Altkanzler Schröder zeigte sich gerne mit Schalke-Fanartikeln: Dieses Trikot mit seinem Fußballer-Spitznamen „Acker“ bekam er 2004 bei einem Besuch in einer Kleingartenanlage geschenkt. © dpa
Schalke-Kolumne

Politiker und Fußball: „Fahr erstmal auswärts!“

Nicht nur vor der Wahl zeigen sich Politiker als Fußballfans. Auch der FC Schalke hat dabei eine besondere Geschichte.

Diesmal will ich mit einem Tabubruch beginnen: nämlich in eine Schalke-Kolumne mit zwei Zitaten von einem Ex-Bayern-Spieler und einem Dortmund-Fan einsteigen. Doch beim Thema „Politiker und Fußball“ gefallen mir ihre Bonmots einfach zu gut.

Der FCB-Spieler Mehmet Scholl wurde einmal gefragt, wie es denn so war, als der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl nach dem EM-Sieg 1996 in der Kabine der deutschen Nationalmannschaft auftauchte. Scholls Replik: „Eng.“ Und als sich vor einigen Jahren der FDP-Politiker Christian Lindner auf den sozialen Netzwerken im schwarz-gelben Schal dem BVB andiente, schrieb ein Fan darunter: „Fahr erstmal auswärts!“

Nicht nur dem Nachbarn im Ruhrgebiet warfen sich die Politiker an den Hals, sondern auch dem FC Schalke. Jürgen W. Möllemann saß jahrelang in den Gremien und landete im gelben Anzug per Fallschirm im Gelsenkirchener Parkstadion. Der Manager Rudi Assauer pflegte angeblich ein vertrauensvolles Verhältnis zum FDP-Spitzenpolitiker.

Schröder hatte mehr Lieblingsvereine als Ex-Frauen

Auch der Kanzler a.D. Gerhard Schröder zeigte sich mit einem Schalke-Schal, was aber keine Besonderheit darstellte. Denn Schröder wirkte, als sei er durch das komplette Fan-Sortiment von Karstadt-Sport getaucht: Mal winkte er im Hannover-Schal, dann mit Energie Cottbus-Fanartikel, später dann ebenfalls mit BVB-Outfit. Er hatte zeitweise mehr Lieblingsvereine als Ex-Frauen.

Schröder soll auf Schalke allerdings den Sponsorendeal mit Gazprom vermittelt haben, der den Königsblauen eine ganze Stange Geld einbrachte, aber auch das reine Gewissen kostete.

Verhaltener zeigte der aktuelle Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier seine Affinität zum S04, nur einmal posierte er mit dem Buch „Königsblau“ vor seinem Anwesen. Bei Steinmeiers stetig verkniffenem Gesichtsausdruck lässt sich aber durchaus vermuten, dass er sich vor seinen Reden noch einmal das 1:4 in Regensburg im Schloss Bellevue zu Gemüte führt.

„Dem Ernst-Kuzorra-seine-Frau-ihr-Stadion“

Steinmeiers Vorgänger Johannes Rau ist immerhin mit seinem Vorschlag für den weiblichen Namen eines neuen Schalker Stadions in Erinnerung geblieben: „Und wie soll das dann heißen? Dem Ernst-Kuzorra-seine-Frau-ihr-Stadion?“ Die Sportfreunde Wanne-Eickel setzten die Idee später in die Tat um und tauften ihre Heimstätte „Dem Bürgermeister seine Frau ihr Stadion“.

Die aktuellen Bewerber für die Kanzlerschaft haben ganz unterschiedliche Lieblingsklubs: Armin Laschet schwört auf Alemannia Aachen, Annalena Baerbock auf Werder Bremen und Olaf Scholz wird wohl im Zweifel wieder einfach das Gleiche machen wie Angela Merkel. Immerhin fallen sie nicht durch den Opportunismus von CSU-Chef Markus Söder auf, der für seinen Heimatklub Nürnberg jubelt und sich gleichzeitig bei jeder Gelegenheit an den FC Bayern ranwanzt.

Für Schalker dürfte die Wahl erst einmal keine direkten Auswirkungen haben, die nötigen finanziellen Rettungsschirme werden ja auf Landesebene entschieden. So bleibt nur die Empfehlung eines ehemaligen Schalker Spielers für den Sonntag. Leon Goretzka sagte kürzlich in der „FAZ“: „Ich möchte die Möglichkeit nutzen, alle darauf hinzuweisen, dass sie ihre Stimme abgeben. Und ich sage auch klar und deutlich: Jede Stimme für eine demokratische Partei ist eine gegen die AfD.“

Über den Autor
Freier Journalist
Wuchs im Ruhrgebiet auf, studierte in Münster und arbeitete dann in Berlin zehn Jahre beim „Tagesspiegel“ und für „11Freunde“. Sein größtes berufliches Ziel bleibt ein ausführliches Interview mit Jiri Nemec. Hier schreibt der freie Journalist wöchentlich über Schalke 04.
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