Der Vertrag von Alessandro Schöpf (l.) läuft am Saisonende aus. © dpa
Schalke 04

Schalke 04 und der große Umbruch: Die Wechselkandidaten

Schalke kommt der 2. Liga immer näher. Das hat gravierende Folgen für den Kader, der radikal umgebaut werden muss. Diese Aufgabe wird alles andere als einfach.

Selbst das Derby machte den Schalker Spielern keine Beine. Gegen Borussia Dortmund, wo doch angeblich alle königsblauen Kicker vor Ehrgeiz brennen, war nicht nur die spielerische, sondern auch die läuferische Gesamtleistung ein Armutszeugnis.

Nur 112,1 Kilometer legten Harit und Co. zurück. Lediglich die Spieler von Hertha BSC (110,1 km) liefen am vergangenen Wochenende noch weniger. Zum Vergleich: Die Fußballer von Eintracht Frankfurt spulten beim 2:1-Erfolg gegen Bayern München 123,2 Kilometer ab.

Montag trainingsfrei

Allein an diesen Zahlen wird deutlich, dass die Königsblauen nicht bundesligatauglich sind. 0,41 Punkte holte Schalke bisher nach 22 Bundesliga-Spieltagen. Nur Tasmania Berlin (0,23) war umgerechnet auf die Drei-Punkte-Wertung zu diesem Zeitpunkt der Saison noch schlechter.

Schalkes Trainer- und Betreuerstab scheint jedoch nicht gewillt, wenigstens die konditionellen Grundlagen zu verbessern. Am Montag war wieder trainingsfrei. Alles wie gehabt. Zwei Trainingseinheiten pro Tag, die für Bundesligamannschaften, die nicht international beschäftigt sind, ein- bis zweimal pro Woche eigentlich die Regel sein sollten, sind für Schalkes Spieler so selten wie Tore der Stürmer.

Viele Verkaufskandidaten

Deshalb ist ein radikaler Umbruch des Kaders am Saisonende zwingend notwendig. Allein schon aus finanziellen Gründen kann sich Schalke die hohen Personalkosten für seine Profi-Abteilung bei einem Abstieg in die 2. Bundesliga, der kaum noch zu vermeiden sein dürfte, überhaupt nicht mehr leisten.

Verkaufskandidaten sind vor allem Spieler wie Suat Serdar, Mark Uth, Amine Harit oder Omar Mascarell. Angesichts ihrer größtenteils sehr schwachen Leistungen in dieser Saison werden Interessenten jedoch nicht gerade Schlange stehen.

Schon im vergangenen Sommer erlebte Sportvorstand Jochen Schneider sozusagen sein „königsblaues Wunder“. Denn Angebote für Schalker Spieler blieben nach Informationen dieser Zeitung viele Wochen lang aus. Dies schränkte seinerseits den Schalker Handlungsspielraum für Neuzugänge gewaltig ein. Für den umworbenen Torhüter Alexander Schwolow war Schalke im Sommer noch nicht einmal in der Lage, einen Teil der vom SC Freiburg geforderten Ablösesumme zu zahlen. Kein Wunder, dass Schwolow deshalb lieber zu Hertha BSC Berlin wechselte.

Herkulesaufgabe wartet

Dann konnte auf den letzten Drücker wenigstens mit Juventus Turin eine für Schalke lukrative Übereinkunft bei Weston McKennie getroffen werden. Doch das war ein Spieler, den Schneider eigentlich unter allen Umständen halten wollte.

Solche schwierigen Szenarien sind auch im Sommer zu erwarten, die allerdings ein neuer Sportvorstand lösen muss, den eine Herkulesaufgabe erwartet, weil der Umbruch eine Größenordnung von bis zu 15 Spielern umfassen könnte. Ausgeliehene Kicker wie Sead Kolasinac oder Torhüter Frederik Rönnow werden auf Schalke ebenfalls keine Zukunft mehr haben.

Bei Alessandro Schöpf und Steven Skrzybski laufen die Verträge aus. Dass sie verlängert werden, ist nicht sehr wahrscheinlich, zumal es noch keine Gespräche gab. Anders sieht es bei Timo Becker aus. Der junge Verteidiger ist einer der wenigen Spieler im aktuellen Kader, der bisher ordentliche Leistungen bot. Schneider kündigte an, dass dem 23-Jährigen ein langfristiger Vertrag angeboten werden soll. Wenigstens ein Gewinner auf Schalke in diesen für die Fans so furchtbaren Zeiten.

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