Partie anging, war nur schwer zu ertragen. Der junge Russe Yaroslav Mikhailov muss noch viel lernen und Marvin Pieringer? Der strahlte wieder einmal kaum Torgefahr aus.

Diese Defizite führen letztlich noch einmal vor Augen, dass der „zweite Anzug“ von Schalke nicht passt. Dem Kader fehlt die Breite. Dass der ein bisschen angeschlagene Ouwejan wegen der schwachen Vorstellung von Churlinov so früh eingewechselt wurde, spricht Bände und war nicht geplant. Doch Grammozis fehlen die Alternativen, um das Leistungsniveau seiner Mannschaft zu halten.

Dieses Ungleichgewicht könnte im weiteren Meisterschaftsverlauf noch fatale Folgen haben, wenn sich Leistungsträger verletzten sollten. Dass die Aussichten auf Mehreinnahmen im DFB-Pokal nun nicht mehr existieren, schränkt den finanziellen Handlungsspielraum in der Winterpause weiter ein.

Schalke hat die große Chance verspielt, im Pokal für positive Schlagzeilen zu sorgen. Nun könnte auch die Euphorie im Liga-Alltag schnell vorbei sein. Schon am Freitag geht es nach Heidenheim. Da müssen Terodde und Co. eine Reaktion zeigen. Von der ersten Minute an.

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