Abwehrchef Naldo und sein völlig gebrauchter Tag

Unglücklicher Auftritt

Schalkes Naldo stand am Samstagabend bei der Niederlage gegen RB Leipzig bei den entscheidenden Situationen im Mittelpunkt - allerdings meist unglücklich. Seine Mitspieler sehen andere Gründe für die Niederlage.

Leipzig

, 15.01.2018, 07:17 Uhr / Lesedauer: 3 min
Abwehrchef Naldo und sein völlig gebrauchter Tag

Zwischen Frust und Dank für die Fan-Unterstützung: Schalkes Naldo (r.) war die tragische Figur bei der 1:3-Niederlage in Leipzig. © dpa

An sein 335. Bundesligaspiel wird Naldo wohl noch einige Tage denken. Denn bei der Schalker 1:3 (0:1)-Niederlage in Leipzig gelang dem Abwehrspieler das Kunststück, an allen vier Treffern der Partie mittel- oder unmittelbar beteiligt zu sein.

Einsatz unklar

Dabei war zunächst gar nicht sicher, ob der Schalker Abwehrchef würde spielen können. „Am Freitag musste ich wegen Oberschenkelproblemen das Abschlusstraining sausen lassen und ließ mich behandeln“, erklärte der 35-Jährige auf Nachfrage dieser Zeitung.

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Im Spiel war jedoch nichts davon zu spüren, dass Naldo noch Probleme hätte. Auch mit der Schlappe, die Schalkes Erfolgsserie von 13 Pflichtspielen ohne Niederlage beendete, ging der Innenverteidiger professionell um. „Wir haben trotzdem positive Sachen gezeigt. Es waren Kleinigkeiten, die wir nicht so gut gemacht haben. Jetzt heißt es, die Partie gut zu analysieren und im nächsten Spiel gegen Hannover drei Punkte zu holen“, so der Routinier.

Naldo nährt die Hoffnungen

Mit seinem Kopfballtor nach 55 Minuten zum zwischenzeitlichen 1:1 hatte Naldo die Hoffnungen genährt, dass Schalke auch in Leipzig erfolgreich sein könnte. Doch gerade für ihn verliefen die 90 Minuten als besondere Achterbahn der Gefühle. Denn in der ersten Halbzeit hatte Naldo einen Schuss von Naby Keita (41.) unhaltbar für Torhüter Ralf Fährmann höchst unglücklich zur Leipziger Führung abgefälscht, und nach der Pause lief es für ihn bis auf sein Tor auch nicht besser. Naldo leitete mit einem schludrigen Pass auf Amine Harit das 1:2 durch den eingewechselten Nationalspieler Timo Werner (69.) ein und fälschte auch noch beim entscheidenden 1:3 durch Bruma (71.) den Ball ab.

Schuldzuweisungen gab es nach Naldos „gebrauchtem Tag“ jedoch keine. Trainer Domenico Tedesco urteilte: „Wir haben nach Naldos Fehler noch viele Möglichkeiten, das Tor zu verhindern. Außerdem hat uns Naldo schon so, so viele Male geholfen.“ Und Fährmann erklärte pathetisch: „Naldo ist unser Anker, ein Fels in der Brandung. Er war auf keinen Fall der Auslöser für die Niederlage, sondern hat erneut sehr viele Zweikämpfe gewonnen.“

Heidel ist verwundert

Ausschlaggebend für die Niederlage waren aus Schalker Sicht andere Dinge. So wunderte sich Manager Christian Heidel, „dass sich die Mannschaft in der zweiten Halbzeit nicht an das taktische Konzept gehalten hat. Das hieß, möglichst wenig durchs Zentrum zu spielen, weil das eine große Stärke von RB Leipzig ist.“

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In der ersten Halbzeit konnten die Königsblauen 35 Minuten sehr gut mithalten. Kurioserweise ging die Spielkontrolle erst etwas verloren, als Fährmann einen Elfmeter von Jean-Kevin Augustin (37.) abwehren konnte. Tedesco: „Danach haben wir zu viele Bälle im Zentrum verloren. Insgesamt haben wir kein gutes Spiel gemacht, alles andere wäre gelogen oder zu viel durch die Schalker Brille geschaut. Leipzig hat verdient gewonnen.“

Begeisterung bei Hasenhüttl

Wie groß die Erleichterung bei den Gastgebern über diese drei Punkte war, zeigte die Reaktion von RB-Trainer Ralph Hasenhüttl beim Schlusspfiff, als der 50-Jährige begeistert aufs Spielfeld lief und jeden seiner Spieler in den Arm nahm.

Vom Leipziger Doppelschlag erholten sich die Schalker nicht mehr. Das bewies auch die Statistik. Leipzig war mit 11:3 Abschlüssen und 6:1 Torschüssen deutlich überlegen. Tedesco setzt jetzt auf einen Lerneffekt bei seiner Mannschaft: „Wir sind in einem Entwicklungsprozess, der noch lange nicht beendet ist.“ Schon gegen Hannover wird sich zeigen, ob die Königsblauen die richtigen Schlüsse gezogen haben.

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