Andre Breitenreiter zählt seine Mannschaft an

Frostiger Frühling auf Schalke

Der Tag danach: Die Sonne scheint auf Schalke nach dem peinlichen 0:3 (0:2)-Auftritt beim FC Ingolstadt, die dem starken Aufsteiger den bisher höchsten Sieg in seiner Bundesliga-Geschichte bescherte. Doch die Vorboten des so lange erwarteten Frühlings können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Stimmung bei den Königsblauen frostiger wird.

INGOLSTADT

04.04.2016, 06:25 Uhr / Lesedauer: 2 min
Andre Breitenreiter zählt seine Mannschaft an

Franco Di Santo am Boden - eine passende Szene zum Schalker Auftritt in Ingolstadt.

Zu sehr klaffen Anspruch und Wirklichkeit in dieser Saison auseinander. Nach dem frühen Aus in beiden Pokalwettbewerben droht nach dem sportlichen Offenbarungseid in Oberbayern eine Spielzeit ohne internationalen Wettbewerb.

Klägliche Leistung

Mit viertelstündiger Verspätung beginnt das Training am Sonntag. Die Spieler starten mit finsteren Mienen mit dem Warmlaufen unter den Augen von rund 300 Fans, die auf Proteste ob der kläglichen Leistung in Ingolstadt verzichtet haben. Den Frust ihrer Anhänger bekamen die Schalker Spieler jedoch am Samstag am Spielort zu spüren. Der obligatorische Gang in die Schalker Fankurve nach dem Spiel geriet zur Abrechnung von 2000 mitgereisten Anhängern, die ihrer Enttäuschung freien Lauf ließen.

„Es war nicht schön, diesmal in die Kurve zu gehen. Aber ich habe absolutes Verständnis für unsere Fans. Wenn man 0:3 in Ingolstadt verliert, haben sie ein Recht dazu“, sagte Dennis Aogo, dessen ehrliche Selbstkritik wie bei fast allen Schalker Spielern mit der eigenen Leistung auf dem Platz nicht korrespondierte.

Umstrittener Elfmeter

Wie Schalke nach dem umstrittenen Elfmeter von Moritz Hartmann in Rückstand geriet und danach jegliche Gegenwehr einstellte, gehörte für Breitenreiter zu den deprimierendsten Erfahrungen in dieser Saison. Hinterseer kurz vor dem Halbzeitpfiff und Lezcano mit freundlicher Unterstützung des völlig indisponierten Neustädter besorgten den 3:0-Endstand für die Ingolstädter, die ihren Erfolg kaum fassen konnten.

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Bundesliga, 28. Spieltag: FC Ingolstadt 04 - FC Schalke 04 3:0 (2:0)

Bilder der Bundesliga-Partie zwischen dem FC Ingolstadt 04 und dem FC Schalke 04.
02.04.2016
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Bilder der Bundesliga-Partie zwischen dem FC Ingolstadt 04 und dem FC Schalke 04.© Foto: dpa
Bilder der Bundesliga-Partie zwischen dem FC Ingolstadt 04 und dem FC Schalke 04.© Foto: dpa
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Bilder der Bundesliga-Partie zwischen dem FC Ingolstadt 04 und dem FC Schalke 04.© Foto: dpa

Breitenreiter hatte dagegen die Nase voll von seiner Mannschaft. Der 42-Jährige ging erstmals völlig zu Recht auf Konfrontationskurs zu seinem Team. Sein Urteil ließ keinen Platz für Interpretationen. „Nach dem Elfmeter haben wir alles vermissen lassen: Biss, Herz, Einstellung. Man muss in jedem Spiel an die Grenzen gehen“, stellte der Trainer seinen Spielern ein vernichtendes Zeugnis aus.

Gegen Dortmund, Bayern und Leverkusen

Auch am Sonntag wirkte Breitenreiter noch angefressen. Statt lockerem Auslaufen, wie nach Spieltagen üblich, gab es ein Trainingsspiel über 60 Minuten, das der Coach im Gegensatz zu sonstigen Gepflogenheiten weitgehend stumm und regungslos verfolgte. Dass Matija Nastasic und Marco Höger erstmals wettkampfspezifisch trainieren konnten, wird ihm nur ein kleiner Trost gewesen sein.

Denn Schalke ist drauf und dran, alles zu verspielen. Die nächsten Gegner heißen Dortmund, Bayern und Leverkusen. In der Form von Ingolstadt werden die Königsblauen in diesen Partien keinen Punkt holen. Allein der aktuelle Abstand zum Erzrivalen BVB ist mit 23 Zählern derart angewachsen, dass jedem Schalker Anhänger die Worte fehlen.

Heldt frustriert

Auch Horst Heldt hatte unmittelbar nach der Partie Mühe, seinen Zorn zu bändigen. „Ich bin nicht der einzige, der sauer ist. Mir fehlen ein bisschen die richtigen Worte. Natürlich fehlt mir auch ein Aufbäumen innerhalb dieser Truppe, wir ergeben uns zu schnell dem Schicksal“, erläuterte ein frustrierter Heldt.

Wenn Mannschaften solche Grundtugenden wie Kampf und Einsatzbereitschaft vermissen lassen, wird dafür schnell der Trainer verantwortlich gemacht. Breitenreiter muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sich seine Mannschaft unter seiner Führung nicht weiterentwickelt hat.

Neue Spekulationen

Bleiben Erfolge in Zukunft aus, wird die Trainerdiskussion auf Schalke garantiert an Fahrt gewinnen. Augsburgs Trainer Markus Weinzierl wird schon länger mit Schalke in Verbindung gebracht. Da sein Flirt mit RB Leipzig beendet ist, rückt Schalke als potenzieller neuer Arbeitgeber noch mehr in den Vordergrund.