Andre Breitenreiter: "Das habe ich mir verdient"

S04-Trainer im Interview

Bei keinem anderen Bundesligaverein saßen so viele Trainer auf der Bank, wie beim FC Schalke 04. André Breitenreiter ist der 43. Trainer, der nun sein Glück bei den Königsblauen versucht. Im Interview mit Frank Leszinski spricht der 41-Jährige über seinen Hang zum Perfektionismus, den Umgang mit Stars und seine fußballbegeisterte Familie.

GELSENKIRCHEN

06.08.2015, 05:52 Uhr / Lesedauer: 3 min
Andre Breitenreiter hat auf Schalke keine Angst vor großen Namen. "Ich kritisiere, wenn es angebracht ist, jeden hart im Detail."

Andre Breitenreiter hat auf Schalke keine Angst vor großen Namen. "Ich kritisiere, wenn es angebracht ist, jeden hart im Detail."

Wie gehen Sie mit dem Medienrummel auf Schalke um? Sie werden es nicht glauben, aber in Paderborn hatte ich in dieser Hinsicht mehr zu tun.

Im Ernst? Ehrlich. Dies war der besonderen Situation in Paderborn geschuldet. Da hat sich das Interesse hauptsächlich auf meine Person fokussiert. Mir fehlten noch etwas die Erfahrungswerte. Im ersten Trainingslager mit Paderborn hatte ich keine fünf Minuten frei. Das war extrem, aber es hat dem Verein sehr geholfen.

Jetzt lesen

Auf Schalke wird es mehr darauf ankommen, Spiele zu gewinnen. Es ist klar, dass hier ein Platz in der oberen Tabellenregion erwartet wird. Gewinnen kann auch bedeuten, unsere Fans zurückzugewinnen. Wenn uns das gelingt, werden auch Niederlagen zugestanden.

Wie nervös sind Sie vor dem ersten Pflichtspiel am Samstag im DFB-Pokal beim MSV Duisburg? Ich bin eigentlich immer relativ entspannt. Für mich ist immer wichtig, dass wir im Vorfeld alles dafür getan haben, um bestmöglich aufgestellt zu sein. Das heißt, wir analysieren den Gegner bis ins letzte Detail und trainieren so, dass wir wissen, was uns auf dem Platz erwartet.

Wie weit sind Sie mit ihrem Vorhaben, den Schalker Spielstil zu verändern? Wir sind auf einem sehr guten Weg. Wir haben die Spielertypen, die das umsetzen können, nämlich attackieren und nicht abwartend spielen.

Jetzt lesen

Sie selbst waren früher Stürmer. Hängt damit ihre offensive Spielidee zusammen? Nicht nur. Es geht auch darum, gegen den Ball kompakt und massiv zu verteidigen. Es ist statistisch belegt, dass rund 50 Prozent der Tore in der Bundesliga bei Ballverlust in der gegnerischen Hälfte fallen. Deshalb wollen wir früh den Gegner angreifen und defensiv gut umschalten.

Welche Spieler haben Ihnen in der Vorbereitung besonders Freude bereitet? Da will ich keinen Einzelnen herausheben. Alle haben sich im Urlaub gut vorbereitet und mehr gemacht als vorgegeben war. Das kann natürlich damit zusammenhängen, dass jeder sich bestmöglich präsentieren will. Auf der anderen Seite haben sich die Jungs aber auch mit der vergangenen Saison auseinandergesetzt.

Hatten Sie vor Beginn Ihrer Arbeit Kontakt zu ihrem Vorgänger Roberto Di Matteo? Nein. Ich wollte ganz unvoreingenommen an meine neue Aufgabe herangehen.

War es immer schon Ihr Ziel, nach ihrer Profikarriere Trainer zu werden? Das hatte ich nicht wirklich so geplant. Ich habe mich nach meiner aktiven Laufbahn breit aufgestellt, Sportmanagement studiert, erste Trainerscheine gemacht und war Scout für den 1. FC Kaiserslautern. Hinzu kam noch eine koordinierende Tätigkeit für eine Sportagentur.

Fußball haben Sie aber auch noch gespielt ... Im Mittelfeld beim TSV Havelse. Als in der Winterpause der Abstieg aus der Regionalliga so gut wie besiegelt schien, habe ich mich überreden lassen, dort Trainer zu werden.

Und sind auf den Geschmack gekommen? So kann man es sagen. Die Arbeit hat mir Spaß gemacht. Wir haben den Klassenerhalt noch geschafft und ich habe positive Rückmeldungen bekommen. Zwei Bundesliga-Manager haben mir dringend geraten, den Fußballlehrer-Lehrgang zu machen, weil mir eine große Karriere bevorstehen würde.

Beim Schalke-Tag wirkten Sie regelrecht fasziniert, dass Sie hier Trainer sind. Täuscht der Eindruck? Ich glaube nicht, dass mir etwas geschenkt wurde. In den vergangenen Jahren habe ich mit Vereinen Erfolge gefeiert, wo die Rahmenbedingungen deutlich schwieriger waren. Deshalb habe ich es verdient, dass ich jetzt Schalke-Trainer bin.

Wie denkt ihre Familie über ihre neue Aufgabe? Sie stehen voll dahinter. Meine Frau und meine beiden Kinder sind sehr fußballbegeistert. Mein Sohn Emil war oft der Erste auf dem Platz, wenn wir ein Spiel gewonnen haben.

Ist es für Sie ein Vorteil, dass der Wechsel nach einer enttäuschen Saison zustande kam, weil die Erwartungen nicht ganz so groß sind? Das ist sicherlich kein Nachteil. Aber warten wir erst einmal die ersten Spiele ab (lächelnd). Im Ernst: Ich bin total überzeugt von dem, was wir im Trainerteam tun und wie die Mannschaft mitzieht.

Wie klappt der Umgang mit Stars wie Huntelaar oder Draxler? Ich kritisiere, wenn es angebracht ist, jeden hart im Detail. Dabei geht es nicht darum, jemanden persönlich anzugehen, sondern um den Erfolg der Mannschaft.

Wie schwer fällt es Ihnen, nach der Arbeit loszulassen? Also Schlafstörungen habe ich keine. Aber ich bin schon etwas perfektionistisch veranlagt und will wissen, was innerhalb und rund um die Mannschaft passiert.

Was wollen Sie am Saisonende erreicht haben? Ich möchte eine Mannschaft auf dem Platz sehen, die offensiven und attraktiven Fußball spielt. Wo die Fans gerne ins Stadion kommen. Und das verbunden mit so vielen Siegen wie möglich.

Lesen Sie jetzt