Erlebten eine furchtbare Nacht: Gerald Asamoah und Mike Büskens. © dpa
Schalke 04

Warum Schalke 04 vor einem Berg von Problemen steht

Bei der Aufarbeitung der Fan-Attacken gibt es noch viele offene Fragen. Teammanager Gerald Asamoah leidet und Sportvorstand Peter Knäbel ist um seine Aufgabe nicht zu beneiden.

Wie ernst die Lage des FC Schalke 04 aktuell ist, davon konnte sich jeder der Journalisten ein Bild machen, der am Donnerstag bei der Pressekonferenz mit Sportvorstand Peter Knäbel und Teammanager Gerald Asamoah dabei war.

Denn wann hat es das schon einmal gegeben, dass Schalkes Kult-Stürmer bei einem Termin mit Medienvertretern nicht einmal den Anflug eines Lächelns zeigte? Stattdessen wirkte „Asa“ traurig und ratlos ob der schlimmen Vorkommnisse in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, wo sogenannte Fans des FC Schalke 04 Spieler und Sicherheitspersonal körperlich angriffen.

Die Angst von „Bujo“

Besonders zwei Szenen wird Asamoah nicht so schnell vergessen. „Ein Mitarbeiter lag am Boden und wurde geschlagen. Und Bujos (Mike Büskens, die Red.) Angst in den Augen werde ich nie vergessen“, schilderte der 42-Jährige sichtlich aufgewühlt. Asamoah selbst blieb unverletzt, doch der Schock über die Eskalation belastet ihn immer noch.

Dabei war sich die Schalke-Legende sicher gewesen, dass nichts derartiges passieren würde. „Wir haben auf dem Rastplatz unmittelbar vor der Arena mit dem Trainerteam und den Kapitänen entschieden, dass wir hinfahren. Ich war von der ersten Minute überzeugt, dass nichts passiert, weil ich die Fans kenne. Und es war viel Polizei da, das hat mir Sicherheit gegeben.“

Noch keine Antworten

Doch diese Einschätzung erwies sich als gefährlicher Trugschluss. Warum Leib und Leben von Spielern und des Ordnungspersonals in Gefahr gerieten, ist eine der drängendsten Fragen, die noch nicht geklärt sind.

„Wir können dafür noch keine Antworten liefern“, so Knäbel, der bis um fünf Uhr in der Früh damit beschäftigt war, dass alle Spieler und Staff in Sicherheit waren. Nächsten Montag will Knäbel bei einem Termin mit der Gelsenkirchener Polizei dabei sein, um zum Beispiel zu klären, warum die Ordnungshüter zwar in ausreichender Zahl vor Ort waren, aber nicht den Mannschaftsbus auf den Arenaring begleitete. Die Polizei hat derweil eine eigene Ermittlungskommission für die lückenlose Aufklärung gegründet. Strafanzeigen von möglichen Opfern seien bisher nicht eingegangen.

Kein Training

Knäbel: „Wir verurteilen jede Form von Gewalt!“, bekräftigte der 54-Jährige, der einen großen emotionalen Schaden nicht ausschließt. Die Rückkehr zum normalen Tagesgeschäft ist bei den Königsblauen noch längst nicht absehbar. Die ersten beiden Trainingseinheiten nach der Niederlage in Bielefeld wurden abgesagt. Wie es weiter geht, wird kurzfristig entschieden.

Knäbel ist um seine Aufgabe wahrlich nicht zu beneiden. Er muss mit wenig Geld eine neue Mannschaft aufbauen, die in der 2. Liga eine gute Rolle und im besten Fall den sofortigen Wiederaufstieg schaffen kann. Dabei mithelfen will Ahmet Kutucu. Im Gespräch mit der niederländischen Zeitung „Tubantia“ kündigte der aktuell an Heracles Almelo verliehene Stürmer seine Rückkehr an.

Kutucu kehrt zurück

„Die zweite Bundesliga ist eine harte Liga mit guten Gegnern, ähnlich wie die Championship in England. Das ist gut für mich, ich würde gerne dort spielen und in einem Jahr feiern, dass wir wieder auf dem höchsten Level sind“, so Kutucu, der selbstbewusst meint: „Nächste Saison werden wir Meister.“

Dazu gehört jedoch ein gewaltiger Kaderumbau, den Knäbel nun in Angriff nehmen muss. Das Gesicht der Mannschaft wird sich gravierend verändern. Zeit dafür bleibt kaum, weil die Zweitliga-Saison schon am 23. Juli beginnt. Viele Spieler werden den Verein verlassen, weil ihre Verträge auslaufen (zum Beispiel Shkodran Mustafi oder Frederik Rönnow) oder weil sich Schalke ihr Gehalt nicht länger leisten kann (wie etwa Matija Nastasic oder Mark Uth).

Doch zunächst geht es für Schalke darum, die restlichen vier Saisonspiele – gegen Hertha wird am 12. Mai gespielt – anständig zu beenden. Sonst kehrt bei Asamoah das Lächeln auch weiterhin nicht zurück.

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