Da kommt Freude auf: Simon Terodde, Marcin Kaminski, Ko Itakura und Victor Palsson (v.l.) bejubeln den Schalker Sieg in Hannover. © Tim Rehbein/RHR-FOTO
Schalke 04

Schalke 04 in Ekstase: Warum die Leistung in Hannover Mut macht

Das Wort „Aufstieg“ wird auf Schalke weiter gemieden. Doch in Hannover spielten die Blau-Weißen erstmals wie ein Aufstiegsaspirant. Diese starke Leistung schürt die Euphorie.

Alle Macht den Gefühlen: Als Marcin Kaminski in der fünften Minute der Nachspielzeit in „Simon-Terodde-Manier“ (O-Ton-Trainer Dimitrios Grammozis) doch noch das nicht mehr erwartete Siegtor für die Königsblauen gelang, gab es kein Halten mehr. Ekstase pur herrschte auf den Rängen bei 8.000 mitgereisten Schalker Fans, bei allen Spielern auf dem Rasen und dem Funktionsteam. Jeder umarmte jeden.

Normalerweise finden Trainer ja immer ein oder mehrere Haare in der Suppe, wenn sie nach Siegen vor die Journalisten treten. Aber diesmal fiel es auch Grammozis schwer, Kritikpunkte zu finden. Zum ersten Mal in dieser Saison zeigte Schalke von der ersten bis zur letzten Minute eine überzeugende Leistung. Diese 04-Fortschritte waren unübersehbar.

Hinten stabil, vorne geduldig

Defensive Stabilität: Hannover hatte im gesamten Spiel nicht eine echte Torchance. Die Statistik wies 22:1 Torschüsse für Schalke in einem Auswärtsspiel auf. Seit dem Torwartwechsel von Ralf Fährmann zu Martin Fraisl hat der Österreicher noch kein Gegentor kassiert. Die Königsblauen halten seit 271 Minuten die Null.

Die von Grammozis bevorzugte Dreierkette mit Malick Thiaw, Ko Itakura und Marcin Kaminski, der noch keine Pflichtspielminute in dieser Saison versäumt hat, ist mittlerweile so eingespielt, dass sich die Schalker Fans in Hannover beruhigt zurücklehnen konnten. Die meisten Angriffe der Niedersachsen wurden schon im Keim erstickt.

Der Schlüssel zum Erfolg

Geduld: Obwohl die Chancenauswertung der Gäste zu wünschen übrig ließ, blieben die Schalker Spieler geduldig. Die Ordnung wurde beibehalten, das Angriffsspiel immer mit der notwendigen Absicherung vollzogen. Grammozis: „Das war ein Schlüssel zum Erfolg.“

Auch vom teilweise überharten Einsteigen der Hannoveraner ließen sich die Schalker nicht beirren. „Über einen Punkt wären wir enttäuscht gewesen, so ist es aber eine Bestätigung dafür, dass die Mannschaft ruhig bleiben kann, selbst wenn es lange 0:0 steht,“ freute sich Grammozis.

Keine Zeit zu verlieren

Mentalität: Diese Szene war symptomatisch für die Schalker Einstellung. Simon Terodde hatte gerade einen Kopfball neben das Tor gesetzt. Doch sofort sprang er auf, holte den Ball und legte ihn für den 96-Torwart zum Abstoß auf den Punkt. Sein Motto: Keine Zeit verlieren, wir wollen hier unbedingt gewinnen!

Zusammenhalt: Alle Schalker feierten gemeinsam diesen Sieg, erst auf dem Rasen, dann lautstark in der Kabine. Der vor der Saison völlig neuformierte Kader scheint zusammenzuwachsen. Fünf Siege aus den letzten sechs Spielen lassen Grammozis darauf hoffen, „dass diese Bilanz uns noch mehr Selbstvertrauen gibt“. Co-Trainer Mike Büskens schrieb auf Instagram: „Geile Emotionen. Jeder konnte wieder erleben, dass das ein echte Truppe ist“.

Zwei verletzte Spieler

Fazit: Von diesem Sieg könnte eine Initialzündung für den Rest der Saison stehen. Tabellarisch ist Schalke punktgleich mit dem Zweiten Regensburg nun schon auf Rang drei vorgerückt.

Einziger Wermutstropfen waren in Hannover die Verletzungen von Mehmet Can Aydin und Dominick Drexler. Aydin hat sich eine Verletzung im linken Oberschenkel zugezogen. Er droht länger auszufallen. Drexler musste wegen einer tiefen Risswunde genäht werden. Auch sein Einsatz im nächsten Heimspiel gegen Dynamo Dresden ist fraglich.

Zuletzt war Schalke ein Siegtor in der Nachspielzeit übrigens am 11. Dezember 2018 in der Champions League geglückt. Damals erzielte Alessandro Schöpf das 1:0 gegen Lokomotive Moskau. In der Liga gelang dies Guido Burgstaller am 21. Januar 2017 gegen Ingolstadt zum 1:0.

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