Architekt des Schalker Parkstadions ist gestorben

Schalke 04

Auf seiner Ideen beruhte das Parkstadion, in dem die Königsblauen zwischen 1973 und 2001 ihre Heimspiele austrugen. Jetzt gab der FC Schalke 04 den Tod des Architekten Horst Klement bekannt.

Gelsenkirchen

von Boris Spernol

, 17.04.2021, 07:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
Am 19. Mai 2001 fand das letzte Schalker Bundesligaspiel im Parkstadion statt.

Am 19. Mai 2001 fand das letzte Schalker Bundesligaspiel im Parkstadion statt. © dpa

Horst Klement, einer der Architekten des Gelsenkirchener Parkstadions, ist nach Angaben des FC Schalke 04 bereits am 20. Februar dieses Jahres in Bayern verstorben. Auf der Basis seiner Ideen wurde 1969 der Grundstein für die Spielstätte auf dem Berger Feld gelegt, in der die Königsblauen zwischen 1973 und 2001 ihre Heimspiele austrugen.

In diesem Zeitraum von 28 Jahren waren nach Vereinsangaben mehr als 19 Millionen Besucher zu Gast im Parkstadion, insgesamt 539 Schalker Pflichtspiele fanden dort statt. Außer den Fußball-Spielen des FC Schalke 04 wurden hier noch zahlreiche weitere Veranstaltung ausgetragen: Von der Weltmeisterschaft 1974 und der Europameisterschaft 1988 über Deutsche Leichtathletik-Meisterschaften und verschiedene Rockkonzerte bis hin zum Papstbesuch oder dem Evangelischen Kirchentag.

Klement haderte mit dem Parkstadion

Den Namen erhielt die Anlage durch einen öffentlichen Aufruf von Stadt und Verein. Fans und Freunde des Vereins wurden aufgefordert, Vorschläge einzureichen. Es gewann Hubert Rosiejak, der die Formulierung „Parkstadion“ ins Spiel brachte, weil das Bauwerk in ein parkähnliches Areal eingebettet war. Rosiejak, der in diesem Juni 85 Jahre alt wird, gehörte jahrzehntelang als Radsport-Sprecher und internationaler Schiedsrichter zu den Besten seiner Zunft.

Der Name Parkstadion entsprach durchaus der Intention des Gelsenkirchener Architekten. Aber machte er später nie einen Hehl daraus, dass er mit der Ausführung des Stadions nicht zufrieden war: „Ich wollte den Betonklotz sowieso nicht haben“, sagte er im Rückblick. Denn Horst Klement hatte sich ursprünglich sich bei seinem Entwurf stark an Ideen für das Münchner Olympiastadion orientiert.

„Grünlösung ohne Beton“

Zusammen mit Werner Duve und Fritz Brückner hatte er sich für Gelsenkirchen einen Prachtbau mit Zeltdach erdacht. Klement strebte hierbei „eine Grünlösung ohne Beton mit Bäumen bis zur Dachkrone“ an. Doch die großen Visionen fielen pragmatischen Überlegungen zum Opfer – und den Vorgaben der Geldgeber. Klement konnte es auch nach Jahrzehnten nicht verschmerzen, „dass die das ganze Stadion so verhunzt haben“.

Für den Gelsenkirchener Architektur-Historiker Lutz Heidemann steht fest: „Klement war ein Visionär und seiner Zeit weit voraus.“ Klement war als Architekt im Verbund mit anderen auch an der sogenannten Siedlung Tossehof im Gelsenkirchener Stadt-Süden beteiligt – eine der typischen 1970er-Jahre Hochhaussiedlungen: Aber auch hier entwarf er am Ravenbusch 8 zumindest einen architektonisch anspruchsvolleren und damit aus dem Gesamtensemble herausragenden Wohnturm.

Mehrere Auszeichnungen

Klement wurde nach Angaben des Gelsenkirchener Stadtarchivs am 1. September 1934 in Karlsbad/Aich im heutigen Tschechien geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte er im hessischen Langenbergheim, wo er 1952 sein Abitur ablegte. Es folgten eine Ausbildung zum Zimmerman und ein Ingenieurstudium am Polytechnikum in Friedberg. Schon während seines Studiums arbeitete Klement in einem Architektenbüro in Nürnberg.

Im Laufe seines Berufslebens nahm Klement an einigen Architektenwettbewerben teil. Er erhielt einige Preise – unter anderen für den Neubau des römisch-germanischen Museums in Köln, die Erweiterung der Finanzschule in Nordkirchen, die Gestaltung des Bundesgartenschaugeländes in Karlsruhe sowie für den Entwurf eines Einfamilienhauses in Gelsenkirchen-Buer, das er selbst bewohnte. Ein weiteres Stadion aber entwarf er nicht.

Nachlass in Gelsenkirchen

Klement lebte und arbeitete mehrere Jahre in Gelsenkirchen-Buer, seine Ehefrau Renate gehörte für die SPD dem Rat der Stadt an. Zuletzt hatte er sich aber nach Bayern zurückgezogen. Dort starb er jetzt mit 86 Jahren. Sein Nachlass liegt bereits seit Längerem im Institut für Stadtgeschichte in Gelsenkirchen.

Vom Parkstadion existieren heute nur noch die Gegengerade und ein Flutlichtmast. Inzwischen trainieren und spielen hier die Teams der Knappenschmiede. Die originalen Sitzbänke sowie die Betonstufen des Stadions wurden restauriert und versprühen so den Charme vergangener Tage. Die Lizenzspielermannschaft des FC Schalke 04 trägt ihre Heimspiele nun in der Veltins-Arena aus – in diesem August jährt sich die Eröffnung der „neuen“ Spielstätte aber auch schon zum 20. Male.

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